Deutschland - Aserbaidschan 6:1: DFB-Elf lässt nichts anbrennen
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 22:56Köln (RP). So ganz genau weiß ein Trainer ja nie, wie seine Mannschaft nach einem so bedeutenden Turnier wie einer Fußball-Weltmeisterschaft wieder aus den Startlöchern kommt. Seit Dienstag aber hat Bundestrainer Joachim Löw in dieser Hinsicht eine Sorge weniger.
Nach dem 1:0-Erfolg in Belgien am Freitagabend gewann die deutsche Nationalmannschaft auch das zweite Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft in der Gruppe A. Das glatte 6:1 gegen das von Berti Vogts betreute Aserbaidschan fiel dabei sogar ein wenig leichter als zuvor befürchtet.
Dennoch war gestern im Kölner Stadion irgendwie alles eine Frage der Geduld. Das begann schon vor dem Anpfiff, als die wackeren Bundeswehr-Musikanten eine sinfonieartige Version der aserbaidschanischen Hymne intonierten – mit gefühlten acht Minuten Länge. Das setzte sich fort, als die DFB-Offiziellen um Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff auch noch Miroslav Klose nachträglich für dessen 100. Länderspiel ehrten, bevor es dann endlich doch noch losgehen konnte. Und das blieb auch nach dem Anstoß nicht anders, als die DFB-Auswahl viel Geduld aufbringen musste, um den Vogtsschen Abwehrriegel zu knacken.
Zwei Viererketten ließ der frühere Bundestrainer vor dem Strafraum seines Teams aufziehen, ausschließlich darauf bedacht, das deutsche Angriffsspiel im Keim zu ersticken. Vorn lauerten dann zwei verlorene Angreifer, von denen Vagif Javadov freilich nur dadurch auffiel, dass er Per Mertesacker aus dem Spiel foulte. Der gebürtige Hannoveraner trug nach Javadovs Check eine Platzwunde davon, musste gegen Heiko Westermann ausgetauscht werden. Der Hamburger erwies sich damit als Stehaufmännchen des Wochenendes: In Brüssel wie in Köln war er allseits in der Startelf erwartet worden, blieb aber beide Male zunächst draußen und kam dann nach Verletzungen von Kollegen (am Freitag war es Marcell Jansen) doch ins Team.
Bereuen musste Löw seine Entscheidung für Westermann nicht, denn der Innenverteidiger riss mit seinem Nachstocherer zum 1:0 das entscheidende Loch in den aserbaidschanischen Wall. Nun konnten Kapitän Rashad Farhad Sadygov und seine Kollegen nicht mehr nur mauern – und die neu entstehenden Räume nutzten die Gastgeber zu Chancen und Toren. Das Traumduo des Sommermärchens von 2006, Lukas Podolski und Miroslav Klose, erhöhte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auf 3:0, und alle Bedenken waren beseitigt.
Podolski bedankte sich mit Tor und Vorarbeit sowie einer engagierten Gesamtleistung bei „seinem“ Publikum. Die Kölner waren fest entschlossen, dem Sohn ihrer Stadt aus dem sportlichen Tief herauszuhelfen und feierten ihn bei jedem Ballkontakt – und nicht nur dann. Die klare Führung, die die Gäste mit einem Eigentor weiter ausbauten, brachte mit sich, dass die Feierstimmung schließlich dem gesamten deutschen Team galt.
Aufschlüsse in der Defensive verschaffte das Vogts-Team dem Bundestrainer nicht. Auch nicht darüber, ob Philipp Lahm auf seiner früher gewohnten Linksverteidiger-Position – die er aufgrund der Nominierung des Wolfsburgers Sascha Riether auf der rechten Seite wieder einnahm – womöglich doch noch stärker ist. Und Manuel Neuer wird Löw den dicken Schnitzer beim 4:1 sicher verzeihen: In einer derart einseitigen Partie ist es für einen Torhüter nicht leicht, 90 Minuten Konzentration zu bewahren.
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