Emotionale Rückkehr in der Formel 1: Vor einem Jahr verunglückte Massa
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 12:42Budapest/Düsseldorf (RP). Für Formel-1-Fahrer Felipe Massa wird der 25. Juli ein besonderes Datum bleiben. Vor einem Jahr verunglückte der Brasilianer im Qualifying von Budapest schwer. Nun ermöglichte der Ferrari-Fahrer – nach mehrmaliger Aufforderung durch sein Team – mit dem demonstrativen Bremsmanöver dem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg in Hockenheim und löste damit die Debatte über Sinn und Unsinn der Teamorder aus.
Heute kehrt der 29-Jährige auf die Strecke zurück, auf der er dem Tod ins Auge sah und auf der am Sonntag (14 Uhr/Live-Ticker) das zwölfte von 19. WM-Rennen stattfindet. Eine Stahlfeder, die sich am Auto seines vor ihm fahrenden Landsmannes Rubens Barrichello gelöst hatte, war mit der Wucht einer Tonne gegen seinen Kopf geprallt. Massa verlor das Bewusstsein und fuhr ungebremst mit Tempo 260 in die Reifenstapel.
"Dann wäre ich jetzt blind"
"Wäre die Feder einen halben Zentimeter weiter links eingeschlagen, wäre ich jetzt blind. Einen halben Zentimeter weiter oben, und ich wäre geistig behindert", sagt Massa, der sich an den Unfall nicht erinnert. "Es beschäftigt und belastet mich nicht mehr. Und schon gar nicht, wenn ich im Auto sitze. Es war eine unfassbare Situation für mich. Sie ist passiert, aber sie hat mich nicht verändert. Ich bin gesund – körperlich und psychisch."
Massa weiß, dass er viel Glück hatte. Gestern führte ihn einer seiner ersten Wege ins Medical Center am Hungaroring. "Ich bin zu den Menschen gegangen, die mir aus dem Auto geholfen haben", sagte Massa, der einige Zeit in Lebensgefahr schwebte, im künstlichen Koma lag, aber nach intensiver Reha und hartem Aufbautraining zu Saisonbeginn wieder hinter das Steuer eines Rennwagens zurückkehrte. Und das gegen den Willen seiner Frau Raffaela, die am 1. Dezember den Sohn Felipinho zur Welt brachte. "Wir hatten einen kleinen Streit, denn sie wollte nicht, dass ich fahre. Aber ich habe ihr gesagt, das bespreche ich mit den Ärzten und nicht mit dir", erzählte er.
"Eine Mission, die ich erfülle"
Rennfahren, das ist Massas Leben. "Es hört sich unglaublich an, aber wenn ich ins Auto steige, habe ich keinen Sohn, keine Frau, keinen Vater und keine Mutter. Ich habe dann eine Mission, die ich erfülle. Wenn das Rennen vorbei ist, dann sind auch die Sorgen um meine Lieben wieder da", sagt der gläubige Sportler, der in Hockenheim wie schon Anfang November 2008 einen Tiefpunkt erlebte. Damals fühlte er sich nach seinem Sieg im Saisonfinale in Sao Paulo für 38 Sekunden als Weltmeister, ehe ihm Lewis Hamilton doch noch den Titel wegschnappte.
Nicht ganz so bitter, aber doch sehr enttäuschend war das Erlebnis beim Großen Preis von Deutschland. "Ich habe getan, was ich tun musste", sagte Massa, der sich dem Diktat seines Arbeitgebers gebeugt hatte. Barrichello, der 2002 beim Österreich-Grand-Pix für Michael Schumacher hatte Platz machen müssen, zeigte Mitleid. "Felipe ist ein Freund und ich hätte ihm gewünscht, dass er diese Erfahrung nicht machen muss. Er fühlt sich genauso, wie ich mich viele Male gefühlt habe", sagte der Südamerikaner, der sechs Jahre lang bei Ferrari der Teamkollege von Michael Schumacher war. "Alles, was ich sagen kann ist, dass ich fahre, um zu gewinnen", sagte Massa, der am Sonntag zeigen will, was er kann.
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