Polnische Boulevard-Zeitung: Ballack und Löw werden geköpft
zuletzt aktualisiert: 05.06.2008 - 07:22Düsseldorf (RPO). Der Fußball-Krieg zwischen Polen und Deutschland geht vor dem Gruppenspiel am kommenden Sonntag in die nächste Runde. Und wieder sind es die Polen, die provozieren.
Die Tageszeitung "Super Express" hat für einen neuen Skandal gesorgt. Das Blatt zeigt Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker, der die Köpfe von Michael Ballack und Jogi Löw in den Händen hält. Eine geschmacklose Fotomontage. "Leo, bring uns die Köpfe", titelt die Zeitung.
Beenhakker selbst reagiert mit Unverständnis auf die Aktion der Zeitung. "Das ist Scheiße. Da sieht man, was für kranke Menschen es in dieser Welt gibt", so der Trainer. Beenhakker weiter: "Ich distanziere mich von diesen Fotomontagen und hoffe, dass es jetzt nur noch ums Sportliche geht".
Die Polen versuchen mit allen Mitteln, Schärfe in das Nachbarschaftsduell am kommenden Sonntag (20.45 Uhr/LIVE!-Ticker) zu bringen. Ex-Nationalspieler Zbigniew Boniek hatte die deutschen Spieler am Dienstag bereits beschimpft. "Die polnischen Spieler sind 16-mal intelligenter als die deutschen", so die Worte des Idols.
Die Fotomontage sei "ein einziger Skandal, absolut unterirdisch", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, der "Bild"-Zeitung.
"Ich hoffe, dass die polnische Regierung angemessen darauf reagiert", sagte Danckert den Angaben zufolge weiter. Der FDP-Sportpolitiker Detlef Parr sagte dem Blatt, er werde die "Geschmacklosigkeit" der Zeitung "Super Express" beim Besuch des Sportausschusses am 10. Juni in Warschau zur Sprache bringen.
Auch die polnische Zeitung "Fakt" hat es auf der Titelseite übertrieben. "Leo wiederhole Grunwald!", forderte die Zeitung in Erinnerung an den polnisch-litauischen Sieg in der Schlacht gegen den Deutschen Orden im Jahre 1410.
Auf dem Titel des Boulevardblattes ist in Anlehnung an das Gemetzel vor knapp 600 Jahren DFB-Kapitän Michael Ballack mit Pickelhaube und einer Robe des Deutschen Ordens zu sehen. Dahinter schwingt Beenhakker ein Schwert, als wolle er Ballack den Kopf abschlagen.
"Wir müssen gewinnen, wir müssen! Jetzt oder nie! Beenhakker setzt gegen Deutschland auf Attacke, um den Gegner zu überraschen und zu zerstören", schrieb das Revolver-Blatt, das mit rund 500.000 Exemplaren die auflagenstärkstes Tageszeitung in Polen ist. Derlei Attacken erinnern an die Medien-"Schlacht" vor dem Halbfinale der EM 1996 zwischen Deutschland und Gastgeber England, als der Boulevard im Fußball-Mutterland kurzerhand die beiden Weltkriege mit dem Sport vermischte.
Die Sehnsucht der Polen nach dem ersten Sieg gegen Deutschland ist schier grenzenlos. Seit dem ersten Spiel beider Mannschaften am 3. Dezember 1933 in Berlin (1:0) warten die Osteuropäer auf einen Erfolg gegen das Nachbarland. In insgesamt 15 Partien gab es für die Polen elf Niederlagen, vier Partien endeten unentschieden.
"Es wird wirklich mal Zeit, dass wir Deutschland schlagen", betonte zuletzt auch der ehemalige Schalker Bundesliga-Profi Tomasz Hajto, der bei der EM für das polnische Fernsehen arbeitet.
DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger versuchte gestern, die Wogen zu glätten. "Die Polen sind unsere Nachbarn und Freunde. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Das Spiel findet am 8. Juni auf dem Platz statt. Alles andere passiert nur, weil alle auf diesen 8. Juni warten". Hoffentlich zahlen Ballack und Co. den Polen die Geschmacklosigkeiten mit einem sportlichen Sieg zurück.
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