In 1:59,34 Minuten über 200 m Freistil: Franziska van Almsick "weiter Weltspitze"
zuletzt aktualisiert: 30.05.2000 - 19:06Rom (sid). Sie hat ihre Zweifel endgültig überwunden und greift wieder an, in Rom schob sich Weltrekordlerin Franziska van Almsick 109 Tage vor den Olympischen Spielen in Sydney wieder in den Mittelpunkt. In 1:59,34 Minuten über 200 m Freistil bestätigte die 22 Jahre alte Berlinerin, dass weiter mit ihr zu rechnen ist. Schneller als Franziska van Almsick war am Dienstag abend nur Europameisterin Camelia Potec aus Rumänien (1:59,25). Claudia Poll aus Costa Rica, die Franziska van Almsick in Atlanta 1996 Gold "geklaut" hatte, belegte Rang drei in 1:59,39 Minuten.
Franziska van Almsick, Werbemillionärin und Glamourgirl des deutschen Schwimmsports, will der Welt beweisen, dass sie weiter "top" ist. "Ich werde in Sydney alles geben und zeigen, dass ich immer noch zur Weltspitze zähle", sagt die Athletin, über die "Albatros" Michael Groß meinte: "Niemals wird jemand mit dem Schwimmen wieder so viel Geld verdienen wie sie." Nach dem Rennen in Rom meinte sie: "Ich bin zufrieden. Und dass ich Claudia geschlagen habe, macht mir Mut." In Atlanta hatte sie hinter "Kraft-Paket" Poll trotz programmiertem Gold "nur" Silber gewonnen und war danach in eine Krise geraten.
Die Weltrekordlerin (1:56,78) wollte in Rom demonstrieren, dass die 1:59,46 Minuten, erzielt bei den offenen französischen Titelkämpfen in Rennes, keine Eintagsfliege waren. Das gelang. Sie träumt ohnehin nicht mehr von Medaillen, sondern von der Ausschöpfung ihres schwimmerischen Potenzials - weil sie weiß, dass sie in ihrer Karriere noch nicht alle Fragen beantwortet hat.
"Ich will in Sydney anschlagen und wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und wenn ich nicht Erste werde, sondern Vierte, Fünfte oder Sechste, aber trotzdem behaupten kann, es ging nicht mehr, dann ist das okay", sagte sie zuletzt in einem Interview. Franziska van Almsick weiß, dass Sydney möglicherweise ihre letzte Chance ist, der kritischen Öffentlichkeit ihre Klasse zu beweisen.
Vor allem will sie sich selbst beweisen, dass das harte Training der letzten Wochen nicht umsonst gewesen ist. "Ich ackere wie ein Pferd, weil ich noch Ziele habe", sagt sie. Die 22-Jährige, die 1992 bei den Spielen in Barcelona zwei Silber- und Bronzemedaillen gewann und vier Jahre später in Atlanta trotz Silber und Bronze den größten Frust ihrer Laufbahn verkraften musste, will noch einmal angreifen.
Selbst die harten Zeiten nach der Enttäuschung von Atlanta haben aber ihren Werbewert nicht beeinträchtigen können. Seit ihren ersten olympischen Medaillen in Barcelona hat "FvA" mit ihren Verträgen schätzungsweise bis zu 20 Millionen Mark eingenommen. Das Geld ist auch nicht mehr ihre Motivation. "Ich mache es für keine Sponsoren mehr, ich mache es auch nicht mehr der Medaillen wegen. Die Zeit ist um, in der ich unbedingt siegen wollte, unbedingt Erste sein wollte, unbedingt Rekorde schwimmen wollte", erklärt sie. Die van Almsick des Jahres 2000 schwimmt für sich selbst und ihre Überzeugungen - und das könnte sie in Sydney sehr stark machen.
Nach ihrem schweren Motorradunfall 1997 stand sie vor der Entscheidung: Ja oder Nein zur weiteren Laufbahn. Sie sagte "Ja", weil "ich selbst entscheiden will, wann meine Karriere beendet ist". Und entgegen früheren Aussagen, dass mit den Jahrtausendspielen von Sydney ihre Karriere beendet sei, sagt sie jetzt: "Das weiß ich noch nicht. Da ist so ein Gefühl, da schlägt noch was in mir. Solange das Schlagen für den Sport nicht aufhört, so lange kann ich damit nicht aufhören."
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