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  Foto: afp, SERGEI SUPINSKY
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EM-Kolumne: "Özil ist der perfekte Dirigent"

VON FATMIRE BAJRAMAJ - zuletzt aktualisiert: 27.06.2012 - 15:27

Düsseldorf (RP). EM-Kolumnistin Lira Bajramaj schwärmt von den spielerischen Qualitäten des Spanien-Legionärs und ist davon überzeugt, dass Deutschland im Halbfinale den Fluch gegen Italien brechen kann. Die Welt- und Europameisterin glaubt fest an den Titelgewinn.

In diesen Tagen wird viel von einem Fluch geredet. Deutschland könne nicht gegen Italien gewinnen. Aus meiner Sicht sind solche Aussagen totaler Quatsch. Es sitzt ganz bestimmt kein Spieler auf seinem Zimmer und bibbert. Diese deutsche Mannschaft braucht sicher keine Angst vor dem Halbfinale zu haben, auch wenn mich Italien im Viertelfinale gegen England überrascht hat. So offensiv habe ich die "Squadra Azzurra" noch nie gesehen. Es wird trotzdem nicht gegen uns reichen – wir sind diesmal mit einem Sieg an der Reihe. Davon bin ich total überzeugt.

Natürlich ist Druck vorhanden. Als Spieler sprichst du über so etwas aber nicht. Doch wie will man sich von den ganzen Einflüssen befreien? Trainer, Freunde, Familie, die Öffentlichkeit – alle haben Erwartungen an dich. Du versuchst, allen gerecht zu werden.

Es gibt in einem Team ganz unterschiedliche Typen. Der eine lässt sich gar nichts anmerken, der andere ist so aufgeregt, dass man ihn besser nicht anspricht, andere können auf Knopfdruck den Tunnelblick anschalten.

Ich kann mich sehr gut auf Großereignisse fokussieren. Sobald ich in den Mannschaftsbus steige, beginnt bei mir die Konzentrationsphase. Dann höre ich meine Musik und denke nur noch an das Spiel – ich ignoriere alles um mich herum. Mir ist es schon mal passiert, dass eine Mitspielerin behauptet hat, sie hätte mit mir die ganze Zeit gesprochen. Ich kann mich daran nicht erinnern.

Özil arbeitet viel

Im Halbfinale wird es auch wieder auf die Genialität von Mesut Özil ankommen. Er ist ein kreativer Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Er ist gerade einmal 23 Jahre – und schon der Dirigent des deutschen Spiels. Er hat sich während des Turniers extrem gesteigert. Mir imponiert, wie viel er sich bewegt und Räume zuläuft. Er will nicht nur glänzen, sondern arbeitet für die Mannschaft.

Dabei hilft ihm ungemein Miroslav Klose. Mit ihm hat er in der Sturmspitze keine statische Anspielstation, sondern einen echten Spielpartner. Deshalb würde ich an der Stelle von Joachim Löw weiterhin auf Klose setzen – auch weil er in Italien bei Lazio Rom spielt.

Für Mario Gomez ist das eine verdammt unglückliche Situation. Er macht drei Tore in dem Turnier und dennoch wird über seine Aufstellung diskutiert. Deutschland ist aber einfach in der glücklichen Lage, gleich zwei tolle Angreifer im Kader zu haben. Löw hat mich mit seinen Umstellungen während dieser EM mehrmals überrascht. Ich bin gespannt, wie er diesmal entscheidet. Bisher hat er ein glückliches Händchen gehabt.

Der Trainer braucht Fingerspitzengefühl

Es gehört viel dazu, allen ihre Rolle im Team vernünftig vermitteln zu können. Es kann schnell passieren, dass jemand beleidigt ist und sich nicht richtig behandelt fühlt. Andere Teams sind genau daran bei dieser Europameisterschaft gescheitert. Da gab es Akteure, die nicht verstanden haben, wie wichtig sie sind, und das ist dann prompt nach hinten losgegangen. Im modernen Fußball braucht man aber alle Spieler, um für den Gegner möglichst schlecht ausrechenbar zu sein.

Ich werde wieder mit ein paar Freunden und meiner Familie das Halbfinale sehen. Ich brauche ein gewohntes Umfeld, um in Ruhe eine Begegnung verfolgen zu können. Was ich überhaupt nicht abkann, sind irgendwelche unqualifizierten Kommentare. Deshalb meide ich zu große Menschenansammlungen und ziehe mich lieber etwas zurück.

Ich freue mich auf dieses Spiel, weil ich wie gesagt fest überzeugt bin, dass Deutschland ins Finale einziehen wird.

Quelle: RP/sgo


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