Länderspiel gegen Aserbaidschan: Podolski will es allen zeigen
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 08:16Köln (RP). Der 25-Jährige hat in Belgien schwach gespielt. Heute gegen Aserbaidschan setzt der Lokalmatador auf die Unterstützung der FC-Fans. Diese erwarten allerdings, dass er auch in der Bundesliga endlich wieder groß aufspielt.
Vielleicht würde es noch eher passieren, dass die Kölner plötzlich vom Düsseldorfer Karneval schwärmen, als dass Joachim Löw die Geduld mit Lukas Podolski verliert. Der Bundestrainer hat an dem Kölner unbeirrt festgehalten und ihn für die Weltmeisterschaft nominiert, obwohl dieser bei seinem Klub in der vergangenen Saison eine große Enttäuschung war und gerade zwei mickrige Ligatore erzielte. Zuvor hatte Löw von einer harten Bestrafung abgesehen, als Podolski Kapitän Michael Ballack beim Spiel in Wales eine Backpfeife verpasste. Und auch jetzt, nach dem schwachen Auftritt des 25-Jährigen beim 1:0-Sieg in Belgien, gab es aus Löws Sicht keine Zweifel, "Poldi" für die heutige Partie gegen Aserbaidschan (20.45 Uhr/Live-Ticker) erneut das Vertrauen zu schenken – zumal der Kölner im "eigenen" Stadion Publikumsliebling ist. Frei nach dem früheren Tennis-Wimbledonsieger Boris Becker: in seinem Wohnzimmer.
Bei der Endrunde in Südafrika hat Podolski für das Vertrauen Löws zurückgezahlt, wie es sich für einen Offensivmann gehört: mit schwungvollen Angriffsleistungen und zwei Treffern – einem beim grandiosen 4:1-Sieg im Achtelfinale gegen England. Allerdings weiß er, dass er den Vorrang gegenüber Mitbewerbern mit überzeugenden Vorstellungen behaupten muss: "Ich ruhe mich nie aus und sage nie, dass ich meinen Stammplatz sicher habe." Die Kollegen sitzen ihm auf der linken Außenbahn im Nacken, allen voran Toni Kroos. Der Münchner ("Konkurrent ist jeder Spieler, der da spielt, wo ich spielen kann") löste Podolski in Brüssel Mitte der zweiten Halbzeit ab, und Löw wird nicht müde, den 20-Jährigen zu loben: "Bei der WM hat er gespielt, als wäre er schon immer dabei." Ob auch der vom DFB-Coach genannte Bremer Marko Marin bereits ein ernsthafter Widersacher für Podolski auf der linken Seite ist, erscheint bisher eher fraglich.
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
DEUTSCHLAND: Neuer/Schalke 04 (24 Jahre/12 Länderspiele) - Lahm/Bayern München (26/72), Mertesacker/Werder Bremen (25/70), Badstuber/Bayern München (21/5), Westermann/Hamburger SV (27/20) - Schweinsteiger/Bayern München (26/82), Khedira/Real Madrid (23/13) - Müller/Bayern München (20/9), Özil/Real Madrid (21/18), Lukas Podolski/1. FC Köln (25/80) - Klose/Bayern München (32/102). - Trainer: Löw
ASERBAIDSCHAN: Agajew/Chasar Lenkoran (24 Jahre/16 Länderspiele) - Medwedew/Quarabag Agdam (20/11), R.F. Sadygow/Quarabag Agdam (28/64), Yunisoglu/FK Qäbälä (24/21), Allahwerdijew/Quarabag Agdam (26/10) - R.A. Sadygow/Quarabag Agdam (26/10), Schukurow/Anschi (27/43), Mammadow/Quarabag Agdam (22/22), Fabio Luis/FK Baku (29/15), Tschertoganow/Inter Baku (30/27) - Allijew/Quarabag Agdam (21/6) - Trainer: Vogts
Schiedsrichter: Strömbergsson (Schweden)
"Lukas genießt bei uns ein großes Vertrauen, weil er immer bei Turnieren und Länderspielen seine Qualitäten abrufen kann", unterstreicht Löw und fügt im Blick auf die zweite Begegnung der EM-Qualifikation hinzu: "Ich bin überzeugt, dass er ein hervorragendes Spiel macht und im läuferischen Bereich ein ganz anderes Engagement an den Tag legt." Auch für den FC-Star gelte aber das in der Nationalmannschaft besonders ausgeprägte Prinzip des Konkurrenzkampfs. Löw liebt es geradezu, wenn er beim Tüfteln der Elf richtig aus dem Vollen schöpfen kann.
Zu einem Profi, der leicht an sich zu zweifeln beginnt, wenn er in der Kritik steht, zählt Lukas Podolski bekanntermaßen nicht. "Ich habe es nie überbewertet, wenn es gut lief", sagt er. So halte er das auch jetzt, "wenn es mal kritisch ist". Der Daueroptimist vom Rhein beweist ungebrochenes Selbstbewusstsein. "Ich denke schon: Wenn ich wieder normale Form habe, ist es schwer, an mir vorbeizukommen", betont er. Er will es, zu Hause in Köln, allen zeigen. Heute im Trikot des DFB und dann in der Bundesligasaison als Profi des FC, denn da hat er nach seiner schwachen Leistungsbilanz im Spieljahr 2009/10 allerhand gutzumachen.
Mit 25 Jahren ist Podolski unter den aktuellen Nationalspielern schon ein alter Hase. Er profitiert von der Erfahrung aus je zwei Welt- und Europameisterschaften, aus insgesamt 80 Länderspielen. "Ich bin erst mal froh, dass ich Wolfgang Overath überholen werde", sagt er in der für ihn immer noch typischen, verschmitzten Art. Der Weltmeister von 1974, Präsident des FC, hat es in den Sechziger- und Siebzigerjahren ja "nur" auf 81 Einsätze im Team des DFB gebracht, "Poldi" wird also heute mit seinem Chef gleichziehen. Natürlich ist das Jubiläum ein großes Ziel: "Wenn es so weit ist, freue ich mich darüber."
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