Kommentar: Das Turnier der Geheimfavoriten
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.06.2008 - 11:09Klagenfurt (RPO). Für die einen (unter ihnen Bundestrainer Löw) ist es das schwerste Turnier aller Zeiten. Für die anderen eines mit drei Favoriten (Italien, Frankreich, Deutschland), zwölf Geheimfavoriten und Österreich. Sie stellen tatsächlich die einzige Mannschaft bei dieser Europameisterschaft, die niemand zu den Titel-Kandidaten rechnet.
Nicht einmal die Fans im eigenen Land, die sich in einer typisch österreichischen Mischung aus Schwarzseherei und Ironie vorsichtshalber selbst auf den Arm nehmen. Die Experten betonen zu Recht, dass Europas Fußballspitze eng zusammengerückt ist. Wer nicht hellwach in dieses Turnier startet, der wird schnell böse Überraschungen erleben.
Das wissen die Trainer natürlich. Deshalb wird niemand so kühn sein, ein munteres Toreschießen und fröhliches Drauflos-Stürmen zu erwarten. Denn die ultimative Taktik besteht offenbar in kontrollierter Defensive.
Dafür steht nicht allein die Tatsache, dass deren Erfinder, der ehemalige Essener Malergeselle Otto Rehhagel, zu den führenden Fußballlehrern in Europa gehört. Auch die Italiener, von denen allgemein erwartet wird, dass sie es wieder bis ins Finale schaffen, haben seit jeher wenig Gedanken daran verschwendet, dem Gegner bereitwillig ins offene Messer zu laufen. Und das Spiel mit einer Spitze wird seit Jahren von den Topteams gepflegt.
Das große Fest wird es daher auf den Rängen geben und in den Städten. Hoffentlich.
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