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Kimi Räikkönen: Weltmeister on the Rocks

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 22.10.2007 - 14:40

Sao Paulo (RPO). Da war er wieder, der coole Finne. Auch nach seinem größten Triumph strahlte Kimi Räikkönen seine gewohnte Ruhe aus. Anders als seine Kollegen hielt Räikkönen mit den großen Emotionen nach dem Rennen in Sao Paulo hinter dem Berg. Wer den "Iceman" kennt, weiß, dass er auf der Ferrari-Party abseits der Kameras erst so richtig Gas gegeben hat.

Wie auf der Strecke. Mit einem unglaublichen Rennen hat Räikkönen das Unmögliche wahr gemacht und sich aus der McLaren-Zange befreit. Im letzten Saisonrennen holte der Erbe des siebenmaligen Titelträgers Michael Schumacher den WM-Titel. Und das als krasser Außenseiter. Vor dem Rennen belegte Räikkönen nur den dritten Rang in der Fahrerwertung. Niemand traute dem Finnen noch den großen Coup zu. Nur er selbst.

"Von außen wurde immer gesagt, dass ich ein Wunder brauche. Ich habe das anders gesehen, im Motorsport ist vieles möglich", erklärte Räikkönen nach dem Rennen gewohnt nüchtern. Es scheint, wusste er selbst am besten, dass seine Zeit in diesem Jahr gekommen ist. Zweimal musste sich Räikkönen in seiner Karriere bislang mit der Vize-Weltmeisterschaft begnügen. Ausgerechnet nach seinem Wechsel von McLaren zu Ferrari schnappte der 28-Jährige seinem ehemaligen Arbeitgeber die Krone weg.

Dass er dabei so ruhig bleibt, gehört zu seinem Gemüt. Räikkönen ist kein Mann der großen Worte, sagt in Interviews am liebsten "I don't know" - und lässt die Journalisten damit meist im Regen stehen. Die Medien sind nicht seine Welt, daraus macht Räikkönen kein Geheimnis. Der Finne konzentriert sich nur auf seine Aufgaben im Cockpit.

Was um ihn herum geschieht, ist ihm gleichgültig. "Ich fahre in der Formel 1, weil ich Spaß am Fahren habe, der Rest ist mir egal", erklärte der neue Weltmeister jüngst in einem Interview. Cool, gelassen und mit dem Blick eines echten Profis. "Reinsetzen, losfahren, ankommen, aussteigen" - so hat ein Mercedes-Mitarbeiter die Einstellung Räikkönens einst beschrieben.

Ein Profi ohne Starallüren, ohne Aussetzer. Nur beim Feiern wird es mitunter ein wenig bunt. Da tanzt Räikkönen schon mal in einem Affenkostüm über das Deck seiner Yacht. Auch das gehört zu seiner Person. Den Humor verliert der Skandinavier nie.

Nach Keke Rosberg (1982) und Mika Häkkinen (1998, 1999) ist Räikkönen der dritte finnische Weltmeister. Das erste Jahr im Ferrari krönte Räikkönen mit dem Titel. Dieser blieb ihm bei McLaren-Mercedes verwehrt. Der Grund: Immer wieder wurde Räikkönen durch technische Pannen gestoppt. 2005 hätte er bereits Weltmeister werden können, wenn er nicht durch viele Defekte immer wieder aus gebremst worden wäre. Auf Ferrari hat sich Räikkönen in diesem Jahr verlassen können. Der Anfang einer großen Liebe ist gemacht.


 
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