Brawn, Rosberg, Schumi...: Was steckt hinter dem Mercedes-Konstrukt?
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 26.12.2009 - 15:48Düsseldorf (RPO). Gleiche mehrere große Marken haben sich in den vergangenen 24 Monaten aus dem großen Formel-1-Geschäft zurückgezogen. Das Spiel mit den hohen PS-Zahlen ist teuer geworden. Mercedes geht einen anderen Weg – einen offensiven.
Der Konzernchef verkündete die frohe Botschaft im November. "Wir werden mit einem eigenen Mercedes-Team an den Start gehen", sagte Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler. "Wir glauben, dass wir so in sehr effizienter Weise die großartige Tradition von Mercedes im Grand-Prix-Sport fortsetzen können."
Gesagt, getan. Zunächst trennte sich Mercedes von seinen McLaren-Anteilen, liefert den Briten "nur" noch Motoren. Die Übernahme des Formel-1-Weltmeisterteams Brawn – auch durch den Daimler-Großaktionär Aabar aus Abu Dhabi – kostet dem Vernehmen nach 123,65 Millionen Euro. Das neue Team heißt Mercedes GP. Die Daimler AG übernimmt dazu die Mehrheit am Formel-1-Rennstall Brawn GP – 75,1 Prozent sind nun in ihrem Besitz. Ein deutscher Rennstall mit deutschem Motor.
Der Anfang beginnt also mit der Vergangenheit. Der Silberpfeil soll wiedergeboren werden. Doch mit dem Namen allein geht das nicht. Zwei Fahrer mussten her. Der erste war Nico Rosberg, mit dem man sich schnell einig wurde. Ein kluger Schachzug, denn in ein deutsches Auto passt am besten ein deutscher Fahrer. Und Rosberg gilt neben Sebastian Vettel und dem jüngsten Hoffnungsträger Nico Hülkenberg als das größte Talent hierzulande.
Ein großer Sponsor fand sich ebenfalls. Das Mercedes-Team wird mit dem malaysischen Öl- und Gasunternehmen Petronas als Titelsponsor an den Start gehen. Es soll ein langfristiger Vertrag sein.
Und schließlich folgte kurz vor Weihnachten der Mega-Coup. Die Verpflichtung von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, das größte Comeback der Formel-1-Historie. TV-Sender, Formel-1-Bosse, aber vor allem die Mercedes-Verantwortlichen reiben sich schon die Hände, obwohl der Kerpener noch gar keine Runde für sie gedreht hat. Es ist der Beginn einer Image-Kampagne, deren riesige Eigendynamik noch gar nicht abzuschätzen ist.
Dass mit den Investitionen dennoch ein Risiko verbunden ist, weiß nicht nur die gebeutelte Belegschaft des Autobauers. Ein Experte für die Automobilbranche übt an der Mercedes-Strategie Kritik. "Das ist den Leuten schwer zu vermitteln", sagte der Bremer Betriebsratschef Uwe Werner der "Frankfurter Rundschau". Auf der einen Seite verordne der Daimler-Vorstand einen harten Sparkurs und verlagere teilweise die Produktion ins Ausland. Auf der anderen Seite gebe er mal eben zig Millionen für die Formel Eins aus. "Das ist für viele Kollegen unvorstellbar".
Sportchef Norbert Haug sieht das freilich ganz anders: "Das ganze Thema wird sehr viele Autos verkaufen und sehr viele Leute auf die Qualität des Sterns aufmerksam machen", sagte er kühl. Der Konzern verkauft das Engagement in der Königsklasse des Automobilsports als Zukunftsinvestition. Und dafür haben sie sich defintiv gut aufgestellt.
- Sie haben das Weltmeisterteam gekauft, das im Gegensatz zu den meisten anderen Formel-1-Teams bereits mit geringeren Personalressourcen auf hohem Niveau arbeitet
- Teamchef Ross Brawn gilt als Superhirn der Branche, sowohl in technischen als auch in taktischen Belangen
- Brawn arbeitet bereits seit Mitte 2009 intensiv am Auto für 2010, während andere Teams noch Ressourcen in die Verbesserung des 2009er Boliden gesteckt haben
- Mercedes selbst wird einen starken Motor liefern
- Nico Rosberg ist ein hochkarätiger Pilot
- Ein Hauptsponsor ist bereits gefunden, die Marke Silberpfeil wird weitere anlocken
- Um das Umfeld kümmert sich Haug, inzwischen eine Ikone als Motorsport-Chef von Mercedes
- Und das größte Plus: Michael Schumacher hat einen Vertrag über drei Jahre abgeschlossen, ist mit geschätzten sieben Millionen Euro im Jahr vergleichsweise ein Schnäppchen. Wenn er nur annähernd so gut fährt wie zuvor, geht der WM-Titel nur über ihn. Er und Brawn sind wie ein Ehepaar, perfekt eingespielt
- Die Tribünen werden ausverkauft sein, die Ferrari-Kappen werden gegen Mercedes-Kappen ausgetauscht. Deutschland drückt seine Daumen ab sofort für Mercedes
Der Konzern geht sicher ein Wagnis ein, aber das Konstrukt Mercedes besteht aus vielen geschickt zusammengesetzten Bausteinen. Mercedes-Teamchef Ross Brawn erwartet dennoch eine schwieriges erstes Jahr: "Die Zahlen sagen, dass wir ein viel besseres Auto haben", erklärt der Brite bei "Motorsport-total". "Ob das reicht, weiß niemand. Ich weiß aber sicher: Sollte es nicht reichen, dann haben wir die Leute hier, um darauf zu reagieren."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







