Van Almsick beim Meeting in Rom: Franzi: Gute Freistiel-Zeit
zuletzt aktualisiert: 02.06.2000 - 12:38Rom (sid). Franziska van Almsick greift wieder an. Dreieinhalb Monate vor den Olympischen Spielen in Sydney bestätigte die Weltrekordlerin mit 1:59,34 Minuten über 200 m Freistil, dass weiter mit ihr zu rechnen ist. Schneller als Franziska van Almsick war beim internationalen Meeting in Rom nur Europameisterin Camelia Potec aus Rumänien (1:59,25).
Claudia Poll aus Costa Rica, die Franziska van Almsick in Atlanta 1996 die Goldmedaille weggeschnappt hatte, belegte in 1:59,39 Minuten Rang drei. Über 200 m Schmetterling wurden für Franziska van Almsick tags darauf ebenfalls auf Rang zwei 2:12,34 Minuten gestoppt. Superstar Alexander Popow gewann nach den 50 auch über 100 m Freistil: In Abwesenheit seines amerikanischen Dauerrivalen Billy Pilczuk siegte der "Schwimm-Zar" in 49,85 Sekunden.
Franziska van Almsick, Werbemillionärin, Glamourgirl des deutschen Schwimmsports und zweifache Staffel-Europameisterin von Istanbul, will nicht zuletzt sich selbst beweisen, dass sie weiter erste Wahl ist. "Ich werde in Sydney alles geben und zeigen, dass ich immer noch zur Weltspitze zähle", sagt die Athletin, von der Michael Groß meint: "Nie wieder wird jemand mit dem Schwimmen so viel Geld verdienen wie sie." Nach dem Rennen in Rom war die 22-Jährige zufrieden: "Vor allem, dass ich Claudia geschlagen habe, macht mir Mut." In Atlanta hatte sie hinter Poll trotz programmiertem Gold "nur" Silber gewonnen und war danach in eine Krise getrudelt.
Die Weltrekordlerin (1:56,78) wollte in Rom demonstrieren, dass die 1:59,46 Minuten, erzielt bei den offenen französischen Titelkämpfen in Rennes, keine Eintagsfliege waren. Das gelang. Sie träumt ohnehin nicht mehr von Medaillen, sondern von der Ausschöpfung ihres schwimmerischen Potenzials, weil sie weiß, dass sie in ihrer Karriere noch nicht alle Fragen beantwortet hat.
"Ich will in Sydney anschlagen und wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und wenn ich nicht Erste werde, sondern Vierte, Fünfte oder Sechste, aber trotzdem behaupten kann, es ging nicht mehr, dann ist das okay", sagte sie zuletzt in einem Interview. Franziska van Almsick weiß, dass Sydney möglicherweise ihre letzte Chance ist, der kritischen Öffentlichkeit ihre Klasse zu beweisen.
Vor allem will sie sich selbst beweisen, dass das harte Training der letzten Wochen nicht umsonst war. "Ich ackere wie ein Pferd, weil ich noch Ziele habe", sagt sie. Die 22-Jährige, die 1992 bei den Spielen in Barcelona zwei Silber- und Bronzemedaillen gewann und vier Jahre später in Atlanta trotz Silber und Bronze den größten Frust ihrer Laufbahn verkraften musste, will noch einmal angreifen.
Selbst die harten Zeiten nach der Enttäuschung von Atlanta haben ihren Werbewert nicht beeinträchtigen können. Seit ihren ersten olympischen Medaillen in Barcelona hat "FvA" schätzungsweise bis zu 20 Millionen Mark eingenommen. Das Geld ist auch nicht mehr ihre Motivation. "Ich mache es für keine Sponsoren mehr, ich mache es auch nicht mehr der Medaillen wegen. Die Zeit ist vorbei, in der ich unbedingt siegen, unbedingt Erste sein, unbedingt Rekorde schwimmen wollte", erklärt sie.
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