Vier Tage vor EM-Beginn: Polnisches Idol verhöhnt Deutschland
zuletzt aktualisiert: 03.06.2008 - 13:51Bad Waltersdorf (RPO). Fünf Tage vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft bringt ein polnisches Idol Schärfe in das Duell. "Die polnischen Spieler sind 16-mal intelligenter als die deutschen. Hoffentlich werden sie das auf dem Platz auch beweisen", verhöhnte Zbigniew Boniek die deutschen Kicker.
Der ehemalige Mittelfeldstar hat sein Heimatland beim EM-Debüt unterdessen zum Außenseiter mit Titelchancen auserkoren: "Die Polen können bei der EM das zweite Griechenland werden."
Die Kampfansage des heute 52-jährigen Boniek, der für Polen in 80 Länderspielen 24 Tore erzielte und an drei Weltmeisterschaften teilnahm, kommt nicht von ungefähr. Die "Kadra", wie die polnische Auswahl auch genannt wird, sinnt zum Auftakt der EM in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) auf Revanche.
Noch immer schmerzt das Team um den früheren Dortmunder Bundesliga-Profi Ebi Smolarek (Racing Santander) die bittere Niederlage im zweiten Vorrundenspiel der WM 2006 in Dortmund, als der deutsche Angreifer Oliver Neuville in der Nachspielzeit in letzter Sekunde die Polen aus allen Träumen riss.
"Für uns ist das ein Derby"
"Ich hoffe, dass wir es sind, die diesmal mit den Fans feiern werden", sagt der defensive Mittelfeldspieler Mariusz Lewandowski (Schachtjor Donezk), der das Spiel gegen das Nachbarland am kommenden Sonntag in Klagenfurt als das "prestigeträchtigste überhaupt" bezeichnet: "Für uns ist das ein Derby. Wir wollen auf jeden Fall gewinnen." Der frühere Dortmunder Smolarek meinte: "Wir haben eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Wir haben bewiesen, dass wir gegen jedes Team der Welt gewinnen können."
Bislang gelang den Polen allerdings noch kein Sieg gegen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). In 15 Spielen stehen für den Olympiasieger von 1972 und zweimaligen WM-Dritten (1974, 1982) elf Niederlagen und vier Remis zu Buche. Eine frustrierende Bilanz. Torhüter Artur Boruc betont deshalb: "Für uns zählt nur das Spiel gegen Deutschland, das wird für uns gleich zu Beginn die alles entscheidende Partie."
Auch der letzte Auftritt vor Beginn der Europameisterschaft am Sonntag gegen Dänemark war aber nicht dazu angebracht, Euphorie im polnischen Lager zu entfachen. Beim 1:1 in Chorzow offenbarte die Truppe von Trainer Leo Beenhakker trotz des Tores des Wolfsburgers Jacek Krzynowek noch einige Schwächen. "Die Vorbereitungsspiele haben nur einen geringen Aussagewert. Es wird bei der EM in keinem Spiel einen klaren Favoriten geben. Die Teams haben bei der EM alle ungefähr das gleiche Niveau", sagte Beenhakker.
Auch bei der Trainingseinheit am Dienstagfrüh gab es für die deutschen Spione kaum etwas zu sehen. Sieben Spieler, darunter die Bundesliga-Profis Smolarek und Krzynowek, durften nach dem kraftaufreibenden Spiel gegen Dänemark eine Regenerationseinheit im Hotel absolvieren. Damit umging der ausgefuchste Beenhakker auch, dass die Bundesliga-Profis den deutschen Medienvertretern in die Arme liefen.
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