Platini ist irritiert: EM-Baustellen in der Ukraine
VON JURI DURKOT - zuletzt aktualisiert: 04.07.2008 - 12:24Kiew (RP). Vor seiner Inspektionsreise nach Polen und in die Ukraine hat Michel Platini gedroht: „Wenn es in Kiew und Warschau keine Stadien gibt, findet die Fußball-Europameisterschaft dort nicht statt.“ Nach seiner Ankunft in Kiew spricht der Uefa-Präsident deshalb nicht nur mit den Organisatoren der EM 2012, sondern er besucht auch eine Baustelle.
Was der Uefa-Präsident dort sehen muss, kommt ihm merkwürdig bekannt vor. Denn das Bild ist seit einem Jahr nahezu unverändert: Betonpfeiler ragen hinter dem grünen Zaun in den Himmel, Kräne stehen herrenlos herum, keine Spur von Bauhektik neben dem größten Fußballstadion der Ukraine.
Hier sollte eigentlich ein riesiges Einkaufszentrum entstehen. Dieses würde aber den Platz vor dem Stadion versperren und im Notfall eine schnelle Evakuierung verhindern. Die Uefa ließ den Ukrainern daher keine Wahl: ohne Abriss wird es kein EM-Spiel geben. Doch das halbfertige Gerüst des Einkaufszentrums steht bis heute.
Und auch der Umbau des Stadions, das mittlerweile Sportkomplex Olimpijski heißt und in dem 2012 das Finale ausgetragen werden soll, läuft alles andere als reibungslos. Das in den 30er Jahren errichtete und in den 60ern auf 100.000 Zuschauer ausgebaute Stadion hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.
Zuletzt wurde die Arena, in der Dynamo Kiew in den 80er Jahren große Erfolge feierte, für einen Basar genutzt. Jetzt gibt es Ärger mit der Archasia Design Group, die den Zuschlag für den 190 Millionen Euro teuren Umbau bekommen hat. Die Regierung in Kiew wirft Archasia vor, nicht alle Unterlagen eingereicht zu haben und will über den Zuschlag neu entscheiden.
Etwas flotter geht es 800 Kilometer weiter östlich zu. In Donezk ist der ovale Umriss der Arena schon heute zu erkennen. Bis Ende des Jahres soll das nagelneue und etwa 160 Millionen Euro teure Fußballstadion stehen - in einer Metropole, in der Slums auf den protzigen Prunk der neuen Industriemagnaten treffen.
Im westukrainischen Lemberg wurden die hohen Stadtmauern Ende des 18. Jahrhunderts von den Österreichern abgerissen - heute sind es wieder Österreicher, die durch ein neues Stadion das Stadtbild prägen wollen. Die Alpine Bau GmbH und das Architekturbüro Albert Wimmer sollen bis Ende 2010 die Arena bauen. Der Haken: die Finanzierung des rund 85 Millionen Euro teuren Projekts ist immer noch nicht gesichert.
Ins Stocken gerät neben den Stadionbauten auch die Modernisierung der Infrastruktur. Für den Ausbau der Flughäfen und Straßen ist kein Geld da. So ist die 16 Kilometer lange Strecke, die Kiew mit dem Flughafen Boryspil verbindet, bis heute die einzige richtige Autobahn in der Ukraine.
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