Deutschland - Portugal 3:2: Deutschland kämpft sich ins Halbfinale
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 19.06.2008 - 22:43Basel (RPO). Zum zweiten Mal in Folge steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale eines großen internationalen Turniers. Nach der WM im eigenen Land gelang ihr nun bei der Europameisterschaft in Basel das gleiche Kunststück, durch einen unterm Strich verdienten 3:2-Erfolg über das aufgrund seiner starken Vorrunde favorisierte Portugal. Kapitän Michael Ballack und Co. spielen nun im Semifinale erneut im Sankt-Jakob-Park am Mittwoch nächster Woche gegen den Sieger der Partie Kroatien gegen Türkei.
Torsten Frings musste wegen seines Rippenbruchs passen und so machte das deutsche Trainerteam aus der Not eine Tugend, stellte die Elf auf das Erfolgssystem der Niederländer und Portugiesen um. 4-2-3-1 nennt man das, also mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Viererkette, Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes. Davor postierten Joachim Löw und Hansi Flick, der wegen Löws Sperre allein von der Bank aus coachen musste, eine offensive Dreierreihe mit Bastian Schweinsteiger, Ballack und Lukas Podolski sowie Miroslav Klose als einzige Spitze.
Das neue taktische Gewand passte der DFB-Auswahl gut, denn sie kam wesentlich besser in die Begegnung hinein als die Portugiesen. Der Favorit zeigte enorm viel Respekt vor den Deutschen, wagte sich erst nach einer Viertelstunde erstmals in die Nähe des Tores von Jens Lehmann.
Der WM-Dritte dagegen agierte keck, ließ nicht mehr viel von der lähmenden Verunsicherung des Österreich-Spiels erkennen. Der Doppelschlag durch Schweinsteiger und Klose war der verdiente Lohn. Schweinsteiger wollte offenbar unter Beweis stellen, dass er seine Lektion aus der Gruppenpartie gegen Kroatien, als er völlig unnötig die Rote Karte sah, gelernt hat.
Der Münchner machte permanent Druck über die rechte Seite, riskierte erfolgreich Dribblings und erneuerte mit dem Treffer zum 1:0 sowie der Freistoßflanke auf Klose beim zweiten Tor seinen Ruf als Ricardo-Schreck. Gegen Portugals Keeper hatte "Schweini" vor zwei Jahren bei der WM im Spiel um den dritten Platz zwei Treffer erzielt und zudem Petit zu einem Eigentor gezwungen.
Dennoch: Die Portugiesen blieben ein ständiger Gefahrenherd. So engagiert Philipp Lahm und Podolski auf der linken Seite offensiv agierten (wie vor dem 1:0, als Podolski herrlich mit Ballack kombinierte), so nachlässig wirkte vor allem "Poldi" in der Arbeit nach hinten. So entstanden immer wieder Freiräume und Möglichkeiten für den Sieger der Vorrundengruppe A.
Den Anschlusstreffer freilich musste Per Mertesacker auf seine Kappe nehmen. Der Bremer Innenverteidiger beging zwei Stellungsfehler, und das kann man sich gegen Cristiano Ronaldo nicht leisten. Den Schuss des Stars von Manchester United wehrte der starke Lehmann zwar noch glänzend ab, gegen den "Abstauber" von Nuno Gomes aber war der Neu-Stuttgarter machtlos.
Der zur Tatenlosigkeit verdammte Bundestrainer litt auf der Tribüne mit, zumal da die Portugiesen neuen Mut bekamen. Löws Kollege Felipe Scolari beorderte sein Team nach dem Wiederanpfiff naturgemäß weiter nach vorn, wollte den Rückenwind des 1:2 nutzen. Pepe hatte den Ausgleich auf dem Kopf, und es brannte noch einige Male mehr vor dem deutschen Tor.
Auf Schweinsteiger und Ballack war jedoch ebenso Verlass wie auf Ricardo, den Schwachpunkt der portugiesischen Mannschaft. Der Keeper ging einem erneuten Schweinsteiger-Freistoß viel zu unentschlossen entgegen und Ballack köpfte ein. Eng wurde es nach Helder Postigas Anschlusstreffer (87.) aber noch einmal.
54 Jahre nach dem "Wunder von Bern" gegen Ungarn bezwang Deutschland wieder einen Turnierfavoriten der Nationalelf gelang in Basel eine Überraschung.
Statistik
Portugal: Ricardo/Betis Sevilla (32/79) - Paulo Ferreira/FC Chelsea (29/51), Ricardo Carvalho/FC Chelsea (30/45), Pepe/Real Madrid (25/7), Jose Bosingwa/FC Porto (25/11) - Joao Moutinho/Sporting Lissabon (21/17) ab 31. Raul Meireles/FC Porto (25/12), Petit/Benfica Lissabon (32/57) ab 73. Helder Postiga/Panathinaikos Athen (25/34) - Simao/Atletico Madrid (28/64), Deco/FC Barcelona (31/56), Cristiano Ronaldo/Manchester United (23/58) - Nuno Gomes/Benfica Lissabon (31/72) ab 67. Nani/Manchester United (21/16). - Trainer: Scolari
Deutschland: Lehmann/FC Arsenal (38/59) - Friedrich/Hertha BSC Berlin (28/59), Mertesacker/Werder Bremen (25/47), Metzelder/Real Madrid (28/45), Lahm/Bayern München (24/45) - Schweinsteiger/Bayern München (23/54) ab 83. Fritz/Werder Bremen (27/18), Rolfes/Bayer Leverkusen (26/11), Ballack/FC Chelsea (32/85), Hitzlsperger/VfB Stuttgart (26/36) ab 73. Borowski/Werder Bremen (28/33) - Klose/Bayern München (29/79) ab 89. Jansen/Bayern München (22/25), Podolski/Bayern München (22/52). - Trainer: Flick
Schiedsrichter: Peter Fröjdfeldt (Schweden)
Tore: 0:1 Schweinsteiger (22.), 0:2 Klose (26.), 1:2 Nuno Gomes (40.), 1:3 Ballack (61.), 2:3 Helder Postiga (87.)
Zuschauer in Basel: 39.374 (ausverkauft)
Beste Spieler: Simao - Ballack, Schweinsteiger
Gelbe Karten: Petit, Pepe, Helder Postiga - Friedrich, Lahm
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