Pfiffe nach dem 0:0 gegen Wales: Lehmann geht auf die Fans los
zuletzt aktualisiert: 23.11.2007 - 07:49Frankfurt (RPO). Dem Rückfall in alte Rumpelfußball-Zeiten folgte das Pfeifkonzert der eigenen Fans: Viel schlimmer als die mögliche Hammergruppe bei der Euro 2008 war für die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nach dem torlosen Remis zum Jahresabschluss gegen Wales die Reaktion der eigenen Fans.
Knapp 50.000 Anhänger pfiffen in der Frankfurter Arena den WM-Dritten gnadenlos aus, als sich das komplette Team nach Spielschluss mit dem Plakat "Danke Fans - Mit euch zur EURO 2008" nach einem der schwächsten Länderspiele in der Ära von Bundestrainer Joachim Löw gerade mit dem Publikum versöhnen wollte.
Für die verwöhnten Nationalspieler war die Reaktion des Frankfurter Publikums jedoch ein Stich ins Herz. "Als es bei uns nicht so lief, hatte die Fans richtig Spaß daran, uns auszupfeifen. Man hat immer das Gefühl, der Deutsche freut sich, wenn er etwas kritisieren kann", meinte Torwart Jens Lehmann, der in seinem 51. Länderspiel für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) weitgehend beschäftigungslos geblieben war und damit keine Pluspunkte für eine Rückkehr ins Tor beim FC Arsenal sammeln konnte.
"Wo es Beifall gibt, da gibt es auch Pfiffe. Ich glaube, dass das Publikum nach diesem tollen Jahr und der WM 2006 ein bisschen verwöhnt war. Auch damit müssen wir umgehen können. Wir haben viele Spiele gemacht, in denen wir sehr viele Tore geschossen haben. Aber es ist doch klar, dass man nicht in jedem Spiel zwei, drei Tore machen kann", erklärte Löw, der die Reaktionen der Anhänger nach dem enttäuschenden Spiel seiner Mannschaft nicht überbewerten wollte.
Stinksauer war auch Spanien-Legionär Christoph Metzelder. Vor allem die Pfiffe gegen den den Leverkusener Gonzalo Castro, der sich zahleiche Abspielfehler leistete und im zweiten Abschnitt von Löw nach 56 Minuten erlöst wurde, brachten den Profi von Real Madrid auf die Palme.
"Ich habe absolut kein Verständis dafür, wie die Fans Gonzalo Castro ausgepfiffen haben. Der Junge ist 20 Jahre alt, macht seine ersten Länderspiele. Was sich die Fans da rausnehmen, ist absolut nicht in Ordnung", meinte Metzelder und fügte hinzu: "Insgesamt muss man der Mannschaft für das Jahr 2007 ein ganz großes Kompliment machen."
Das sah auch Löw nach der schnellsten Qualifikation einer deutschen Nationalmannschaft für ein großes Turnier so, auch wenn durch das Remis gegen die Briten bei der Auslosung der EM-Gruppen am 2. Dezember in Luzern nun im ungünstigsten Fall eine Hammergruppe mit den Niederlanden, Weltmeister Italien und "Vize"-Weltmeister Frankreich droht.
"Grundsätzlich können wir ein positives Fazit ziehen. Kompliment und Respekt, dass es die Mannschaft geschafft hat, den Schwung von der WM mitzunehmen und sich in einigen Bereichen noch deutlich zu verbessern", meinte Löw.
Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der weiter harsche Kritik von Seiten der Liga über sich ergehen lassen muss, gab zudem zu bedenken, dass man beinahe das gesamte Jahr 2007 und auch gegen Wales ohne tragende Stützen im Mittelfeld auskommen musste. "Alleine im Mittelfeld haben uns wieder 274 Länderspiele an Erfahrung gefehlt", meinte Bierhoff.
Während sich die Spieler in den kommenden Monaten auf ihre Vereine konzentrieren können, reisen Löw und Bierhoff zunächst zur Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen nach Durban am Sonntag (16 Uhr), ehe genau eine Woche später die EM-Endrunden-"Lotterie" in Luzern auf dem Programm steht.
Sportlich ist das nächste Highlight das Länderspiel gegen Österreich am 6. Februar in Wien. Bis dahin hofft Löw wieder auf sein WM-Mittelfeld, auch wenn er weiß, dass für die Rückkehrer Michael Ballack, Bernd Schneider, Bastian Schweinsteiger und Torsten Frings eine schwere Zeit bevorsteht.
"Es ist nicht einfach, Spieler, die so lange von der Nationalmannschaft weg waren, in den zwei Spielen gegen Österreich und die Schweiz wieder zu integrieren. Deshalb sind wir froh, dass die Auswahl größer geworden ist und wir mittlerweile jede Position doppelt bestzen können", sagte der 47-Jährige, der bis zur Nominierung des 23-köpfigen EM-Kaders im kommenden Mai aufgrund der Breite an potenziellen Nationalspielern noch die ein oder andere schlaflose Nacht haben wird: "Der Wettbewerb um die EM-Plätze ist nun entbrannt."
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