Auch Knippschild und Rittner siegreich: French Open: Müller deklassiert Coetzer
zuletzt aktualisiert: 28.05.2002 - 20:20Paris (rpo). Ein deutsches Tennis-Trio schaffte einen Tag nach Tommy Haas ebenfalls den Sprung in die zweite Runde der 72. French Open in Paris. "Blitzstarterin" Martina Müller war schneller als der Regen, Barbara Rittner war nach dem Regen schneller und "Marathonmann" Jens Knippschild hatte in Paris den längeren Atem.
Nach zwei Schauerunterbrechungen schaffte Qualifikant Jens Knippschild (Oberhausen) mit dem 6:4, 1:6, 3:6, 7:6 (7:3), 6:1 gegen Hyung Taik Lee (Südkorea) den Sprung in die nächste Runde und baute damit seine makellose Fünfsatz-Bilanz auf 7:0 aus. Ihren 100. Sieg hatte zuvor die Teenagerin Müller beim überraschenden 6:2, 6:2 gegen die an 30 gesetzte Südafrikanerin Amanda Coetzer gefeiert.
Danach humpelte die Hannoveranerin wegen einer Bänderdehnung im linken Fuß allerdings mit einem Eisbeutel über die Anlage - der an der Schulter verletzte Tommy Haas lässt aus dem deutschen Lazarett grüßen. Die Dritte im Bunde der Sieger war Fed-Cup-Spielerin Barbara Rittner (Leverkusen), die sich von der dritten Regenpause nicht beirren ließ, die Ungarin Petra Mandula 6: 3, 4:6, 6:0 vom Platz schickte und sich damit ein Duell mit der dreimaligen Paris-Siegerin Monica Seles (USA) verdiente.
"Ich hatte mir das nicht so einfach vorgestellt. Ich dachte, ich stehe drei Stunden auf dem Platz. Aber dann habe ich gut gespielt und es ist schneller gegangen", meinte Martina Müller. Nach nur 65 Minuten hatte sie die einstige French-Open-Semifinalistin auf dem Außenplatz 7 mit knallharten Grundschlägen und raffinierten Stopps demontiert. Nächste Gegnerin ist die Russin Jelena Lichowtsewa. Minuten nach dem ersten deutschen Frauen-Sieg in Paris - ein Quartett war am Montag ausgeschieden - begann der Regen zum ersten Mal.
Nach der ersten Pause unterlag der einstige Wimbledon-Viertelfinalist Alexander Popp (Mannheim) mit 4:6, 1:6, 6: 4, 1:6 gegen Xavier Malisse (Belgien). Nach der zweiten Unterbrechung hatte es auch Tomas Behrend (Hagen) erwischt, der das am Abend zuvor abgebrochene Spiel gegen den 96er-Sieger Jewgeni Kafenikow (Russland) nach hartem Kampf 3:6, 2:6, 6:3, 7:6 (7:3), 1: 6 verlor.
So blieb nur Jens Knippschild übrig, der 1998 als Qualifikant schon einmal in Achtelfinale von Paris gestürmt war. "Als ich den fünften Satz erreicht hatte, konnte ich bei meiner Bilanz eigentlich nicht mehr verlieren. Das war gut fürs Selbstbewusstsein", meinte der "Fünf-Satz-Spezialist". Im nächsten Spiel gegen den an Nummer 14 gesetzten Tschechen Jiri Novak rechnet er sich "gute Chancen" aus, "wenn ich so spiele wie im fünften Satz".
Nach 22 Spielabsagen am Montag stieg die Zahl am verregnetem Dienstag auf 50 - auch Jana Kandarr (Heidelberg) und Lars Burgsmüller (Essen) mussten weiter auf ihr Auftaktmatch warten. Bei Temperaturen um 13 Grad schied Justine Henin (Belgien) als erste Mitfavoritin bei den Damen aus. Die gesundheitlich stark gehandicapte Wimbledonfinalistin ging gegen die völlig unbekannte Ungarin Aniko Kapros beim 6:4, 1:6, 0:6 regelrecht unter.
Der Wetterbericht verheißt erst für den Donnerstag eine Wetterbesserung - dann wollen die Organisatoren den Spielplan wieder in Ordnung bringen. "Hoffentlich wird es wärmer. Das würde meiner Schulter auch gut tun", hofft Tommy Haas. Er trainierte am Dienstag nur kurz und verfolgte sonst die Parole "Ausschlafen, Relaxen, Behandeln". Auf den an Nummer drei gesetzten Haas wartet wahrscheinlich am Mittwoch mit dem Sieger des verzögerten Spanier-Duells zwischen Feliciano Lopez und Didac Perez eine lösbare Aufgabe. Haas: "Wenn ich gesundheitlich durchkomme, traue ich mir hier alles zu."
Ähnliches gilt für die 1,65 Meter große "Mighty Mouse" Müller. Am Sonntag hatte sich die deutsche Nummer 1 nämlich eine Bänderdehnung zugezogen - beim Treppensteigen: "Beim Spiel habe ich das aber vergessen, die Physios haben gute Arbeit geleistet. Zum Glück habe ich vor dem Regen gewonnen, da kann ich mich noch behandeln lassen." Das nächste Spiel gegen Lichowtsewa ist zumindest gesundheitlich kein Problem. "Ich habe noch nie gegen sie gespielt. Aber ich werde mich mit meinem Vater zusammensetzen und mir eine Taktik ausdenken", sagte Müller.
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