Popp im Viertelfinale gegen Rafter: Fünf Amerikanerinnen wollen ins Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 04.07.2000 - 15:20London (dpa): Debütant Alexander Popp (Foto) hebt in Wimbledon weiter die Tennis-Welt aus den Angeln und wandelt auf den Spuren seines Idols Boris Becker.
Während Anke Huber (Karlsdorf) und David Prinosil (Amberg) von Martina Hingis (Schweiz) und Andre Agassi (USA) am Montag im Achtelfinale ihre Grenzen aufgezeigt bekamen, zog der Zwei- Meter-Hüne aus Mannheim bei seinem ersten Rasen-Turnier nach einem Geduldsspiel mit Marc Rosset (Schweiz) im berühmt-berüchtigten Londoner Regen auf Anhieb in sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale ein. «Wenn mir vor einer Woche einer gesagt hätte, dass ich der letzte Deutsche in Wimbledon sein werde, den hätte ich mit Sicherheit für verrückt erklärt», meinte Popp mit strahlenden Augen.
Das «Greenhorn» setzte sich in seinem zweiten Fünf-Akter binnen fünf Tagen in 2:26 Stunden mit 6:1, 6:4, 3:6, 4:6, 6:1 durch und fordert mit Patrick Rafter (Australien) einen echten Tennis-Giganten heraus. Anke Huber dagegen verlor in nur 53 Minuten mit 1:6, 2:6 zum elften Mal im zwölften Vergleich gegen Martina Hingis. Nach elf Rasen-Siegen in Folge war Qualifikant Prinosil beim 6:4, 6:3, 6:3 gegen Agassi absolut chancenlos. Agassis Freundin Steffi Graf auf der Tribüne betrachtete das Geschehen über 1:54 Stunden entspannt.
Neuling Popp spielt auch dank seines britischen Passes eine Hauptrolle. «Vor einer Woche hat sich noch keiner für mich interessiert und nun das», wunderte er sich. Der zweimalige US-Open- Gewinner Rafter, der Thomas Johansson (Schweden) mit 6:3, 6:4, 6:7 (4:7), 6:1 ausschaltete, ist der nächste Gegner des 23-Jährigen. «Wenn ich verliere, geht die Welt auch nicht unter», sagte er.
Überraschend nerverstark trumpfte der in Mannheim lebende und in Heidelberg geborene Popp auf «Showcourt 13» auf. Seine Mutter Jennifer, die in Wolverhampton geboren ist, drückte ihrem Sohn auf der Tribüne die Daumen und hatte später Freudentränen in den Augen. Vater Rainer, ein Englisch- und Lateinlehrer, dagegen musste die «Schulbank» drücken. Popp wurde auch von den englischen Tennis-Fans angefeuert. Sogar der «Union Jack» flatterte neben dem Platz.
Im Duell der beiden größten Spieler auf der Tennis-Tour zog Popp zunächst alle Register und pfefferte Rosset die Bälle um die Ohren. Dann nutzte Rosset die beiden Regenpausen im dritten und vierten Durchgang zum Satzausgleich. Ein Netzroller bescherte Popp dann im entscheidenden Durchgang das Break zum 3:1. «Da ist mir kurz das Herz stehen geblieben», bekannte er. Die neue deutsche Tennis-Hoffnung steht gegen den früheren Weltranglisten-Ersten Rafter vor seiner Reifeprüfung.
Für Anke Huber dagegen gab es keinen Grund zum Feiern: «Alles ist schief gelaufen. Ich habe viele leichte Fehler gemacht», klagte sie, stellte aber fest: «Es ist enttäuschend, aber nicht frustrierend.» Immerhin kehrt Anke Huber nach ihrem ersten Achtelfinale in Wimbledon seit fünf Jahren wieder in die Top Ten zurück. Und auch 45 000 Dollar Preisgeld waren kein schlechtes Trostpflaster. Halle-Sieger Prinosil, wurde mit 55 000 Dollar belohnt. Aufsteiger Popp hat bald 100 000 Dollar eingespielt.
Titelverteidiger Pete Sampras (USA) brachte durch ein 6:3, 6:2, 7:5 über Jonas Björkman (Schweden) seinen Achtelfinal-Erfolg genauso in trockene Tücher wie Qualifikant Wladimir Woltschkow (Weißrussland), Byron Black (Zimbabwe) und Jan-Michael Gambill (USA). Neben Popp sorgten also auch andere Außenseiter für Furore.
Im Damen-Wettbewerb kämpfen an diesem Dienstag fünf Amerikanerinnen um den Einzug ins Halbfinale: Lindsay Davenport triff auf Monica Seles (Foto). Jelena Dokic (Australien) bekommt es mit Magui Serna (Spanien) zu tun. Serena Williams kämpft gegen Lisa Raymond; Venus Williams gegen Huber-Bezwingerin Martina Hingis um den Einzug ins Halbfinale, das als Schwestern-Duell in die Geschichte der All England Championships eingehen würde.
Popp, der sich nach Beckers erstem Wimbledon-Sieg vor 15 Jahren einen Schläger schnappte, hätte seine Karriere sechs Jahre später beinahe wieder beendet. Im Leistungszentrum Leimen war sein Können als nicht ausreichend eingestuft worden. Nun zog er als siebter deutscher Tennis-Profi nach Boris Becker, Michael Stich, Patrik Kühnen, Hans-Jürgen Fassbender, Nicolas Kiefer und Alexander Radulescu im Tennis-Mekka ins Viertelfinale des mit 12,5 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turniers ein.
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