Außenseiter setzt sich überraschend durch: French Open: Ein argentinisches Finale
zuletzt aktualisiert: 04.06.2004 - 19:50Paris (rpo). In dem rein argentinischen Halbfinale bei den French Open zwischen Gaston Gaudio und David Nalbandian konnte sich überraschend der ungesetzte Gaudio behaupten. Er trifft im Finale ebenfalls auf einen Argentinier: Guillermo Coria.
Außenseiter Gaston Gaudio fordert Sandkönig Guillermo Coria - ab sofort wird im regnerischen Paris nur noch Tango getanzt. Wenn am Sonntag das Herren-Finale der French Open ansteht, treffen zum ersten Mal in der Geschichte der Grand-Slam-Turniere zwei Argentinier aufeinander. 27 Jahre nach dem letzten Triumph von Guillermo Vilas 1977 wird der Sieger der French Open wieder aus dem Land der Gauchos kommen.
Allerdings musste Coria lange zittern, ehe er am Freitag zum ersten Mal in seiner Karriere ein Grand-Slam-Finale erreichte. Nach einer Zitterpartie besiegte der an Nummer drei gesetzte Argentinier im Halbfinale den britischen Rasen-Experten Tim Henman 3:6, 6:4, 6:0, 7:5 Eineinhalb Sätze lang schien der Serve- und Volley-Spieler aus Oxford, der schon viermal im Halbfinale von Wimbledon stand, auf dem besten Weg zum Sieg und führte schon 6:3, 4:2, ehe Coria doch noch die Wende gelang.
Nach 2:47 Stunden verwandelte der Weltranglisten-Dritte seinen zweiten Matchball zum Sieg. Sichtlich erleichtert streckte der kleine Argentinier, der seit seiner Halbfinal-Niederlage vor einem Jahr in Paris gegen den Holländer Martin Verkerk auf Sand nur eines von 37 Spielen verloren hatte, seine Hände in den grauen Himmel über Paris. "Ich bin überglücklich, aber noch nicht am Ziel", sagte Coria: "Ein Sieg fehlt mir noch."
Gaston Gaudio tat sich gegen sein Vorbild David Nalbandian deutlich leichter. Nach einer fehlerlosen Vorstellung gewann der ungesetzte Außenseiter gegen den an Nummer acht gesetzten Landsmann mit 6:3, 7:6, 6:0 und zog zum ersten Mal in ein Grand-Slam-Finale ein.
Am Ziel aller Träume
Nach 2:25 Stunden verwandelte Gaudio vor 16.000 Zuschauern auf dem Court Central seinen zweiten Matchball gegen den Favoriten - und war am Ziel aller Träume. Strahlend vor Glück streckte der Mann mit der weißen Mütze beide Hände in den Himmel, dann setzte er sich auf einen Stuhl, begrub sein Gesicht unter einem Handtuch und ließ den Tränen freien Lauf.
"Es ist unglaublich. Das ist das Turnier meines Lebens, mein größter Sieg", sagte Gaudio nach seinem Meisterstück: "Das ist der Lohn für all die harte Arbeit der letzten Jahre." Schon vorher hatte er sich kleiner gemacht als er ist: "Nalbandian und Coria sind die Genies, ich komme erst weit danach."
Noch nie war der Sandplatz-Spezialist bei einem Grand-Slam-Turnier über die Runde der letzten 16 hinausgekommen. Nun hat er die große Chance, als erster Argentinier seit Guillermo Vilas 1977 die French Open zu gewinnen.
Gaudio bestimmte das Spiel
Von Beginn an bestimmte Gaudio auf dem Court Central überraschend das Spiel. Nach einem schnellen Break sicherte er sich den ersten Satz mit 6:3, nur im zweiten Durchgang verlor er kurz seine Ruhe. Doch selbst eine 5:1-Führung konnte Nalbandian nicht nutzen. Der Wimbledon-Finalist von 2002, der zuvor den Russen Marat Safin und im Viertelfinale den dreimaligen Parissieger Gustavo Kuerten ausgeschaltet hatte, vergab bei 5:4 noch zwei Satzbälle - von da an spielte nur noch Gaudio.
Nach 6:2-Führung im Tiebreak nutzte er den vierten Satzball zum 7:5, der Rest war nur noch Formsache. Im letzten Satz scheuchte Gaudio den resignierenden Nalbandian mit starker Vor- und Rückhand über den Platz - und verhängte mit 6:0 die Höchststrafe. Nur 19 unerzwungene Fehler unterliefen ihm während des ganzen Spiels, sein Gegner brachte es immerhin auf 46.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











