EM-Qualifikation in Irland: Gomez oder Podolski?
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 13.10.2007 - 12:31Dublin (RPO). Kevin Kuranyi weiß auch außerhalb des Spielfelds, worauf es ankommt. Durchgestylt vom Scheitel bis zur Sohle schlendert der Schalker durch das Hotel Four Seasons, einen Prunkbau im schicksten Viertel Dublins, in dem zu wohnen sich wohl selbst in der Hauptstadt des wirtschaftlich boomenden Irland nur die Wenigsten leisten können.
Den Eindruck, den schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes T-Shirt und schwarzes Hemd im Einklang mit den ohnehin schwarzen Haaren vermitteln, bestätigt der Stürmer im Gespräch. Cool und selbstbewusst ist Kuranyi vor dem Irland-Spiel (heute, 20.45Uhr,live in der ARD). Er hat auch allen Grund dazu.
„Ich freue mich, dass ich bis auf das Testspiel gegen Rumänien alle Länderspiele in diesem Jahr mitmachen durfte“, sagt der 25-Jährige. „Ich werde versuchen, auch bei den restlichen dabei zu sein.“ Heute ist er es in jedem Fall, nur sein Partner wird noch gesucht. Bundestrainer Joachim Löw will die Entscheidung kurzfristig fällen, was Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff mit Politiker-Lächeln unterstreicht: „Ich weiß nicht, wer spielt, bin selbst sehr gespannt.“
Kuranyi ist’s wurscht - sagt er wenigstens. „Lukas Podolski hat einen sehr harten Schuss mit links, holt sich viele Bälle aus dem Mittelfeld“, erklärt der Schalker. „Mario Gomez läuft viel, ist kopfballstark und schießt rechts wie links. Ich komme mit beiden gut zurecht, ebenso wie mit Miroslav Klose. Wenn er wieder fit ist, kann er jeder Mannschaft helfen.“
Zumindest das also lässt sich der gewiss nicht als Plaudertasche verrufene Kuranyi entlocken: Mit Klose würde er dann doch am liebsten in den Croke Park einlaufen. Ganz gleich jedoch, für wen sich Löw entscheidet, ob er die rechte Mittelfeldposition mit David Odonkor oder Clemens Fritz und die linke mit Piotr Trochowski oder Simon Rolfes besetzt - es geht für die DFB-Auswahl in Dublin um einiges. Mehr als „nur“ um den einen Punkt, der am Erreichen der Endrunde fehlt. Auf dem Spiel steht auch die Rangliste der besten europäischen Mannschaften nach dem sogenannten Uefa-Koeffizienten. Die Nation, die nach Abschluss der Qualifikation in dieser Wertung oben steht, wird für die Endrunde als Gruppenkopf gesetzt.
Die Frage ist nur, ob es so klug ist, alles zu wollen. Und beim Nachdenken über diese Frage verschwindet auch aus Bierhoffs Gesicht das Lächeln. „Da ist der Uefa ein Planungsfehler unterlaufen“, sagt der Manager. In der Tat. Der Verband hat die Ausrichterländer Österreich und Schweiz als Gruppenköpfe gesetzt, und falls sich Griechenland qualifizieren sollte, käme der Europameister hinzu. „Das heißt, dass wir als vierter Gruppenkopf dann aus dem zweiten Topf Gegner wie Italien, die Niederlande oder England zugelost bekommen können. Und in Topf drei steckt auch noch Frankreich.“
Das wäre dann eine Hammergruppe, der man als Zweiter der Koeffizienten-Wertung ausweichen könnte - mit einem Gegner wie Österreich beispielsweise. „Die Uefa hätte wirklich Österreich und die Schweiz auch als jeweils Zweite in den Gruppen setzen können“, meint Bierhoff. Absichtlich verlieren werde deshalb aber niemand, versichert der Manager. Der Mann in Schwarz lässt da ebenfalls keine Zweifel aufkommen. „Uns reicht zwar ein Punkt“, sagt Kevin Kuranyi, „aber wir sind nach Irland gekommen, um drei zu holen.“
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