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Platz sechs beim Comeback
Vor Schumacher liegt viel Arbeit

GP von Bahrain 2010: Reaktionen
GP von Bahrain 2010: Reaktionen FOTO: AP
Manama (RPO). Michael Schumacher fuhr bei seiner Rückkehrer in den Motorsport beim Großen Preis von Bahrain auf den sechsten Platz. Er verbessert sich damit gegenüber dem Qualifikationstraining um einen Rang. Von Eckhard Czekalla

Gut 44 Sekunden haben den erfolgreichsten Formel-1-Fahrer in der 60-jährigen WM-Geschichte beim Saisonauftakt in Bahrain von Sieger Fernando Alonso getrennt, knapp vier von seinem Teamkollegen Nico Rosberg. Dennoch war Michael Schumacher zufrieden. "Ich habe eine ganze Menge Spaß gehabt", betonte der 41-Jährige, der nach einer selbst verordneten Pause von 1239 Tagen wieder ein Rennen der Königsklasse absolvierte.

Im Qualifying hatte er den siebten Platz belegt. "Wie 1991 bei meinem Debüt in Spa", erzählte Schumacher. Damals war er im Jordan nur wenige hundert Meter weit gekommen, als ihn ein Kupplungsdefekt stoppte. Diesmal kam er ins Ziel. Die größte Veränderung nach seiner Auszeit seien die Reifen, vor allem die viel schmaleren und kleineren Vorderreifen. "Ich muss das Auto dazu bringen, dass die Reifen besser arbeiten. Es bewegt sich noch nicht so, wie ich will", sagte der Mercedes-Werksfahrer.

"Lasst uns anfangen"

In seiner Ferrari-Zeit hätte Schumacher sich nun ins Auto gesetzt und intensiv an der Behebung des Mangels gearbeitet. Doch Testfahrten während der Saison sind nicht mehr erlaubt. Aber das ist für den siebenmaligen Champion kein Grund, unruhig zu werden. "Die Basis stimmt. Wir müssen halt im Windkanal die Aerodynamik verbessern. Wir wussten nach den Tests im Februar, dass wir noch viel zu tun haben, und dieses Rennen hat uns darin bestätigt. Also lasst uns anfangen!", sagte Schumacher.

Der Ex-Champion lieferte beim Comeback eine solide Arbeit. Als er erkannte, dass nach vorne nicht viel lief, beschränkte er sich darauf, den aktuellen Weltmeister Jenson Button (England) im McLaren-Mercedes und Red-Bull-Pilot Mark Webber (Australien) im Red Bull nicht vorbeizulassen. Und das bekam er auch perfekt hin. Etwas Bammel habe er vor dem Rennbeginn gehabt, verriet Schumacher. Zwar wurde der Start im Training oft geübt, aber drei Jahre Pause hätten doch für eine Anspannung gesorgt.

Der Auftakt verlief indes unspektakulär, wie wohl das ganze Rennen, hätte Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel nicht die Probleme an seinem Auto gehabt. Sie sorgten dafür, dass der Heppenheimer von Platz eins auf Position vier hinter Alonso, dessen Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) und Ex-Weltmeister Lewis Hamilton (England) im McLaren-Mercedes durchgereicht wurde.

"Nach den ersten Runden ging es nur noch darum, keine Fehler zu machen. Und als ich dann gemerkt habe, dass Überholen hier so gut wie unmöglich war, habe ich mich auf meine Verfolger konzentriert und versucht, das Auto nach Hause zu bringen", sagte der Rückkehrer.

Schumacher körperlich obenauf

Körperlich, so Schumacher, war das Rennen für ihn keine besondere Herausforderung. "Es hat mich nicht ermüdet", bekräftigte der Kerpener, der nach dem Rennen von seinem ehemaligen Physiotherapeuten Balbir Singh und seiner Beraterin Sabine Kehm am Boxenausgang mit einem aufmunternden Klaps auf die Schulter empfangen worden war.

Der Rückstand auf die Ferraris und den Red Bull von Vettel sei zwar beachtlich, aber noch nicht besorgniserregend: "Wir haben erst ein Rennen absolviert und noch 18 vor uns. Wir haben hier das erreicht, was ich erwartet habe. Ich habe es schon oft erlebt, dass es zu Beginn einen großen Rückstand gab und ich am Ende dennoch um den Titel gekämpft habe. Es gibt immer noch eine Chance."

Am Wochenende stand der siebenmalige Weltmeister im Schatten von Nico Rosberg, der an allen drei Tagen vor dem 17 Jahre älteren Teamkollegen lag. Im Rennen wurde Rosberg Fünfter, aber er vermied es tunlichst, so etwas wie Stolz zu zeigen.

"Ich habe schon lange ein breites Kreuz, und ich bin sicher, dass ich eine großartige Saison hinlegen werde", hatte der 22-Jährige bereits am Samstag gesagt. Rosberg, als potenzieller Weltmeister gehandelt, ist wohl der stärkste Rivale, gegen den er je im eigenen Team kämpfen musste. Ross Brawn, Chef des Mercedes-Rennstalls und im vergangenen Jahr mit seinem eigenen Team noch Doppel-Weltmeister (Jenson Button/Konstrukteure), war leidlich zufrieden mit dem Auto, dagegen sehr mit den Fahrern. Mit beiden. Gerhard Berger (Österreich), früher Rivale Schumachers, traut dem "älteren Herrn" noch einiges zu. "Er ist gerade dabei, seine Sensoren zu entrosten und sie wieder auf Speed zu bringen."

Mal sehen, wie lange Michael Schumacher dazu braucht.

Quelle: RP
 
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