Schweiz - Österreich 3:1: Die "Ösis" im totalen Tief
zuletzt aktualisiert: 14.10.2007 - 16:00Zürich (RPO). Co-Gastgeber Österreich droht bei der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr eine Blamage: Auch in der Schweiz gelang nicht der erhoffte Befreiungsschlag, das 1:3 bedeutete das neunte Spiel ohne Sieg.
Damit ist das historische Tief von 1973/74 bereits erreicht. Gewinnt die Mannschaft von Teamchef Josef Hickersberger auch am Mittwoch in Innsbruck gegen die Elfenbeinküste nicht, wird diese Negativbestmarke sogar noch unterboten.
Vom "ÖFB-Team als Prügelknabe", schrieb die Wiener Zeitung am Tag danach im Internet und der Kurier beklagte "Schiffbruch vor der Elfenbeinküste". Dabei war in der bisherigen Geschichte die Schweiz stets ein guter Aufbaugegner für Österreich. Von zuvor 39 Partien seit 1954 waren nur neun verloren gegangen. Dem standen 25 Siege und zehn Untentschieden gegenüber.
Die dürftigen österreichischen Leistungen hatten Tausende Fans in der Alpen-Republik zu einer ungewöhnlichen Aktion veranlasst. Im Internet sprachen sie sich aus Angst vor einer Blamage dafür aus, dass der zuletzt chronisch erfolglose Co-Gastgeber bei der EM 2008 freiwillig auf seine Teilnahme verzichtet. "Die Art und Weise, wie Österreich auftritt, ist eine Beleidigung für das ästhetische Empfinden eines jeden Fans", hieß es.
Immerhin sahen Spieler und Trainer trotz des 1:3 Fortschritte. "Wir haben nie aufgegeben, das war ein gutes Zeichen. Aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen", sagte Kapitän Andreas Ivanschitz: "Trotz des frühen Rückstandes haben wir gut reagiert und uns mit dem 1:1 aus einer Superkombination Selbstvertrauen geholt."
Teamchef Josef Hickersberger zeigte sich ebenfalls optimistisch: "Es war bei der Leistungsbereitschaft, beim Einsatz und beim Spiel nach vorne eine deutliche Steigerung gegenüber den Spielen gegen Japan und Chile zu erkennen. Es wäre verfehlt, jetzt der Mannschaft irgendwelche Vorwürfe zu machen."
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass aus den letzten neun Spielen nur fünf Unentschieden geholt wurden, vier gingen verloren. Der letzte Sieg (4:1 gegen Trinidad und Tabago) liegt schon fast ein Jahr zurück.
Matchwinner und überragender Akteur auf Seiten der Schweizer war Bayer Leverkusens Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta, der alle drei Treffer durch die beiden ehemaligen Bundesliga-Profis Marco Streller (2., 55.) und Hakan Yakin (36.) vorbereitete. Den zwischenzeitlichen Ausgleich markierte Rene Aufhauser (11.). Der Sonntags-Blick schrieb daraufhin von einer "Gala in rot-weiß", mit der sich die Eidgenossen für die 1:2-Niederlage vor einem Jahr in Innsbruck revanchierten. "Kuhns Auswahl jederzeit Herr der Lage", meinte die Neue Zürcher Zeitung.
Schon nach 71 Sekunden hatte Streller bei der Länderspielpremiere des mit 22.500 Zuschauern ausverkauften neuen Zürcher Letzigrund-Stadions die Gastgeber in Führung geschossen. "Da hatten wir wohl das Gefühl, es gehe alles von alleine. Danach begingen wir einige Fehler", analysierte Barnetta, der mit seinen Aktionen dafür sorgte, dass diese nicht ins Gewicht fielen und dafür ein Sonderlob von Nationaltrainer Köbi Kuhn kassierte.
"Tranquillo Barnetta und nicht ein starkes Kollektiv brachte dem Spiel die Wende", sagte der 64-Jährige, der am 12. Oktober Geburtstag gefeiert hatte: "Ich bin nicht mit allem zufrieden. Das frühe Tor hat uns 20 schwierige Minuten besorgt. Erst nach dem 2:1 konnten wir befreit aufspielen. Die zweite Halbzeit war okay, der Gegner hatte keine Chance. Wir waren näher am Mann, unser Spiel wurde stabiler."
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