Drei Halbfinal-Teilnehmerinnen stehen fest: French Open: Williams-Schwestern auf dem Siegeszug
zuletzt aktualisiert: 04.06.2002 - 21:36Paris (rpo). Die Williams-Schwestern haben erstmals das Halbfinale der French Open erreicht. Beide hatten in den Viertelfinals am Dienstag mit ihren Gegnerinnen kaum Mühe. Bei den Herren steht der Spanier Alberto Costa als erster Halbfinalist fest.
Die grandiosen "Williams-Sisters" steuern damit auf das erste Final-Familienduell in der Geschichte der French Open zu. Venus Williams (21) tanzte nach dem 6:4, 6:3-Erfolg über die dreimalige Turniersiegerin Monica Seles wie ein Schulmädchen über den Court. Wenig später hüpfte ihre kleine Schwester Serena (20) nach einem 6:1, 6:1 gegen die 2000er Turniersiegerin Mary Pierce (Frankreich) genauso fröhlich über den Platz.
Die historische erste Doppelführung der dunkelhäutigen US-Schwestern in der Weltrangliste kann jetzt nur noch Titelverteidigerin Jennifer Capriati (6:4, 4:6, 6:1 gegen Jelena Dokic/Jugoslawien) verhindern - genau wie das zweite Williams-Finale bei einem Grand-Slam nach den US Open 2001.
"Ein Finale gegen Serena wäre doch lustig", meint zumindest die neue Weltranglistenerste Venus Williams. Schon der Halbfinal-Einzug war wie für ihre Schwester eine Premiere: "Ich hatte so viel Spaß da draußen. Ich bin selbst überrascht, wie ich heute die Bälle von Monica zurückgebracht habe. Bisher hatte ich so viel Pech in Paris, aber diesmal ist das Glück mit mir."
Das betrifft auch ihre nächste Gegnerin Clarisa Fernandez, eine krasse Außenseiterin. Die Weltranglisten-87. setzte ihren sensationellen Siegeszug mit einem 2:6, 7:6 (7:5), 6:1 im Argentinier-Duell gegen Paola Suarez fort. Bei ihrem Premieren-Auftritt in Paris kämpfte sich sich gleich als erste ungesetzte Spielerin seit zwölf Jahren (1990 Jennifer Capriati) ins Halbfinale des Grand-Slam-Events. Der letzte "Gaucho" im Herren-Feld scheiterte: "Marathonmann" Guillermo Canas verlor nach 3:53 Stunden mit 5:7, 6:3, 7:6 (7:3), 4:6, 0:6 gegen Albert Costa. Der Spanier hatte zuvor Titelverteidiger Gustavo Kuerten aus dem Turnier geworfen. Die zweite Viertelfinalpartie zwischen Alex Corretja (Spanien/Nr. 18) und Andrei Pavel (Rumänien/Nr.22) wurde beim Stand von 7:6 (7:5), 7:5, 4:5 wegen Dunkelheit abgebrochen.
Im Mittelpunkt an einem trüben Frühlingstag mit Gewittern standen jedoch die spielerisch wie kämpferisch überzeugenden Vorstellungen der Williams-Schwestern. Ganze 74 Minuten brauchte die dunkelhaarige Innendesign-Studentin Venus, um den Traum von Monica Seles vom vierten Turniersieg zu beenden. "Es wäre so schön gewesen, hier nach zehn Jahren noch einmal zu gewinnen", meinte Seles danach traurig. Wildentschlossen und von den Zuschauern immer wieder mit "Monica, Monica"-Rufen angefeuert war sie ins Spiel gegangen. Ihre sieben Jahre jüngere Gegnerin donnerte ihr jedoch die Asse mit bis zu 187 Stundenkilometern um die Ohren und hatte in den langen Ballwechseln einfach den längeren Atem.
Noch schlimmer erwischte es wenig später die nach zahllosen Verletzungen nur mit einer Wildcard ins Feld gekommenen Mary Pierce. Als Trost blieb ihr nur der Publikumspreis von Paris, denn das Spiel gegen die "kleine" Serena Williams war nicht mehr als eine 49 Minuten lange Vorführung. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Venus und ich sind in Topform", meinte Serena Williams, die modisch extravagant mit blondgefärbten Haaren und goldenen Schuhen auftrat. Wenn Serena ihr Halbfinale gegen Capriati gewinnt, ist die Tennis-Familie am Ziel ihrer Träume. In der neuen Weltrangliste nach Paris würde Venus vor Serena führen und damit zum ersten Mal in der Historie zwei Schwestern.
Die große Überraschung der Halbfinals ist die 20-Jährige Clarisa Fernandez. Erst vor fünf Jahren begann sie, ernsthaft Tennis zu spielen - jetzt ist sie unter den besten vier des größten Sandplatzturnieres der Welt. Gewinnen konnte eine Argentinierin in Paris allerdings nie - auch Gabriela Sabatini scheiterte fünfmal im Halbfinale. Fernandez: "Ich vergleiche mich nicht mit Sabatini. Ich hoffe nur, dass ich den Leuten daheim ein bisschen Freude machen kann. Argentinien geht durch eine schwere Zeit."
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