Fünf-Sterne-Luxus: Hier wollen die DFB-Stars bei der EM schlafen
zuletzt aktualisiert: 06.09.2011 - 07:56Danzig (RPO). Nur das Probeliegen in den Betten fällt aus. Diesmal hat die deutsche Nationalmannschaft in Zoppot das in einem Park nahe des Strands gelegene Sheraton-Hotel bezogen. Aber das Spiel gegen Polen in Danzig am Dienstag (Anstoß 20.45 Uhr im Live-Ticker) ist für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht nur in sportlicher Hinsicht ein Test.
Der gesamte Aufenthalt wird zum Probelauf für die Europameisterschaft, denn das DFB-Team schlägt im Danziger Vorort Zoppot im nächsten Jahr sein Quartier auf. "Hier finden wir die besten Voraussetzungen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, als die Mannschaft am Montag gegen 12.30 Uhr aus Düsseldorf kommend auf dem Lech-Walesa-Flughafen landete.
Die Busfahrt in den 22 Kilometer entfernte Badeort Zoppot führte das Team nahe vorbei am Domizil, das während der EM von Anfang Juni bis zu den Tagen des Finales am 1. Juli in Kiew bezogen wird. Das Hotel Dwor Oliwski, der Olivenhof, ist ausersehen als Basiscamp. Das Hotel Sheraton, das diesmal vor dem Test in der Ostsee-Arena von Danzig, dem modernsten Stadions Polens, ausgewählt wurde, empfindet der DFB für die EM als zu groß. Das Dwor Oliwski mit seinen 70 Zimmern, das komplett belegt wird, liegt im Hinterland am Rande der Hügel Kaschubiens wesentlich abgelegener und ruhiger. Die polnische Nationalmannschaft hat es für die Vorbereitung der Partie gegen Deutschland belegt.
Ideale Bedingungen sprachen für Polens Norden
"Es ist schön, in der Heimat zu sein", sagte Lukas Podolski nach der Ankunft in Danzig, in polnischer Sprache Gdansk genannt. Er und Klose sprechen perfekt polnisch, sie verständigen sich untereinander auch im Mannschaftskreis in der Sprache, die sie zu Hause bei ihren Familien benutzen.
"Poldi", der in Polen große Popularität genießt, und Klose dienen dem DFB im Nachbarland vor der EURO 2012 quasi als Botschafter. Sie wurden zwar im 550 Kilometer entfernten Niederschlesien geboren, aber auch im Norden des Landes sind sie bekannt wie bunte Hunde. Podolski wurde nach der Landung ins Rathaus von Danzig gebracht zur offiziellen Begrüßung zusammen mit Bierhoff und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Podolski war beeindruckt von der herrlichen Altstadt der geschichtsträchtigen Stadt, die als Perle der Ostsee gepriesen wird.
Dass der DFB in Danzig im nächsten Jahr auf ein "Heimspiel" hofft, wäre etwas übertrieben. Aber auf ein freundliches Wohlwollen, wie bei der WM 2010 in Centurion bei Pretoria und bei der EM 2008 in Ascona am Lago Maggiore. Die Wahl fiel nach Besichtigung von Alternativen in den Regionen um Krakau, Warschau und Posen sowie in der Ukraine leicht.
Das Klima an der Ostsee, die gute Infrastruktur, die kurzen Wege und auch die deutschen Bezüge der ehemaligen Hansestadt sprachen für Danzig. Sie stand lange unter preußischer und deutscher Herrschaft, war aber 1939 auch Ausgangspunkt des Zweiten Weltkriegs, in dem sie komplett zerstört wurde. In den vergangenen Jahrzehnten blühte sie als Meisterstück polnischer Restaurationskunst wieder auf.
Mit den wundervollen Fassaden wirkt der Kern der 450.000-Einwohner-Stadt fast wie ein großer Freizeitpark. "Wir wollen der Mannschaft viel Abwechslung bieten", sagt Bierhoff. Und bequem soll es sein für die Spieler im hohen Norden Polens. "Nur noch einige Details sind für den EM-Aufenthalt noch zu regeln", erklärt der Teammanager.
Im Stadion des Erstligavereins Lech Danzig, vom EM-Quartier fünf Kilometer entfernt, könnte das Training stattfinden. Nicht weiter ist es zum EM-Stadion, wo das DFB-Team aber eventuell gar nicht zu einem der drei Gruppenspiele oder im Viertelfinale antreten muss. In nächster Nähe zum Dwor Oliwski am Rande der Hügel Kaschubiens, das mit seiner kleiner Zufahrtstraße gut abgeriegelt werden kann, soll noch eine Wiese in einen richtigen Fußballplatz verwandelt werden, wo auch das DFB-Medienzentrum in einem Zelt angelegt werden könnte.
EM-Auslosung kann weite Reisen in die Ukraine bringen
Der DFB hat sich auf Danzig festgelegt, wobei eine wichtige Frage erst am 2. Dezember in Kiew bei der Auslosung der EM-Endrunde beantwortet wird. Für die vier Gruppen gesetzt sollen nach dem aktuellen Stand Spanien und die Niederlande, die in der Weltrangliste vor Deutschland stehen, sowie Polen und die Ukraine als "Köpfe" gesetzt werden. Die beiden Gastgeberländer gehören nach sportlichen Kriterien eigentlich nicht an die Spitze, aber nur durch diese Manipulation sind die Polen fest an den Spielort Warschau und die Ukrainer in Kiew anzusiedeln.
Deutschland kann durch gute Ergebnisse in den fünf Länderspielen bis zur Auslosung, inklusive des Spiels gegen Polen, vielleicht noch die Niederländer von Platz zwei verdrängen. Aber selbst dann droht ein Los, das das DFB-Team zu drei EM-Spielen in die Ukraine führt. Danzig würde zum Ausgangsort von weiten Ausflügen quer über den Kontinent. Doch Zoppot und Danzig findet die Teamleitung so ideal, dass die Vermählung mit dieser Region schon mit dem Spiel am Dienstag, wenn die weißen Adler des DFB auf die schwarzen Adler aus Polen treffen, beginnt.
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