Matchwinner gegen Polen: Super, Poldi! Aber wo war der Torjubel?
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 08:34Klagenfurt (RPO). Es ist die 20. Minute: Traumkombination über Mario Gomez und Miroslav Klose - Lukas Podolski steht völlig frei, netzt zur Führung ein. Alle warten auf den Jubel. Aber der kommt nicht. Poldi nimmt die Hände vor das Gesicht, scheint gar zu weinen. Das Tor gegen sein Geburtsland Polen ist für den Angreifer ein tief emotionaler Moment.
Die Zuschauer denken schon, es wurde abgepfiffen - das Tor zählt nicht. Bundestrainer Joachim Löw schaut sofort nach rechts zum Linienrichter. Der ist schon auf dem Weg zurück zur Mittellinie, seine Fahne bleibt unten. Alles in Ordnung also.
Miroslav Klose, ebenfalls in Polen geboren, ist einer der ersten Gratulanten beim Torschützen. Er schaut seinen Offensiv-Partner fragend an, versteht die Welt nicht mehr. Podolski mag gar nicht aufschauen, ist tief bewegt vom eigenen Kunststück.
Kapitän Michael Ballack kommt heran. Er nimmt den Torschützen in den Arm und schaut, als wolle er sagen: "Freu dich Poldi, der war drin". Doch Poldi freut sich nicht. Zumindest äußerlich. Dann eilen mehr und mehr Mitspieler hinzu, wollen den Torjäger - von Löw im linken Mittelfeld eingesetzt - feiern. Podolski versinkt kurz in der Jubeltraube. Sein Blick geht nach oben, in den Himmel.
Man merkt schon, was da von ihm abfällt. Die Kritik der letzten Wochen lastete schwer auf dem Angreifer, der bei den Bayern nicht über eine Reservisten-Rolle hinauskam. Dennoch geht Podolski nicht aus sich heraus. Aus Respekt vor seiner (zweiten) Heimat Polen. Es ist eine große Geste des 23-Jährigen.
Dann trabt Poldi zur Mittellinie zurück, ein kurzes "Daumen hoch" für die Fans. Weiter geht's.
Erst nach seinem zweiten Treffer in der 72. Minute, einem sensationellen Gewaltschuss in den Winkel, lässt sich Podolski ein Lächeln entlocken. Die Anspannung scheint endgültig verflogen, nun kann "Prinz Poldi" auch jubeln. Er feiert, streckt die Arme in die Höhe. Zu diesem Zeitpunkt weiß er bereits, dass er der Matchwinner sein wird. Ausgerechnet gegen Polen. Am Ende wird es beim 2:0 bleiben.
Der Schlusspfiff: Podolski greift sich das Trikot des Polen Lewandowski, streift es sofort über. Im roten Dress läuft er zur Fankurve, klatscht den Anhängern zu. Er hält ein Schwätzchen, nicht nur mit den deutschen Fans, sondern auch mit Anhängern aus Polen. Die scheinen ihm trotz der Niederlage nicht böse zu sein.
Beim Interview im ZDF läuft Podolski dann zu Hochform auf. Wäre es nicht so ergreifend, fast könnte man über einige seiner Aussagen schmunzeln. "Sie sind 'man of the match' geworden", sagt der Reporter. Poldis Antwort: "Ist mir egal."
Später räumt er ein, dass ihm die Partie gegen sein Geburtsland "viel bedeutet" habe, dass er aus Respekt nicht groß gejubelt habe. Es ist ein Lukas Podolski, wie man ihn selten erlebt.
Am Ende scheint es aber so, als breche der alte Poldi wieder heraus. Er beendet das Interview mit zwei Sätzen, die schon bald Kultstatus besitzen könnten. "Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen. Jetzt haben wir ein paar Tage Pause, da müssen wir regenerieren."
Hier können Sie sich den Treffer von Lukas Podolski noch einmal in der LIVE!-Reportage anhören und als Klingelton herunterladen.
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