Tour de France: Frigo wegen Dopingverdachts verhaftet
zuletzt aktualisiert: 13.07.2005 - 15:41Courchevel (rpo). Radprofi Dario Frigo ist vor dem Auftakt der 11. Etappe der Tour de France am Mittwochmorgen wegen Dopingverdachts verhaftet worden. Der Italiener vom Team Fassa Bortolo wurde gegen 7.30 Uhr von Beamten aus dem Teamhotel abgeholt und zur Befragung auf ein Polizeirevier gebracht.
Ein Dopingskandal größeren Ausmaßes bleibt der Tour offenbar erspart, da nur gegen Frigo und nicht gegen dessen Team ermittelt wird. Ausgelöst wurde die Polizeiaktion vor den letzten 10 Etappen durch den Fund von 10 verdächtigen Ampullen im Auto von Frau Frigo am Dienstag. Zollbeamte hatten den Wagen auf der Autobahn in den Savoyer Alpen durchsucht und die Ladung wegen des Verdachts auf EPO-Schmuggel beschlagnahmt.
"Wenn sich der Verdacht bestätigen sollte, ist er ein Wiederholungstäter. Im Moment wissen wir noch nicht, um welche Substanzen es sich handelt. Die Dosen werden noch untersucht. Wenn es stimmt, was die Polizei vermutet, sollte Frigo so schnell wie möglich den Weg für junge Fahrer freimachen, die sich an die Regeln halten", sagte Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc.
Frigos Rennstall ging schnell auf Distanz zu dem früheren Paris-Nizza-Sieger aus Saronne. "Es ist die Angelegenheit von Dario Frigo und nicht von Fassa Bortolo. Wir waren es schließlich, die der Polizei gesagt haben, dass Dario Besuch von seiner Ehefrau bekommen hat. Jetzt muss er Antworten liefern", sagte Sportdirektor Bruno Cenghialta.
Frigo ist aber nicht unbelastet. Beim Giro d'Italia 2001 war er Zweiter der Gesamtwertung, als Dopingmittel bei einer Polizeirazzia in seinem Hotelzimmer gefunden wurden. Damals wurde er für sechs Monate gesperrt.
Erst am Sontag war der Russe Jewgeni Petrow von der Tour ausgeschlossen worden. Bei dem Lampre-Profi war ein überhöhter Hämatokritwert festgestellt worden, was einen EPO-Verdacht zulässt. Es folgte die übliche Schutzsperre.
Bislang wurden 129 Blut- und Urinkontrollen bei der Tour vorgenommen. 2004 waren bei der Frankreich-Rundfahrt fünf Fahrer ausgeschlossen worden, weil gegen sie in ihren Heimatländern in Sachen Doping ermittelt wurde. Der Belgier Christoph Brandt musste die Tour und sein Lotto-Team verlassen, weil er Schmerzen mit Methadon behandelt hatte. Den größten Dopingskandal hatte die Tour 1998 bei der so genannten Festina-Affäre um Frankreichs Berg-König Richard Virenque.
Im "Fall Frigo" will die Polizei offensichtlich nicht den gleichen Weg gehen wie vor drei Jahren bei Raimondas Rumsas, dessen Ehefrau Edita Dopingmittel geschmuggelt hatte. Der litauische Meister hatte sich in seine Wahlheim Italien abgesetzt, seine Frau war erst nach wochenlanger Untersuchungshaft freigekommen. Beide müssen sich im November vor einem Gericht in Frankreich verantworten.
In Deutschland hatten Ex-Meister Danilo Hondo vom Team Gerolsteiner und Nachwuchsfahrer Stefan Schumacher in diesem Jahr für Dopingschlagzeilen gesorgt. Hondo akzeptierte eine einjährige Sperre, gegen Schumacher wird noch ermittelt.
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