Ballack-Ersatz muss sich steigern: Khedira hat noch Luft nach oben
zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 07:02Köln (RPO). Keine Dynamik, keine Torgefahr, kein Spielwitz: Sami Khedira will Michael Ballack zum Auslaufmodell degradieren, doch die Fußstapfen des Kapitäns scheinen derzeit noch ein wenig zu groß. Beim 1:0 (0:0) der deutschen Nationalmannschaft zum Auftakt der EM-Qualifikation in Belgien zählte der Deutsch-Tunesier Khedira vom spanischen Rekordmeister Real Madrid neben Mesut Özil und Lukas Podolski zu den großen Enttäuschungen.
"Wir sind noch sehr früh in der Saison, da kann noch nicht jede Kombination funktionieren. Ich weiß, dass die Menschen nach der erfolgreichen WM einiges erwarten. Wichtig war nur, dass wir unser erstes Spiel gewonnen haben. Gegen Aserbaidschan wollen wir am Dienstag den Sechs-Punkte-Start perfekt machen", sagte Khedira. Der 23-Jährige wirkte in Brüssel äußerst schwerfällig und leidet nach dem verlängerten WM-Urlaub offensichtlich noch unter der mangelnden Wettkampfpraxis bei den Königlichen: "Aber wir werden uns bei Real jeden Tag auf einem ganz hohen Niveau beweisen müssen. Davon können wir in der Nationalmannschaft nur profitieren."
Joachim Löw hält ohnehin große Stücke auf den U21-Europameister. DFB-intern wird immer wieder betont, dass Khedira Führungsstärke besitzt und eine Mannschaft zu Titeln treiben kann. Gegen Belgien war es aber Bayern Münchens Bastian Schweinsteiger, der das Spiel im zweiten Durchgang an sich riss und zudem das spielentscheidende Tor durch Miroslav Klose mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Daniel van Buyten einleitete.
Vorwärtsbewegung eingestellt
Zu diesem Zeitpunkt hatte Khedira seine Offensivbemühungen schon fast gänzlich eingestellt, nachdem er in der ersten Halbzeit innerhalb von drei Minuten zwei gute Chancen vergeben hatte. Zunächst schoss er aus aussichtsreicher Position über das belgische Tor, dann fand er in Keeper Logan Bailly vom Bundesligisten Borussia Mönchengladbach seinen Meister. Man merkte: Es fehlte bei den Abschlüssen noch die Körperspannung.
Gegen den Fußball-Zwerg Aserbaidschan am Dienstag in Köln muss sich Khedira unbedingt steigern, um seinen härtesten Konkurrenten Ballack auf Distanz zu halten. Allerdings spürt Mittelfeld-Arbeiter Khedira auch den Atem anderer "Sechser" wie beispielsweise Simon Rolfes im Nacken. Deshalb will er die Personalie Ballack auch nicht zu hoch bewerten.
"Michael Ballack hat in seiner Karriere sehr viel geleistet für den deutschen Fußball und besonders bei großen Turnieren immer hervorragende Leistungen gezeigt. Aber bei allem Respekt vor ihm: Das darf jetzt keine Rolle mehr spielen."
Heynckes: "Geduldsspiel"
Khedira muss er wohl nicht befürchten, dass ihm bei den EM-Qualifikationsspielen im Oktober gegen die Türkei und in Kasachstan Ballack wieder vor die Nase gesetzt wird. Denn selbst Jupp Heynckes erwartet in Bezug auf die Fitness seines Star-Neuzugangs Ballack ein Geduldsspiel. Es sei "seriös gar nicht einzuschätzen", wann der Kapitän der Nationalmannschaft eine Verstärkung werde, sagte der Trainer von Bayer Leverkusen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Einen bestimmten Zeitpunkt zu nennen, ist nicht möglich."
Beim 3:6 gegen Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga hatte Ballack eine schwache Leistung abgeliefert. "Wir haben gesehen, dass er noch nicht die Fitness hat, die er braucht, um auf hohem Niveau, auf seinem Niveau spielen zu können", sagte Heynckes. "Er muss erst einmal versuchen, seine Fitness zu finden, dann werden wir weitersehen." Khedira hat also noch etwas Zeit.
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