Adler oder ein anderer?: DFB-Elf vor dem Torwartwechsel
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008 - 07:43Bundestrainer Löw hat die Mannschaft von 2006 bis zum EM-Finale weiterentwickelt. Für die WM-Qualifikation macht nun der Nachwuchs Druck auf die Stammkräfte. So wird wohl Bayer Leverkusens Schlussmann Adler den 38-jährigen Lehmann beerben.
Jürgen Klinsmann war Tribünengast beim Endspiel um die Europameisterschaft gegen Spanien in Wien (0:1). Auch wenn er seit zwei Jahren nicht mehr für den DFB arbeitet, so hat er einen nicht unerheblichen Teil zum Einzug ins Finale beigetragen.
Denn er hatte 2004 als Nachfolger von Teamchef Rudi Völler den Reformprozess eingeleitet, mit dem das deutsche Fußball-Flaggschiff in die Weltspitze zurückkehrte - eine Entwicklung, die sein ehemaliger Assistent Joachim Löw erfolgreich fortsetzte.
Löw ist aus dem Schatten seines prominenten Vorgängers herausgetreten, indem er die auf Optimierung von Taktik, Fitness und Schnelligkeit ausgerichtete Modernisierung des Spiels weiter vorantrieb und die Mannschaft mit hoher Fachkompetenz und psychologischem Geschick führte.
Auch deshalb spricht man längst vom „System Löw“ - und rieb sich verwundert die Augen, als nach der 1:2-Niederlage im Gruppenspiel gegen Kroatien bereits über ein mögliches Scheitern dieses Projekts spekuliert wurde. Innerhalb von zwei Jahren kam Deutschland als Dritter der WM und als Zweiter der EM bei den Großturnieren unter die letzten vier - eine Erfolgsbilanz, die kein anderer europäischer Verband vorzuweisen hat.
Mit dem Spiel im Fürstentum Liechtenstein startet Löws Auswahl am 6. September in die WM-Qualifikation. Härtester Brocken in den Spielen der Gruppe D ist Russlands junge, aufstrebende Mannschaft, die bei der EM auf dem Weg ins Halbfinale spektakulär auftrumpfte und erst an den Spaniern scheiterte.
Der Reiz der Begegnungen mit Aserbaidschan liegt darin, dass die Nummer 133 der Weltrangliste vom ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts betreut wird. Die neun Gruppensieger qualifizieren sich direkt für die Endrunde 2010 in Südafrika. Die acht besten Zweiten kämpfen in einer Play-off-Runde um die restlichen vier europäischen WM-Plätze.
Der Stamm der DFB-Auswahl wird weitgehend erhalten bleiben. Bei den Torhütern kommt es nach dem zu erwartenden Ausscheiden des 38 Jahre alten Stuttgarters Jens Lehmann zum Generationswechsel. Der Leverkusener René Adler (23), der als Mitglied des EM-Kaders bereits Länderspiel-Atmosphäre schnuppern durfte, und auch der ein Jahr jüngere Schalker Manuel Neuer sind Deutschlands Zukunft.
Als dritter Mann im Bunde und erfahrener Mitstreiter neben den beiden jungen Kollegen hat Robert Enke die besten Karten, auch gegenüber dem vor der EM ausgebooteten früheren Stuttgarter Timo Hildebrand. Ungewiss ist, ob sich Michael Rensing, Oliver Kahns Nachfolger beim FC Bayern, beim Rekordmeister durchsetzen kann.
Das Gerüst der Abwehr bilden auch künftig Philipp Lahm, Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Arne Friedrich, Marcell Jansen, Clemens Fritz und Heiko Westermann. Serdar Tasci (VfB Stuttgart) war bereits einmal auf dem Sprung in die Nationalelf.
Im Mittelfeld könnte zu Michael Ballack, Torsten Frings, Tim Borowski, Thomas Hitzlsperger, Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger und Bernd Schneider (sofern der 34 Jahre alte Leverkusener wieder topfit ist) schon in Kürze das kesse Mönchengladbacher Talent Marko Marin (19) stoßen.
Dazu in defensiverer Ausrichtung Jermaine Jones (Schalke) und vielleicht der Stuttgarter Sami Khedira. Langfristig dürfte auch der Münchner Timo Kroos ins Blickfeld des Bundestrainers rücken, sofern er beim FC Bayern die hohen Erwartungen erfüllen kann.
Im Angriff bleiben Miroslav Klose, Lukas Podolski (mit der Option für das linke Mittelfeld) und Mario Gomez feste Größen. Mit 26 Jahren ist auch Kevin Kuranyi nicht abzuschreiben. Die Tage des Gladbachers Oliver Neuville (35) im Nationalteam dürften indes gezählt sein, während sie für die jungen Leverkusener Patrick Helmes (fünf Länderspiele) und Stefan Kießling (1) jetzt womöglich richtig beginnen.
Jürgen Klinsmann hat ab sofort wieder starken Einfluss auf die Nationalmannschaft - und zwar indirekt durch seine Arbeit beim FC Bayern. Klinsmann als Cheftrainer des Rekordmeisters, Löw als Bundestrainer: Die beiden Weggefährten des erfolgreichen Projekts „WM 2006“ gehen zwar getrennte Wege, aber sie sitzen gemeinsam an den Schalthebeln der deutschen Fußballmacht und werden schon deshalb eng zusammenarbeiten.
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