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Deutschland Khedira Özil Training am Boden panorama
  Foto: afp, PATRIK STOLLARZ
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Löw glaubt noch an "große Explosion": Özil hat viel Luft nach oben

VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 20.06.2012 - 12:43

Danzig (RP). Der Spielmacher ist noch nicht so richtig in den EM-Rhythmus gekommen. Bundestrainer Löw ist trotzdem zufrieden mit seinen Vorstellungen. Und er glaubt: "Die große Explosion Özils kommt noch." Am besten schon am Freitag im Viertelfinale gegen Griechenland.

Joachim Löw hat für Mesut Özil eine Lanze gebrochen, und er ist fest davon überzeugt, dass er bei der Fußball-Europameisterschaft noch die überragende Klasse des Mittelfeldspielers erleben wird. "Die große Explosion Özils kommt noch", sagte der Bundestrainer drei Tage vor dem Viertelfinale gegen Griechenland am Freitag in Danzig (20.45 Uhr im Live-Ticker). Zwar bereitete der gebürtige Gelsenkirchener mit einem Pass auf Lars Bender das Siegtor zum 2:1 im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark vor, ein vollauf überzeugendes Turnier spielt er bisher jedoch noch nicht. Mit seinen Leistungen blieb er ein großes Stück unter seinen Möglichkeiten.

"Mesut Özil hat sich stark verbessert in dem Spiel", sagte Löw über den Auftritt des 23-Jährigen gegen Dänemark. Er als Trainer schaue auf das Gesamtwerk, auf das Gesamtprodukt. Löw betonte: "Mesut hat wahnsinnig viele Wege gemacht, unglaublich viele Wege, war wahnsinnig viel am Ball, macht viel, viel intensiv ohne Ball. Was in manchen Momenten auch ihm ein Stück weit gefehlt hat, waren die Anspielmöglichkeiten oder ein gutes Weiterspielen, vielleicht auch ein bisschen in der Offensive."

Pässe in die Tiefe

Der Bundestrainer erklärte: "Özil lebt davon, Pässe in die Tiefe, in die Schnittstellen zu spielen. Und das haben wir vielleicht gegen die Dänen ein bisschen zu wenig gemacht nach 20, 30 Minuten. Er braucht Laufwege der anderen, um dann genau diese Bälle zu spielen." Löw nannte die Leistung seiner Nummer acht ausdrücklich "absolut mannschaftsdienlich".

Mit der großen Leistungsexplosion Özils bei der EM rechnet Löw, weil der Spielgestalter bei der Weltmeisterschaft 2010, damals noch bei Werder Bremen unter Vertrag, in den K.o.-Runden "gegen England und Argentinien überragend gut" agiert habe. "Ich spüre, dass das jetzt auch eintritt", fügte der Chefcoach des DFB hinzu. In Südafrika hatte Özil im letzten und für den Einzug ins Achtelfinale der WM entscheidenden Gruppenspiel gegen Ghana in Johannesburg das Siegtor zum 1:0 geschossen.

Özil, vor drei Jahren im Finale der U21-Europameisterschaft gegen England (4:0) als bester Spieler des Endspiels ausgezeichnet, bildet gemeinsam mit Vizekapitän Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira das Herz des deutschen Mittelfelds, von dessen Akteuren Löw erwartet, dass sie gleichermaßen stark in der Defensive wie in der Offensive agieren. Bei der WM 2010 füllten Schweinsteiger und Khedira die Sechser-Rollen im zentralen defensiven Mittelfeld aus, von denen man sich – so Löw – mittlerweile "verabschiedet" habe.

Auch Özil muss Defensivarbeit leisten, aber noch weit mehr als die beiden Kollegen steht er natürlich für Kreativität im Kombinationsspiel nach vorn. Als Profi von Real Madrid hat der Filigrantechniker diese Aufgabe in der Primera Division glänzend erfüllt. Mit 17 Zuspielen war er in dieser Saison bester Torvorbereiter der spanischen Eliteklasse vor dem argentinischen Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona (16 Assists). Özil und Khedira wurden mit den "Königlichen" Meister vor Barcelona und scheiterten mit dem Hauptstadtklub in der Champions League erst im Halbfinale an Bayern München. Real-Trainer José Mourinho nennt Özil, der in 36 Länderspielen acht Tore erzielte, den "besten Zehner der Welt".

Noch keine Topform

Dass Mesut Özil bei den Begegnungen in der Ukraine nicht seine Topfom erreichte, war das eine – dass er im Spiel eine schlechte Körpersprache hatte, das andere. Insbesondere mit diesem Verhalten fordert er Kritik heraus. Er steht dabei noch mehr als bei der WM vor zwei Jahren im Fokus der Öffentlichkeit. Zur Endrunde am Kap flog er damals mit der Erfahrung aus nur zehn Länderspielen. Bei der WM war er dann einer der Akteure im DFB-Team, die die Fans in der Heimat mit ihrem Spiel besonders verzauberten. Danach wechselte er wie Sami Khedira zu Real Madrid und damit zum berühmtesten Fußballklub der Welt.

Am Freitag könnte die Form von Mesut Özil ausschlaggebend sein. Sollte die griechische Mannschaft, wie zu erwarten ist, ihre Chance mit einer äußerst defensiven Taktik suchen, benötigt der dreifache Weltmeister die Klasse eines Fußballers wie Özil, der gegen ein dichtes Abwehrbollwerk Spiele mit seinen Ideen und seiner Virtuosität entscheiden kann.

Quelle: RP/can/csi


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