Nationalmannschaft: Podolski lässt es endlich wieder krachen
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 13:23Köln (RP). Die beiden Kumpels stecken nach dem Schlusspfiff lachend die Köpfe zusammen, plaudern für ein paar Augenblicke ganz ungestört von Zuschauern, Fernseh-Mikrofonen oder auch nur Mitspielern. Und als sie dann ihr Zwiegespräch beenden und mit den Kollegen zu den Fans gehen, wischt Miroslav Klose seinem Angriffspartner Lukas Podolski noch einmal fast väterlich über die Haare.
Die beiden haben es endlich einmal wieder gemeinsam krachen lassen, wie in den guten alten Tagen bei der Fußball-WM 2006. Zwei Treffer hat Klose erzielt beim 6:1 über Aserbaidschan, doch was viel erstaunlicher ist: Auch "Poldi" hat ein Tor geschossen, dazu ein weiteres vorbereitet und überhaupt in seinem Wohnzimmer, dem Kölner Stadion, nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt.
"So ein Spiel gibt ein bisschen Selbstvertrauen", sagt Podolski hinterher. "Es hat einfach Spaß gemacht, vor allem hier in Köln, aber das war nicht ausschlaggebend. Ich wollte einfach ein gutes Spiel machen, was mir in Belgien nicht gelungen ist. Jetzt habe ich ein Tor gemacht und eines vorbereitet. Ich denke, da kann man glücklich nach Hause gehen."
Ganz so schnell wollen ihn die Medienvertreter nun aber doch nicht verschwinden lassen. Und so hakt einer nach, was denn passiert sei im Zeitraum zwischen Brüssel und Köln. "Nix", antwortet der 25-Jährige knapp. Nachfrage: "Nichts Besonderes?" Podolski: "Nix Besonderes." Immerhin – nach diesem ergreifenden Beweis, dass der Kölner offenbar nicht nur auf dem Platz wieder ganz der Alte ist, schiebt er noch nach: "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Die Saison hat gerade für mich angefangen. Heute war wieder ein weiterer Schritt für mich."
Ein ganz gewaltiger sogar. Kaum jemand hätte dem in Brüssel noch so verunsichert und fehlerhaft agierenden Angreifer zugetraut, dass er sich binnen vier Tagen derartig steigern könnte. Podolski scheute gegen Aserbaidschan keinen Zweikampf, gab keinen Ball verloren, zeigte energische Antritte, zog beherzt ab und dokumentierte mit eindeutiger Körpersprache, wer diesmal der Chef im Ring war. Oder vielleicht besser: Der Herr im (eigenen) Haus. Denn auch wenn "Poldi" selbst bestritt, dass der Schauplatz des Geschehens eine Rolle spielte, so trug die Zuneigung der Fans ihn doch wie auf einer Woge.
Der Bundestrainer gab vor, von dieser Entwicklung nicht überrascht zu sein. "Ich hatte immer das Gefühl, dass Lukas sich wieder auf dieses Niveau begibt", sagte Joachim Löw. "Bei manchen Spielern muss man nach nur vier Wochen Training eben Abstriche machen. Diesmal hat Lukas wieder viel Dampf gemacht." Ob Podolski das fortan auch im Trikot des 1. FC Köln tun wird, weiß freilich niemand.
Was aber hatte nun eigentlich Miroslav Klose seinem alten Weggefährten erzählt, als die beiden da nach Spielende noch zusammenstanden? Natürlich verriet Klose es nicht, nutzte aber die Gelegenheit zu einem Plädoyer für Podolski. "Lukas hat heute allen gezeigt, was er drauf hat", gab Klose zu Protokoll. "Ich weiß ohnehin, was er kann und wie viel er für die Nationalmannschaft wert ist. Das sage ich nicht, weil ich mit ihm befreundet bin, sondern weil ich von seiner Klasse überzeugt bin." Mit Spielen wie am Dienstag gelingt es dem einstigen "Prinz Poldi" vielleicht auch wieder, die übrige Fußballwelt davon zu überzeugen.
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