200m Freistil: Franzi verpasst ersehntes Olympia-Gold
zuletzt aktualisiert: 17.08.2004 - 18:52Athen (rpo). Athen (rpo). Der fünffachen Schwimm-Europameisterin Franziska van Almsick ist der große Triumph bei den Olympischen Spielen in Athen nicht gelungen. Über die 200-Meter-Distanz (Freistil) kam sie nur auf Rang 5. Franzi ging auf der letzten Bahn die Puste aus.
Im olympischen Finale von Athen über 200 m Freistil belegte sie in 1:58,88 Minuten beim Sieg der Rumänin Camelia Potec nur den fünften Platz. "Ein bisschen fehlen mir noch die Worte", war ihr erster Kommentar nach dem Rennen ihres Lebens: "Ich habe gut trainiert, aber meine Form hier nicht gefunden." Es war zugleich Franziska van Almsicks Abschied von ihrer Paradestrecke 200 m Freistil: "Ich befürchte, ja."
Eine schillernde Karriere, eine Zeitreise durch alle Höhen und Tiefen des Spitzensports, die bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona märchenhaft begann, endete zwölf Jahre später in Athen mit der vielleicht größten Enttäuschung ihres Sportlerlebens. "Im Moment geht es mir noch gut", sagte sie unmittelbar nach dem Rennen mit versteinerter Miene und Trotz im Blick: "Natürlich müssen wir nach Gründen und Ursachen suchen, denn ich bin nicht die einzige, die hier ein bisschen tot ist." In Athen hat sie noch die 4x200-m-Freistilstaffel, die 4x100-m-Lagenstaffel und die 100 m Freistil auf dem Programm. Danach ist endgültig Schluss.
Nation fieberte mit
Eine ganze Nation fieberte mit der Weltrekordlerin, die nicht immer alle Sympathien hatte, deren Laufbahn aber jedem Respekt abnötigte. Franziska van Almsick, das war immer Umgehen mit dem öffentlichen Druck, mit dem Rampenlicht und der Dauer-Forderung: Sieg, wenn du kannst. Alles andere zählt nicht.
Ihre Laufbahn begann 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona mit Sensations-Silber über 200 m Freistil, zwei Jahre später wurde sie in Rom Weltmeisterin in Weltrekordzeit (1:56,78). Dabei hatte sie sich gar nicht für das Finale qualifiziert, erst Dagmar Hase machte den Platz und den Weg zu Rekord und Ruhm frei. 1996 in Atlanta wurde aus dem geplanten Gold Silber, 2000 in Sydney folgte der totale Absturz. Der Boulevard höhnte wie nie zuvor, aber Franziska van Almsick ließ sich nicht von ihrem Weg abbringen. Sie blieb authentisch - wie wenige im internationalen Spitzensport.
Und sie kam zurück. Strahlender als jemals zuvor. Seit ihrem großen Comeback bei der EM 2002 in Berlin steht ihre Marke bei 1:56, 64 Minuten. Fünf Titel gewann sie in ihrer Stadt, wurde erneut zur "Sportlerin des Jahres" gewählt. Eine Öffentlichkeit, die "FvA" oft nur auf dem Laufsteg wahrnahm, sah in Berlin ihre triumphale Rückkehr in den Spitzensport. Dennoch sagte sie im Jhr darauf ihre Teilnahme an den Weltmeisterschaften ab und arbeitete täglich sechs Stunden lang nur für das eine Ziel: Olympia in Athen.
Biografie schreiben
"Wenn es in Athen nicht klappt, soll es mich auf jeden Fall nicht kaputtmachen. Ich will dann trotzdem stolz sein auf das, was ich als Sportlerin geleistet habe", sagte "FvA" im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Dieser Satz steht wie in Stein gemeißelt für eine Frau, die ihre Mitte im Leben gefunden hat. Das war nicht immer so. Was aber immer war: Niemand schwimmt so schön wie sie, und nie zuvor verdiente eine Schwimmerin soviel Geld wie sie. Verändert hat es sie nicht.
Natürlich hat sie sich dabei ertappt, bei aller Konzentration auf die Spiele auch an das "Danach" zu denken: "Was wird aus mir, wenn ich nicht mehr Schwimmerin bin? Ich habe Vorstellungen, ich mache Mode, ich habe meine eigene Produktlinie, ich beschäftige mich damit, meine Biographie zu schreiben, ich will mich sozial engagieren. Die Dinge verlagern sich, die Ziele auch."
Ihr größter Wunsch vor Athen vermischte sich stets mit größter Neugier: "Wie gehe ich als Mensch mit den Olympischen Spielen in Athen um? Was passiert mit mir? Ich habe mir vor Athen immer von ganzem Herzen gewünscht, dass ich das alles durchstehe. Ich will stark sein, ich will meine Frau stehen." Nicht nur im Spitzensport. Vor allem im Leben, weil nur das wirklich zählt.
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