Schweiz - Türkei 1:2: Die Schweiz ist draußen
zuletzt aktualisiert: 11.06.2008 - 22:44Basel (RPO). Trauer in der Schweiz, Jubel und Hoffnung in der Türkei: Der EM-Gastgeber ist bereits nach dem zweiten Gruppenspiel ausgeschieden. Die Eidgenossen kassierten bei der Regenschlacht von Basel eine 1:2 (1:0)-Niederlage gegen die Türkei und haben keine Chance mehr auf das Erreichen des Viertelfinals. Selbst ein Sieg gegen die bereits qualifizierten Portugiesen würde nicht reichen.
Die Mannschaft von Trainer Fatim Terih hat nun selbst alle Möglichkeiten, in die Runde der besten Acht einzuziehen. Die Türken treffen am letzten Spieltag der Gruppe A auf Tschechien, das ebenfalls drei Punkte aufweist.
Elfmeterschießen um Platz zwei?
Dabei könnte es zu einem Novum kommen: Sollten sich beide Mannschaften am Sonntag (20.45 Uhr/LIVE!-Ticker) in Genf unentschieden trennen, käme es zu einem Elfmeterschießen um den Einzug ins Viertelfinale. Beide Teams haben nach zwei Spieltagen drei Punkte und 2:3 Tore.
"Das war ein sehr verdienter Sieg", sagte Hamit Altintop von Bayern München und ergänzte angesichts der Bedingungen: "Da konnte man kaum Fußball spielen." Das Gegentor sein ein Schock gewesen, so der Bundesliga-Profi, "aber wir haben uns darauf eingestellt, die zweite Halbzeit war sehr gut. Wir hatten zuletzt viele Endspiele, anscheinend brauchen wir den Druck."
Ausgerechnet der türkischstämmige Hakan Yakin hatte die Schweiz mit seinem Treffer in der 32. Minute in Führung gebracht. Erst in der zweiten Halbzeit, als der Regen nachgelassen hatte, rollte der Ball wieder flüssiger und die Türken kamen besser ins Spiel. Semih (57.) und Arda (90.) sorgten für das EM-Aus der Schweiz. Portugal steht als Gruppensieger und erster Viertelfinalteilnehmer fest.
Nach etwa zehn Minuten öffnete zunächst der Himmel seine Schleusen über dem "Joggeli" in Basel und beeinflusste schnell den weiteren Verlauf des Spiels. Auf dem Rasen bildeten sich Pfützen, an einen geordneten Spielaufbau war daher kaum zu denken. Selbst Pässe über wenige Meter waren angesichts der Lachen ein Glücksspiel. Die Spieler rutschten teilweise wie auf einer Eisbahn. Zu diesem Zeitpunkt schien sogar ein Abbruch nicht unmöglich.
Tolles Spiel nach Wolkenbruch
Und dennoch nahm die Begegnung nach dem Einsetzen des starken Regens an Fahrt auf und entwickelte sich immer mehr zu einem offenen, intensiven, aber nie unfairen Schlagabtausch. Die ersten guten Gelegenheiten besaßen dabei die Gastgeber.
Hakan Yakin, einer von insgesamt drei Spielern mit türkischen Wurzeln in der Anfangsformation der Schweizer, scheiterte mit einem fulminanten Schuss an Volkan (23.), zwei Minuten später wehrte der türkische Torhüter auch einen Freistoß des Leverkuseners Tranquillo Barnetta mit einer Glanzparade ab.
Hakan Yakin hatte die undankbare Aufgabe, mit dem ebenfalls türkischstämmigen Derdiyok den etatmäßigen ersten Sturm der Schweizer zu ersetzen: Mannschaftskapitän und Toptorjäger Alexander Frei von Borussia Dortmund hatte sich im ersten Vorrundenspiel gegen Tschechien (0:1) verletzt, Sturmkollege Marco Streller fehlte wegen einer Leistenverletzung.
Die beiden Ersatzleute machten ihre Sache aber beim 1:0 ausgezeichnet. Nur zwei Minuten nach der Führung hatte Hakan Yakin in gleicher Position seinen zweiten Treffer auf dem Fuß, verfehlte das Tor allerdings um Zentimeter.
Auch die Türken suchten im strömenden Regen den Weg zum Tor. Bei immer besser werdenden Bedingungen nach der Pause drängten sie mit Vehemenz und schließlich erfolgreich auf den Ausgleich. Danach nahm die Begegnung an Intensität sogar noch zu - ohne dass eine der beiden Mannschaften eine ihrer vielen guten Möglichkeiten nutzen konnte.
Als sich alles schon auf ein Unentscheiden eingestellt hatte, das beiden Mannschaften die Chance aufs Weiterkommen ermöglicht hätte, schlugen die Türken durch Arda noch einmal zu und stürzten die Schweizer in ein Tal der Tränen.
Statistik
Schweiz: Benaglio/VfL Wolfsburg (24/14) - Lichtsteiner/OSC Lille (24/14), Müller/Olympique Lyon (31/80), Senderos/FC Arsenal (23/30), Magnin/VfB Stuttgart (29/52) - Behrami/Lazio Rom (23/18), Inler/Udinese Calcio (23/19), Fernandes/Manchester City (21/10) ab 76. Cabanas/Grasshopper Zürich (29/50), Barnetta/Bayer Leverkusen (23/34) ab 66. Vonlanthen/RB Salzburg (22/31) - Yakin/Young Boys Bern (31/68) ab 85. Gygax/FC Metz (26/35), Derdiyok/FC Basel (19/5). - Trainer: Kuhn
Türkei: Volkan Demirel/Fenerbahce Istanbul (26/23) - Hamit Altintop/Bayern München (25/44), Emre Asik/Ankaraspor (34/28), Servet Cetin/Galatasaray Istanbul (27/31), Hakan Balta/Galatasaray Istanbul (25/10) - Gökdeniz Karadeniz/Rubin Kasan (28/49) ab 46. Semih Sentürk/Fenerbahce Istanbul (25/6), Mehmet Aurelio/Fenerbahce Istanbul (30/21), Arda Turan/Galatasaray Istanbul (21/20) - Tümer Metin/AE Larisa (33/24) ab 46. Mehmet Topal/Galatasaray Istanbul (22/6) - Nihat Kahveci/FC Villareal (28/56) ab 85. Kazim Kazim/Fenerbahce Istanbul (21/6), Tuncay Sanli/FC Middlesbrough (26/56). - Trainer Terim
Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)
Tore: 1:0 Yakin (32.), 1:1 Sentürk (57.), 1:2 Arda Turan (90. +2)
Zuschauer in Basel: 39.730 (ausverkauft)
Beste Spieler: Yakin, Derdiyok - Volkan, Nihat
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Derdiyok - Tuncay, Aurelio, Balta
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