Kommentar zum EM-Kader: Richtige Entscheidungen
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 16.05.2008 - 14:25Düsseldorf (RPO). Bundestrainer Jogi Löw hat überrascht. Die Nominierung des Gladbachers Marko Marin hatten die wenigsten auf der Rechnung. Auch die Nichtberücksichtigung von Timo Hildebrand verwunderte einige. Zwar sind einige Nominierungen nicht endgültig, da noch drei Spieler aussortiert werden. Dennoch ist klar: Löws Entscheidungen sind zukunftsweisend und richtig.
Die Marin-Entscheidung: Löw ist wie sein Vorgänger Jürgen Klinsmann immer für eine Sensation gut. Mit Marin gelang ihm ein Volltreffer. Der Bundestrainer schwärmt zu Recht von Einfallsreichstum und Technik des Mönchengladbachers. Spieler, die auf dem Platz für Überraschungen sorgen, gibt es wenige in Deutschland. Marins mangelnde Erfahrung (er ist gerade 19 Jahre alt) ist kein Hindernis. Unbekümmertheit ist auf dem Platz eine Stärke.
Die Torwart-Entscheidung: Jens Lehmann ist als Nummer eins gesetzt. Die Mannschaft braucht seine Erfahrung, seine klaren Ansagen. In Robert Enke sitzt ein erfahrener Mann auf der Bank. Der junge Rene Adler hat die Berufung aufgrund herausragender Leistungen im Klub verdient. Der designierte Lehmann-Nachfolger schnuppert zum ersten Mal Turnier-Luft. Bitter für Timo Hildebrand. Nach einer durchwachsenen Saison in Valencia ist der DFB-Zug für den bereits 30-Jährigen abgefahren.
Der 26er-Kader: Nach dem Trainingslager in Mallorca müssen drei Spieler gehen. Nur 23 Mann fahren nach Österreich und in die Schweiz. Ein ungewöhnlicher Schritt des Bundestrainers. Seine Argumente leuchten jedoch ein. Löw will möglichst lange eine fruchtbare Konkurrenz-Situation aufrecht erhalten. Zudem drohen nach einer langen Saison Verletzungen, gerade bei älteren Spielern. Nachrücker per Telefon aus dem Urlaub einzubestellen, wäre die schlechtere Lösung.
Wer muss noch gehen? Über diese Frage wird in den kommenden Wochen noch trefflich diskutiert. Fraglich, ob Löw tatsächlich drei Zweitliga-Spieler (Marin, Neuville, Helmes) mitnimmt. Marin kann dennoch guter Hoffnung sein. Schwer vorstellbar, dass ihn Löw nach diesem Paukenschlag auf Mallorca doch aussortiert. Vorausgesetzt, Marin zeigt auf der Party-Insel gute Leistung auf dem Trainingsplatz. Als Wackelkandidaten erscheinen eher Piotr Trochowski, David Odonkor und Patrick Helmes.
Die Enttäuschten: Hier traf es besonders Bayer Leverkusen hart. In Gonzalo Castro, Stefan Kießling und Manuel Friedrich begraben gleich drei Kicker der Werkself ihre Träume. Gleiches gilt für Roberto Hilbert, der in einer enttäuschenden Stuttgarter Mannschaft keine Akzente setzte. Dank sei dem Bundestrainer auch für die Nichtnominierung Gerald Asamoahs gezollt. Der technisch limitierte Schalker erfüllt die Anforderungen des modernen Fußballs seit Jahren nicht mehr. Noch so eine richtige Entscheidung...
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