Starke Leistung im Polen-Spiel: Was muss uns noch Sorgen machen?
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 14:48Klagenfurt (RPO). Wirklich viel auszusetzen gab es nach dem souveränen 2:0-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Polen nicht. Die Löw-Truppe beherrschte den Gegner über weite Strecken, spielte ansehnlichen Tempo-Fußball und stand hinten sicher. Allerdings gab es doch noch Kleinigkeiten, die Sorgen machten.
Eigentlich kann für Deutschland in der Vorrunde nur noch wenig schiefgehen. Wer gestern die ab der 15. Minute wirklich schwachen Kroaten gegen aufopferungsvoll kämpfende, aber letztlich zu harmlose Österreicher sah, musste zu folgendem Schluss kommen: Mit Polen haben wir den wohl stärksten Gruppengegner bezwungen.
Natürlich werden auch die Kroaten nicht immer so neben den Schuhen stehen, wie in den letzten 75 Minuten gegen die Gastgeber. Doch die Art und Weise, in der die deutsche Mannschaft auftrat, beeindruckte. In dieser Form müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken, auch nicht vor Modric, Petric und Co.
Im besten Match des bisherigen Turnierverlaufs waren vor allen Dingen Zielstrebigkeit, Laufbereitschaft und Sicherheit im Passspiel die Markenzeichen des deutschen Teams. Dennoch blieben kleinere Mängel nicht verborgen, die gegen einen stärkeren Gegner wohl schlimmere Konsequenzen gehabt hätten.
Marcell Jansen etwa spielte in der Außenverteidigung unter seinen Möglichkeiten. Immer wieder ließ er sich überlaufen, grätschte auch dann, wenn es völlig unnötig war - meist sogar am Ball vorbei. Über seine Seite kamen die Polen oftmals in aussichtsreiche Positionen.
Mario Gomez enttäuschte ebenfalls. Nicht etwa, dass er wirklich schlecht gespielt hätte. Doch vergeigte der Angreifer bereits in Durchgang eins zwei Möglichkeiten, die er sonst um drei Uhr nachts mit Badeschlappen im Kasten untergebracht hätte.
Erst legte Klose dem Stuttgarter das Leder mustergültig auf, wenig später wurde Gomez vom agilen Fritz im Rückraum perfekt freigespielt - doch in beiden Fällen versagten ihm die Nerven. Von solchen Möglichkeiten bekommt man gegen Teams wie Italien pro Spiel manchmal nur eine. Meistens gar keine. Alle, die Gomez aus der Bundesliga kennen, wissen, dass er das besser kann.
In der Innenverteidigung ist bei Christoph Metzelder ebenfalls noch Luft nach oben da. Zwar kommt er immer besser in Schwung, doch merkte man ihm in einigen Situationen schon noch die lange Verletzungspause an. Jens Lehmann leistete sich unterdessen direkt in der Anfangsphase zwei Patzer - aus denen ein Luca Toni wahrscheinlich zwei (wenn nicht drei) Tore gemacht hätte. Danach allerdings hielt er glänzend - ein Torwart-Problem sieht anders aus.
Bleibt schließlich noch der ominöse "Schwächeeinbruch" kurz vor und in der Viertelstunde nach der Pause. Hier ließ man dem Gegner zu viel Raum, schien ein wenig verwalten zu wollen. Die knappe Abseits-Entscheidung gegen Smolarek rüttelte die Mannen von Jogi Löw aber wieder wach.
Man darf allerdings auch nicht zu viel verlangen. Perfekte 90 Minuten spielt eben keine Mannschaft. Bei dem Tempo, das unsere Jungs gingen (man denke nur an Fritz, Frings, aber auch Lahm), ist es klar, dass die Puste irgendwann mal ein wenig weg ist.
Alles in allem war es eine extrem starke Leistung, die den deutschen Anhängern da geboten wurde. Werden ein paar Kleinigkeiten noch abgestellt, könnte das ein ziemlich langes Turnier für unser Team werden.
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