Analyse zur EM-Qualifikation: Alles richtig gemacht
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 10:43Brüssel/Düsseldorf (RPO). Der Auftakt in die EM-Qualifikation muss durchweg als Erfolg verbucht werden. Das verlangt nicht nur das Ergebnis, das verlangt auch die spielerische Leistung bei einem Gegner, der stärker war als sein Ruf.
Die WM hat Deutschland nicht nur Respekt gebracht, sie hat vor allem die Erwartungen geschürt. So sehr, dass das Auftaktspiel in die Quali zur EM-Endrunde 2012 vielfach als leichter Aufgalopp propagiert wurde. Das war unangebracht. Das größte Fußball-Turnier der Welt steckt dem Team noch in den Köpfen, die Bundesliga läuft gerade mal zwei Wochen und Belgien ist alles andere als eine Mittelklasse-Mannschaft.
Tatsächlich ist das Team von Trainer Georges Leekens neben der Türkei der Gegner, den der DFB-Tross in der Gruppe A fürchten muss. Somit bedeutete die Partie am ungewohnten Freitagabend in Brüssel das erste von vier Endspielen. Das 1:0 war folglich ein "Big Point". Es verschafft Bundestrainer Joachim Löw einen entspannten September, erst recht wenn am kommenden Dienstag (20.45 Uhr im Live-Ticker) der diesmal zurecht erwartete Pflichtsieg gegen Aserbaidschan folgt. Am 8. Oktober wird es wiederum ernst, wenn in Berlin das wegweisende Spiel gegen die Türkei ansteht.
Keine Laufkundschaft
Die belgische Startelf: 1 Bailly/Borussia Mönchengladbach (24 Jahre/5 Länderspiele) - 2 Alderweireld/Ajax Amsterdam (21/7), 3 van Buyten/Bayern München (32/56), 4 Kompany/Manchester City (24/33), 5 Vermaelen/FC Arsenal (24/30) - 6 Simons/1. FC Nürnberg (33/75) - 11 Dembele/FC Fulham (23/29), 10 Fellaini/FC Everton (22/22), 8 Vertonghen/Ajax Amsterdam (23/24), 7 Hazard/OSC Lille (19/14) - 9 Lukaku/RSC Anderlecht (17/4).
Bis dahin bleibt genug Zeit, den drei Punkte bringenden Treffer des wiedererstarkten Miroslav Klose zu betrachten, der eindrucksvoll die deutsche Stärke untermauerte. Die Willensstärke des Bastian Schweinsteiger, der seinem Münchner Vereinskameraden Daniel van Buyten mit einem energischen Einsatz den Ball abnahm, die intelligente Spielauffassung des Thomas Müller, der das Spielgerät gedankenschnell in die belgische Abwehrlücke leitete, und die Kaltschnäuzigkeit von Klose, der ohne zu zögern flach abschloss. Eine rein bayerische Kombination, die stark an die Gala-Vorstellungen in Südafrika erinnerte.
Dass es davon nur wenige Wiederholungen gab, ruft die Nörgler auf den Plan. Ein flottes Kombinationsfeuer ist gegen eine im Konterspiel so gefährliche Elf, über die Belgien dank Stars wie Vincent Kompany von Manchester City, Thomas Vermaelen von Arsenal London oder dem erst 17 Jahre alten Super-Talent Lukaku (RSC Anderlecht) verfügt, allerdings nicht ohne weiteres möglich. Die etwas vorsichtigere Grundhaltung, die Löw seinen Schützlingen auferlegt hatte, war angemessen.
Der Ball lief folgerichtig nicht regelmäßig so blitzartig durch die deutschen Reihen, doch gerade in diesem Spiel heiligte der Zweck die Mittel. Ballsicherung, Ordnung und das Verhindern der Unterzahl in der eigenen Hälfte besaßen zurecht Vorrang. Viel Kampf, viel Laufarbeit stand im Arbeitsprotokoll der deutschen Mannschaft. Um so erstaunlicher ist es, wie viel Kraft die meisten DFB-Akteure nach dem kurzen Sommerurlaub schon wieder vorzuweisen hatten, wieviel Konzept gerade nach dem Seitenwechsel in den deutschen Reihen zu erkennen war.
Die DFB-Elf hat in Brüssel genau das gespielt, was sie spielen musste. Und sie hat das entscheidende Tor erzielt. Wieder mal alles richtig gemacht, Herr Löw!
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








