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Rote Karte beim 1:2 gegen Kroatien: Der "Schweini"-Skandal

zuletzt aktualisiert: 12.06.2008 - 23:52

Klagenfurt (RPO). Erst sah er Rot wegen eines Schubsers, dann zeigte er auch noch dem vierten Offiziellen einen Vogel: Bastian Schweinsteiger hatte beim 1:2 der DFB-Elf gegen Kroatien seinen ganz persönlichen unrühmlichen Abgang. Der WM-Held von 2006 spielt in der Nationalelf nur noch eine Nebenrolle.

"Er hat ihn nicht geschlagen, aber ganz klar zu Boden gestoßen", beschrieb Bundestrainer Joachim Löw die Szene in der Nachspielzeit bei der bitteren 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Kroatien, die zur Roten Karte geführt hatte. Nachdem ihn sein Gegenspieler Jerko Leko in der Nähe der Eckfahne von hinten gefoult hatte, war Schweinsteiger wutentbrannt aufgesprungen und hatte ihn mit beiden Armen weggeschubst.

Der belgische Schiedsrichter Frank De Bleeckere zückte Rot. "Es gibt Regeln, das war ganz klar eine Rote Karte", meinte der ehemalige FIFA-Referee Urs Meier im ZDF, "so darf Schweinsteiger niemals reagieren."

Torhüter Jens Lehmann wollte das überhaupt nicht verstehen. "Es ist schade und teilweise erschreckend, welche Schiedsrichter hier pfeifen. Die kennt man noch nicht mal aus der Champions League und dann tauchen sie hier auf und leiten ein Spiel", sagte er.

"Der Assistent hätte in dieser Szene zweimal Foulspiel anzeigen müssen, dann wäre die Reaktion von Bastian nicht passiert. Natürlich ist seine Aktion nicht zu entschuldigen, sie wäre bei einem frühzeitigen Eingreifen des Schiedsrichters aber nicht passiert", so Lehmann. Der künftige Stuttgarter hatte wegen Reklamierens sogar noch die Gelbe Karte gesehen.

Über die Disziplinlosigkeit seines Jungstars Jansen erzürnte sich derweil der Bundestrainer. "Wir hatten vor dem Spiel noch gesagt, dass wir uns nicht provozieren lassen wollten", sagte der Bundestrainer, der den 23-Jährigen erneut zunächst auf der Bank hatte schmoren lassen.

"Schweini" kommt erst in der 65. Minute

Erst in der 65. Minute, nachdem er zunächst David Odonkor eingewechselt hatte, schickte der Bundestrainer "Schweini" endlich aufs Feld. Da stand es bereits 0:2, und auch der Teenie-Schwarm konnte der schwachen deutschen Mannschaft kaum neuen Impulse mehr geben. Einzig eine gute Szene stand zu Buche, als er aus spitzem Winkel das Tor verfehlte (73.).

Im Vorrunden-Finale am kommenden Montag (20.45 Uhr/LIVE!-Ticker) in Wien gegen Gastgeber Österreich fehlt Schweinsteiger auf jeden Fall. Möglicherweise muss er sogar mit einer längeren Sperre rechnen, weil er sich beim Sprint in die Kabine noch an die Stirn tippte, als er am vierten Offiziellen Franzosen Stephane Lannoy vorbeilief.

Die erste Rote Karte bei einem großen Turnier seit dem Platzverweis gegen Christian Wörns im WM-Viertelfinale 1998 (0:3 gegen Kroatien) fügt sich nahtlos an den Negativtrend des Münchners in den vergangenen Monaten an. Während sein alter Kumpel Lukas Podolski gesetzt ist, musste sich "Schweini" bei der EM mit der Reservistenrolle zufrieden geben.

Längst sind die Zeiten des Sommermärchens 2006 vorbei, als Schweinsteiger einer der Protagonisten war. Auch beim FC Bayern hat der technisch beschlagene Mittelfeldspieler seine liebe Müh und Not, sich neben einem Franck Ribery zu positionieren.

Zwar brachte er es in der vergangenen Saison auf 30 Saisoneinsätze (neunmal ein-, zehnmal ausgewechselt, ein Tor) beim deutschen Meister, doch selten konnte er dabei voll überzeugen. Selbst Bayern-Manager Uli Hoeneß versagte Schweinsteiger zum Teil die Unterstützung und übte Kritik an der Einstellung des Jungstars.

Dass er bei EM-Beginn nicht zur Startelf gehörte, kam dennoch etwas überraschend. Löw hatte zwar im Vorfeld moniert, dass Schweinsteiger noch nicht seine Topform erreicht hätte. Trotzdem war der Münchner in der DFB-Auswahl eigentlich immer gesetzt gewesen.

Seit dem WM-Halbfinale am 4. Juli 2006 (0:2 n.V. gegen Italien) war Schweinsteiger immer erste Wahl gewesen, spielte oft auch gut. Gegen Polen verdrängte ihn nun ausgerechnet sein Kumpel Podolski aus der Anfangsformation.

Quelle: sid

 
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