Zehn Jahre Nationalmannschaft: Kloses zweites Zuhause
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 25.03.2011 - 07:17Mainz (RPO). Die Organisatoren des DFB hatten, ohne dies bei der Planung zu ahnen, eine glückliche Hand, als sie Kaiserslautern den Zuschlag für das EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan gaben. So feiert Miroslav Klose morgen (20 Uhr/Live-Ticker) in der Stadt sein zehnjähriges Jubiläum als Nationalspieler, bei deren großem Klub er als Profi den Sprung in die DFB-Auswahl schaffte.
Nur wenige Fußballer waren wie er ein Jahrzehnt lang ein fester Bestandteil der Nationalelf und spielten dabei eine so herausragende Rolle. Lediglich Lothar Matthäus (150) und Jürgen Klinsmann (108) hatten noch mehr Einsätze als Klose (106). Und nur Gerd Müller erzielte mit 68 Treffern (in nur 62 Spielen) mehr Tore als der in Polen geborene Angreifer (59).
An seine ersten Auftritte im Trikot mit dem Adler kann sich Klose noch gut erinnern, denn in beiden Spielen erzielte er nach der Einwechslung ein wichtiges Tor: am 24. März 2001 in Leverkusen beim 2:1 gegen Albanien (88. Minute) und vier Tage später in Athen beim 4:2 gegen Griechenland. Als habe er gleich bei der Premiere allen zeigen wollen, dass der Kopfball eine seiner hervorstechenden Stärken ist, beförderte er die Kugel sogar im Knien über die Torlinie. Sturmkollege Jancker jubelte derart heftig, dass er dem Schützen damit sogar Rückenschmerzen zufügte. "Man weiß ja, welch ein Koffer der Carsten Jancker ist", sagt Klose. Er selbst war und ist im Vergleich zum früheren Münchner eher schmächtig.
Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:
Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Aogo - Khedira, Schweinsteiger - Müller , Özil, Podolski - Klose.
Bastian Schweinsteiger war 17 Jahre alt, als er aus der Ferne die ersten Großtaten des heutigen Bayern-Kollegen erlebte. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea erzielte Klose fünf Treffer. Drei davon mit dem Kopf gegen Saudi-Arabien, "wo es für ihn fast schwerer war, immer wieder einen Salto zu machen als die Tore" (Schweinsteiger). Der Überschlag ist ebenfalls ein Markenzeichen des Angreifers, wenngleich "Miro" nicht mehr so häufig wie früher ein Tor auf solch akrobatische Weise feiert. Beim FC Bayern hat er ohnehin nicht mehr oft Gelegenheit dazu, denn dort kommt er über Einsätze als Einwechselspieler kaum noch hinaus.
In München konnte ihm Mario Gomez den Rang ablaufen, das erkennt Klose auch neidlos an. "Es ist ein ganz normaler Konkurrenzkampf", sagt der 32-Jährige. "Jeder hatte seine Chance zu spielen. Ich meine, Mario seine. Und Mario hat sie genutzt, hervorragend genutzt." Gomez sei ein Weltklassespieler: "Er hat kaum Schwächen, ist beidfüßig und kopfballstark." Der Kampf um den Platz im Münchner Team sei "unheimlich wichtig", fügt er hinzu, "damit wir das Maximale aus uns herausholen".
Im Nationalteam allerdings genießt er immer noch den Vorzug. "Klose bleibt gesetzt", betont Bundestrainer Joachim Löw. "Über ihn gibt es bei uns keine Diskussionen. Jeder hat bei der WM gesehen, wie wichtig er für uns ist." Die Auswahl ist für Klose ein zweites Zuhause neben der Familie mit Ehefrau Sylwia sowie den Zwillingen Luan und Noah. Und die Europameisterschaft 2012 in seinem Geburtsland Polen und in der Ukraine ist sein nächstes ganz großes Ziel. Vielleicht schafft er es sogar noch, die Bayern-Legende Gerd Müller als Rekordtorjäger zu übertreffen.
"Ich habe ja jetzt anderthalb Jahre ausgesetzt. Die kann ich ja hinten dranhängen", meint Klose mit dem für ihn typischen Humor über sein Reservistendasein bei den Bayern. Und er kann sich noch vieles vorstellen auf der letzten Wegstrecke seiner Profikarriere. Dass er München am Saisonende verlässt, weil sein Vertrag ausläuft. Dass er zum 1. FC Kaiserslautern zurückkehrt.
Und dass er später Coach wird. "Wenn überhaupt als Trainer für junge Spieler, bei einer kleineren Mannschaft", sagt er. "Bundesligatrainer – das kann ich mir nicht vorstellen, da wäre ich ja auch jeden Tag weg." Er steht Kollegen gern mit Rat zur Seite: "Ich glaube, dass ich ein gewisses Händchen für junge Spieler habe und weiß, wie ich sie anpacken muss. Ich war schon immer hilfsbereit. Es ist einfach ein Teil meines Charakters." Bahnt sich da womöglich ein Trainerjob im Nachwuchsbereich des DFB an?
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