Hoffnung auf Wende im Radsport: Frigo: "Ich habe nie gedopt"
zuletzt aktualisiert: 13.06.2001 - 21:07Mailand/Biella (rpo). Der italienische Rad-Profi Dario Frigo, der auf Platz zwei liegend nach Dopingmittel-Funden vom Giro d'Italia suspendiert worden war, hat abgestritten, jemals gedopt zu haben.
"Ich habe nie gedopt und habe auch keine Namen von Fahrer- Kollegen genannt. Es war lediglich eine Schwäche von mir, die verbotenen Medikamente bei mir zu haben - ich wollte sie nie benutzen", sagte der 27-Jährige am Mittwoch auf einer Pressekonferenz an seinem Wohnort in Biella.
Am Tag davor musste Frigo vor der Anti-Doping-Kommission des italienischen Nationalen Olympischen Komitees (Coni) aussagen. Danach sprach deren Präsident Giacomo Aiello von ermutigenden Zeichen und einer möglichen "neuen Ära im Radsport". Beim Team Telekom wird nach Worten des Team-Sprechers Olaf Ludwig mit der Mitteilung der Staatsanwalt Florenz über die Aufnahme von Ermittlungen gerechnet, weil bei der Giro-Razzia Coffein-Tabletten (des Mannschaftsarztes Lothar Heinrich) und kortekoidhaltige Anti-Asthma-Mittel sicher gestellt wurden.
Bei Frigo, dem Senkrechtstarter dieser Saison, war bei der groß angelegten Razzia in San Remo in der Nacht zum vergangenen Freitag ein synthetisches Blut-Präparat ("Hemassist") gefunden worden, das wegen hoher gesundheitlicher Risiken 1998 nach einer Probephase nicht auf den Markt kam. Die Beschaffung dürfte sehr kompliziert sein. Frigo, der in dieser Saison Paris - Nizza, die Tour de Romandie gewann und beim Chaos-Giro neun Tage in Rosa fuhr, meinte dazu: "Ich kann nicht sagen, welche Substanz in meinem Koffer war. So wie ich mich beim Giro fühlte, wäre sie bis Mailand im Koffer geblieben."
Am Dienstag war Frigo bei seinem Anwalt in Mailand insgesamt acht Stunden von Aiello, dem Vorsitzenden der Anti-Doping-Kommission des Coni und von der Gesundheitspolizei NAS verhört worden. Danach hatte Aiello erklärt: "In meiner langjährigen Arbeit habe ich mit einem Sportler noch nie ein so offenes Gespräch geführt. Ich hoffe, Frigos Beispiel werden viele Fahrer folgen, und das könnte der Anfang einer neuen Ära im Radsport sein. Die Zeit ist gekommen, den Radsport endlich vom Doping zu befreien."
Frigos mögliche Preisgabe der Dealer und Hintermänner der illegalen Medikamenten-Beschaffung werden laut Aiello auch beim Strafmaß gegen den Profi berücksichtigt. "Ich bin erleichtert, eine große Last ist von mir genommen", hatte Frigo am Dienstag gesagt. Giancarlo Ceruti, der Präsident des italienischen Radsportverbandes,hatte ihn aufgefordert: "Nenne die Dealer!" Der Verband wird der Coni-Empfehlung für einen vorläufigen Wettkampf- Stopp nachkommen.
Laut zuständiger Staatsanwaltschaft in Florenz werde gegen 86 Personen, 50 bis 60 davon Fahrer, ermittelt. Das sei das Ergebnis der Auswertungen der Razzia-Funde von San Remo. Nur zwei von 20 am Giro beteiligten Teams seien demnach "sauber". Die entsprechenden Fahrer, Betreuer und Ärzte, gegen die ermittelt wird, werden in den kommenden Tagen von der Staatsanwaltschaft den "Aviso di Garanzia" zugestellt bekommen. Telekom hat laut Ludwig noch keine Post aus Florenz erhalten. "Uns ist klar, dass wir nicht unter den zwei Teams sind, bei denen nichts gefunden wurde", sagte der Ex-Profi.
Teamarzt Heinrich von der Uniklinik Freiburg hatte nach der Razzia von San Remo erklärt, dass aus seinem persönlichen Gepäck Coffein- Tabletten und auch Asthma-Mittel, unter anderem auch Kortekoide, die auf der Doping-Liste stehen, konfisziert worden seien. Der Mediziner hatte der dpa erklärt, dass beispielsweise Jan Ullrich (Merdingen) und Kevin Livingston (USA) wegen Asthmas mit Kortekoid-Inhalationen beim Giro behandelt worden seien, wofür dem Weltverband UCI ärztliche Atteste vorlägen. Unter diesen Umständen ist der Einsatz von Kortekoiden gestattet. Ludwig: "Das steht bei beiden seit einiger Zeit im Gesundheitspass."
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