Trotz wundersamer Heilung: Ballacks Trauma geht weiter
zuletzt aktualisiert: 29.06.2008 - 23:08Wien (RPO). Der "Capitano" gab alles und verlor sogar Blut, aber sein Finaltrauma konnte er wieder nicht besiegen: Nach einer wundersamen Heilung der angeschlagenen rechten Wade führte Michael Ballack die deutsche Nationalmannschaft im EM-Endspiel gegen Spanien zwar auf das Feld und kämpfte trotz einer Platzwunde über dem rechten Auge mit dem Herzen eines Löwen, doch der ersehnte erste Titelgewinn auf der internationalen Fußball-Bühne blieb ihm erneut verwehrt. Am Ende hieß es 0:1.
Damit droht dem 31 Jahre alten Mittelfeldspieler vom FC Chelsea ein ganz bitteres Karrierende ohne große Trophäe. Schon bei der WM 2002 hatte Ballack, der nach der Niederlage in Wien insgesamt schon zehnmal in seiner Karriere nur Zweiter wurde, im Endspiel gegen Brasilien (0:2) wegen einer Gelbsperre gefehlt.
Zudem war er bereits zweimal im Champions-League-Finale der große Verlierer. Erst vor wenigen Wochen verlor der DFB-Kapitän mit dem FC Chelsea das Finale in der Königsklasse gegen Manchester United.
Dabei war Ballack im Mittelfeld in der Anfangsviertelstunde Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Bereits in der achten Minute setzte er sich auf der linken Seite gekonnt gegen Spaniens Carles Puyol durch, seine gute Flanke fand aber keinen Abnehmer.
Anschließend verlor der Teamleader aber etwas den Faden und meckerte zunehmend mit Schiedsrichter Roberto Rosetti (Italien). In der 25. Minute hatten die deutschen Fans dann aber bereits den Torschrei auf den Lippen, doch Ballacks Schuss aus zwölf Metern blockte Spaniens Rechtsverteidiger Sergio Ramos im letzten Moment noch ab.
Drei Minuten nach dem Gegentreffer (33.) durch Fernando Torres folgte für Ballack gleich der nächste Schock. Bei einem Luftkampf mit Marcos Senna zog sich der Görlitzer eine Platzwunde am rechten Auge zu und musste zwei Minuten behandelt werden. Anschließend kehrte Ballack mit frischem Trikot, aber blutverschmiertem Gesicht auf das Spielfeld zurück.
Der italienische Referee Rosetti schickte ihn deshalb zur erneuten Behandlung an den Seitenrand. Weitere zwei Minuten später durfte der Kapitän zurück aufs Feld und war fortan voller Emotionen. Nach einer unnötigen Schubserei mit Carlos Marchena und Puyol sah Ballack folgerichtig die Gelbe Karte (43.).
Nach dem Seitenwechsel versuchte der England-Legionär noch mehr Präsenz zu zeigen. Doch dem schnellen spanischen Konterspiel hatte das gesamte deutsche Mittelfeld kaum etwas entgegenzusetzen. Zudem leistete sich Ballack zunehmend Abspielfehler, die zu gefährlichen Kontern der Iberer führten.
In der 60. Minute hatte er allerdings den Ausgleich auf dem Fuß. Sein Schuss aus 17 Metern ging allerdings ans Außennetz. 60 Sekunden später folgte eine gut getimte Flanke auf Kevin Kuranyi, doch Spaniens Keeper Ilker Casillas wehrt den Ball knapp vor dem Schalker ab. Insgesamt gelang es Ballack in der zweiten Halbzeit nicht, Linie in das Spiel der DFB-Auswahl zu bringen.
Dass Ballack überhaupt hatte auflaufen können, grenzte an ein Wunder. Nach dem Halbfinale gegen die Türkei hatte er am Freitagvormittag plötzlich über Beschwerden in der Wade geklagt. Der Chelsea-Profi musste deshalb alle Trainingseinheiten vor dem Finale sausen lassen und war stattdessen ständig in Behandlung, gewann aber schließlich zumindest den Wettlauf mit der Zeit. Die eigentliche Schwere der Verletzung beim wichtigsten deutschen Spieler wurde beim DFB zuvor wie ein regelrechtes Staatsgeheimnis behandelt.
Bisher war der gebürtige Görlitzer mit Bayern München und Kaiserslautern viermal deutscher Meister geworden, dazu standen drei Pokalsiege mit den Bayern in seiner Bilanz. Doch der ganz große Wurf blieb Ballack auch im EM-Finale gegen Spanien in Wien erneut versagt.
