EM-Finale: Spanien holt verdient den Titel
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 29.06.2008 - 23:33Wien (RP). Zwei Jahre nach der begeisternden Weltmeisterschaft im eigenen Land hat es zu einem weiteren deutschen Fußball-Sommermärchen nicht gereicht – und auch nicht zum vierten EM-Titel nach 1972, 1980 und 1996. Im Endspiel der Europameisterschaft unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in Wien dem eindeutig besten Team des Turniers, Spanien, mit 0:1. Das goldene Tor erzielte Fernando Torres in der 33. Minute.
Löw hatte für die Startformation nicht weniger als zehn Spieler der WM-Mannschaft nominiert – jener Elf, die heute vor genau zwei Jahren in Berlin zum Viertelfinale gegen Argentinien (5:3 nach Elfmeterschießen) aufgelaufen war.
Es fehlte lediglich Bernd Schneider, der nach einer Bandscheibenoperation auf die Teilnahme an der EM hatte verzichten müssen. Für den Leverkusener schaffte es, auf einer anderen Mittelfeldposition, Thomas Hitzlsperger in die Endspiel-Elf.
Die erste Viertelstunde – sie war so viel versprechend für das deutsche Team, kontrollierte sie doch das Geschehen sehr sicher in einer Phase, in der die Spanier noch äußerst vorsichtig agierten.
Doch als Jens Lehmann nach einer Flanke von Iniesta ausgerechnet gegen einen seiner Vordermänner, Christoph Metzelder, klären musste, kippte das Spiel. Die Iberer ergriffen mit ihrem Kombinationsspiel zunehmend die Initiative.
Fans feuerten Lehmann an
Lehmann, nach zwei guten Aktionen von den deutschen Fans mit Sprechchören bedacht, war geschlagen, als Fernando Torres zum ersten Mal gefährlich vor seinem Gehäuse auftauchte und das Kopfballduell mit Per Mertesacker – 1,81 gegen 1,98 Meter – für sich entschied.
Der Angreifer des FC Liverpool traf nur den Pfosten. Löws Mannschaft hatte in dieser Szene das Glück auf ihrer Seite – wie im Halbfinale gegen die Türkei, in dem Philipp Lahm mit dem Siegtor zum 3:2 Sekunden vor dem Abpfiff das Tor zum Endspiel aufgestoßen hatte.
Diesmal aber war der kleine Münchner in einem entscheidenden Moment nicht Herr der Situation, und wieder war es Torres, der die Schwäche in der deutschen Abwehr ausnutzte.
Diesmal mit dem Führungstreffer: Xavi Hernandez hatte den Ball zentimetergenau in Richtung deutsches Tor gepasst, Spaniens Blondschopf setzte sich mit Kraft und Schnelligkeit gegen Lahm durch und gab Lehmann mit einem gekonnten Lupfer das Nachsehen.
Lahm mit einer Fleischwunde am Fuß
Das Blatt hatte sich gewendet, und als die Mannschaften zu den zweiten 45 Minuten aufs Feld zurückkehrte, fehlte Lahm – wegen einer Fleischwunde am Fuß. Für den Münchner kam der frühere Mönchengladbacher Marcell Jansen, Teamkollege Lahms beim FC Bayern, doch noch einmal zu einem EM-Einsatz.
Spaniens Fans aber sangen schon früh ihr „Eviva Espana“ - in der Hoffnung, dass die deutsche Mannschaft ihr EM-Glück aufgebraucht haben und kaum in der Lage sein würde, sich mit Spielwitz gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Joachim Löw erkannte früh, dass er personell noch einmal handeln musste angesichts der mangelnden Durchschlagskraft seiner Offensive.
Kuranyi brachte wenig
Der Schalker Kevin Kuranyi sollte es an der Seite von Miroslav Klose richten. Und tatsächlich: Mit einem Schlag prägte Leidenschaft die Aktionen des WM-Dritten, hatte dieser wie nach einem Weckruf noch einmal Mut geschöpft. Doch was blieb, war die Anfälligkeit der Abwehr.
So musste Jens Lehmann einen Kopfball von Sergio Ramos reaktionsschnell zur Ecke abwehren, Torsten Frings nach einem Schuss von Iniesta auf der Linie klären. Spanien antwortete auf die verstärkten Angriffsbemühungen des Gegners mit gefährlichen Kontern.
Für das letzte Aufbäumen entschloss sich Joachim Löw zu einem weiteren Wechsel im Angriff mit dem Deutsch-Spanier Mario Gomez anstelle von Klose. Das Spiel aus dem Feuer reißen konnten seine Männer allerdings nicht mehr.
Statistik
Deutschland: Lehmann/FC Arsenal (38 Jahre/61 Länderspiele) - Friedrich/Hertha BSC Berlin (29/61), Mertesacker/Werder Bremen (23/49), Metzelder/Real Madrid (27/47), Lahm/Bayern München (24/47) ab 46. Jansen/Bayern München (22/27) - Frings/Werder Bremen (31/77), Hitzlsperger (26/38) ab 58. Kuranyi/Schalke 04 (26/50) - Schweinsteiger/Bayern München (23/56), Ballack/FC Chelsea (31/87), Podolski/Bayern München (23/54) - Klose/Bayern München (30/81) ab 79. Gomez/VfB Stuttgart (22/14). - Trainer: Löw
Spanien: Casillas/Real Madrid (27/82) - Sergio Ramos/Real Madrid (22/39), Marchena/FC Valencia (28/47), Puyol/FC Barcelona (30/66), Capdevila/FC Villarreal (30/23) - Senna/FC Villarreal (21/16) - Iniesta/FC Barcelona (24/29), Xavi Hernandez/FC Barcelona (28/63), Fabregas/FC Arsenal (21/32) ab 63. Xabi Alonso/FC Liverpool (26/47), Silva/FC Valencia (22/19) ab 66. Santi Cazorla/FC Villarreal (23/7) - Torres/FC Liverpool (24/54) ab 78. Güiza/Real Mallorca (27/8). - Trainer: Aragones
Schiedsrichter: Roberto Rosetti (Italien)
Tor: 0:1 Torres (33.)
Zuschauer in Wien: 51.428 (ausverkauft)
Beste Spieler: Schweinsteiger, Lehmann - Torres, Xavi Hernandez, Iniesta
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Ballack, Kuranyi - Casillas, Torres
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