Endspielgegner der DFB-Elf: Gegen diese Spanier müsst Ihr alles geben!
VON CHRISTIAN SIEBEN UND TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008 - 00:29Wien (RPO). Jetzt steht es fest. Am Sonntag spielt unser Team gegen Spanien im EM-Finale. Aber in den Jubel nach dem Türkei-Sieg schleichen sich nagende Zweifel. Schwarz-Rot-Gold kommt bei dieser EM nicht richtig in Tritt, rumpelt zuweilen durchs Turnier. Am Sonntag müssen Jogis Jungs endlich alles geben.
"Wenn wir im Finale so spielen wie gegen die Türken, kriegen wir die Hucke voll!" Diesen Satz hörte man in abgewandelter Form am Tag nach dem ersten Halbfinale immer wieder. Denn: Deutschland hätte sich wahrlich nicht beschweren können, wenn die beherzten Türken das Spiel gewonnen hätten.
Den kompletten Spielbericht mit allen Toren finden Sie hier.
Überhaupt: Man wird nicht richtig schlau aus unserer Truppe bei diesem Turnier. Es war alles dabei: Grundsolides Spiel (Sieg über Polen), kampfstarke Nervenkraft (Österreich), begeisternder Fußball (Portugal-Spiel) und schwaches Rumpel-Gekicke (Kroatien, Türkei).
Bis Sonntag muss sich viel ändern, die Mannschaft muss im letzten Spiel wieder an die Portugal-Leistung anknüpfen. Denn gegen die Türkei drückte gleich in zwei Mannschaftsteilen der Sorgenschuh.
Problemfall Abwehr: Die Innenverteidiger Per Mertesacker und Christoph Metzelder überzeugten keineswegs. Beide Defensivkräfte waren mehrmals erschreckend desorientiert, offenbarten zudem Schwächen im Spielaufbau. Kaum auszudenken, was die pfeilschnellen und blitzgescheiten Stürmer der Spanier bei einer solchen Abwehrleistung anrichten.
Auch Jens Lehmann sollte nach mehreren unglücklichen Szenen dringend wieder zur gewohnten Stärke finden.
Top-Torschütze David Villa wird laut Trainer Luis Aragones zwar mit einer Zerrung ausfallen, dennoch ist die Angriffsreihe der Südeuropäer außergewöhnlich gut besetzt. Selbst wenn Superstar Fernando Torres kein Tor erzielt wie gestern, sind die Spanier brandgefährlich - drei Tore gegen Russland sprechen eine deutliche Sprache.
Auch die zweite Garde ist hochkarätig besetzt. Es ist kein Zufall, dass Einwechselspieler Daniel Guiza (gekommen für Torres) den vorentscheidenden Treffer zum 2:0 erzielte. Schon im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland (2:1) hatte der Stürmer vom RCD Mallorca das zweite Tor für seine Mannschaft gemacht. Gegen diese Offensivriege muss die deutsche Abwehr mit höchster Konzentration zu Werke gehen.
Problemfall Mittelfeld: Nach der schwachen Leistung von Simon Rolfes ist eine Rückkehr von Torsten Frings in die Startelf zu erwarten. Der Bremer muss aber dringend an seinem Passpiel in der Vorwärtsbewegung arbeiten. Ein Fehlpass-Festival wie gegen Österreich in der Gruppenphase darf es nicht mehr geben.
Auch Kapitän Michael Ballack (Note "4-" gegen die Türken) kann sich nicht mehr auf seine Defensiv-Aufgaben zurückziehen. Der Chelsea-Star, will er wirklich ein Weltstar sein, muss das Team führen, auffallen, Chancen herausarbeiten, endlich konstant seine Klasse zeigen.
Dass seine Räume am Sonntag eng sein werden, davon ist nach der spanischen Gala gegen Russland auszugehen. Das spanische Mittelfeld um die Klasseleute Andres Iniesta, Xavi Hernandez und David Silva hat sogar Andrej Arschawin gänzlich ausgeschaltet.
Jenen jungen Mann, der die Niederlande beim 3:1 nach Verlängerung im Viertelfinale fast im Alleingang schwindelig gespielt hatte. Von ihm war über 90 Minuten nichts zu sehen: keine offensiven Akzente, kaum Zweikampfsiege, am Ende pure Resignation.
Ballack hat es in der Hand, dass ihn dieses Schicksal nicht ereilt. Er ist körperlich stärker als Arschawin, zeigt eine größere Präsenz auf dem Platz und muss jetzt aus seiner großen internationalen Erfahrung schöpfen.
Hoffnung macht die Offensive. Bastian Schweinsteiger und sein Kumpel Lukas Podolski begeistern mit schnellen Kombinationen und Toren, die an den WM-Sommer 2006 erinnern. Die beiden Bayern-Spieler sind bei der EM angekommen.
Gegen diese Spanier muss aber die ganze Mannschaft alles geben!
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