Spanien - Russland 3:0: Furiose Spanier stürmen ins Endspiel
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008 - 22:44Wien (RP). Durch einen 3:0-Erfolg im zweiten Vorschlussrundenspiel gegen Russland ist die Mannschaft von Trainer Luis Aragonés ins Endspiel der Fußball-EM eingezogen. Dort treffen die Iberer am Sonntag auf die deutsche Elf.
Das Team um Kapitän Iker Casillas setzte sich im zweiten Semifinale gegen Russland mit 3:0 durch und trifft nun am Sonntag (20.45 Uhr) wiederum in Wien auf die Elf von Bundestrainer Joachim Löw. Das letzte Duell beider Nationen bei einer EM gewannen die Deutschen 1988 mit 2:0, das vorletzte vier Jahre zuvor die Iberer mit 1:0.
Den ganzen Tag über herrschte in Österreichs Hauptstadt ein Klima wie im tropischen Regenwald. Drückende Hitze, kombiniert mit einer enormen Luftfeuchtigkeit. Und am Abend schüttete es dann wie aus Kübeln - weitaus geeignetere Bedingungen für die Orchideenzucht als für das Halbfinale einer Europameisterschaft.
Spanier und Russen machten das Beste draus, boten den Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion von Beginn an eine abwechslungsreiche Partie mit hohem Tempo. Torchancen resultierten daraus freilich eher selten. In erster Linie, weil sich beide Abwehrreihen aufgrund der Erfahrungen der vergangenen drei Turnierwochen so ihre Gedanken gemacht hatten.
Beispiel Andrej Arshavin: Die Spanier stellten dem Topstar ihres Gegners, der im Viertelfinale die Niederlande nahezu im Alleingang ausgeschaltet hatte, geschickt die Räume zu. Und wenn der 27-jährige Petersburger dann doch einmal in die Nähe des Strafraums vorstieß, nahm sich Carles Puyol möglicherweise bald Arshavins Teamkollege beim FC Barcelona auf rustikale Art seiner an.
Beispiel David Villa: Im ersten Vergleich der beiden Mannschaften in der Vorrunde hatte der Stürmer vom FC Valencia beim 4:1 noch drei Treffer für die Spanier erzielt. Diesmal schirmten die Russen ihn besser ab, drängten ihn meist erfolgreich aus der unmittelbaren Gefahrenzone heraus.
Nach gut einer halben Stunde war das Halbfinale für Villa dann vollends gelaufen. Trainer Luis Aragonés wechselte den angeschlagenen Angreifer gegen Cesc Fabregas aus, stellte sein System damit wieder auf das in der Qualifikation sehr erfolgreiche 4-1-4-1 mit Fernando Torres als einziger Spitze um. Villa erlitt eine Zerrung, fällt am Sonntag sehr wahrscheinlich aus.
"Fantastische Vier" im spanischen Mittelfeld
Hinter dem Liverpooler waren fortan die „Fantastischen Vier” im Mittelfeld der Iberer endlich wieder vereint Andrés Iniesta, Xavi Hernández, David Silva und eben Fabregas. Dass es zur Pause torlos stand, lag neben der guten Abwehrarbeit auch an der großen Torhüter-Entdeckung der EM.
Igor Akinfeev entschärfte gefährliche Schüsse von Torres und Villa, wirkte erneut sicher. In der Offensive agierten die Russen jedoch zu verspielt, verhaspelten sich zudem oft beim Versuch, das Tempo hoch zu halten. Wenn die üblichen Torjäger bei den Deckungen in guten Händen sind, muss eben einer zuschlagen, der ansonsten selten in den Torschützenlisten zu finden ist.
„Stimmt schon, das Toreschießen ist meine größte Schwäche”, hat Hernández, weltweit besser unter seinem Vornamen Xavi bekannt, erst kürzlich bekannt. „Da muss ich mich noch verbessern.”
Gesagt, getan: Der exzellente Techniker des FC Barcelona lenkte eine knallharte Hereingabe seines Klubkameraden Iniesta zum 1:0 ins Netz. Die Russen wirkten geschockt, fanden nie zur grandiosen Form des Viertelfinales.
Die entscheidenden Schläge der nun wie entfesselnd zaubernden Spanier durch den eingewechselten Daniel Güiza und David Silva kamen daher folgerichtig. Nach zahlreichen Enttäuschungen bei den vergangenen Turnieren winkt Spanien so der erste Titel seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1964.
Statistik
Russland: Akinfejew/ZSKA Moskau (22/25) - Anjukow/Zenit St. Petersburg (25/37), Wassilij Beresuzkij/ZSKA Moskau (26/31), Ignaschewitsch/ZSKA Moskau (28/41), Schirkow/ZSKA Moskau (24/24) - Semak/Rubin Kasan (32/51) - Syrjanow/Zenit St. Petersburg (30/17), Semschow/Dynamo Moskau (30/32) ab 56. Biljaletdinow/Lokomotive Moskau (23/28), Sajenko/1. FC Nürnberg (24/11) ab 57. Sytschew/Lokomotive Moskau (24/44) - Arschawin/Zenit St. Petersburg (27/37) - Pawljutschenko/Spartak Moskau (26/22). - Trainer: Hiddink
Spanien: Casillas/Real Madrid (27/81) - Sergio Ramos/Real Madrid (22/38), Marchena/FC Valencia (28/46), Puyol/FC Barcelona (30/65), Capdevila/FC Villarreal (30/22) - Iniesta/FC Barcelona (24/28), Senna/FC Villarreal (21/15), Xavi Hernandez/FC Barcelona (28/62) ab 69. Xabi Alonso/FC Liverpool (26/46), Silva/FC Valencia (22/18) - Villa/FC Valencia (26/35) ab 35. Fabregas/FC Arsenal (21/31), Torres/FC Liverpool (24/53) ab 69. Güiza/Real Mallorca (27/7). - Trainer: Aragones
Schiedsrichter: Frank de Bleeckere (Belgien)
Tore: 0:1 Xavi Hernandez (50.), 0:2 Güiza (73.), 0:3 Silva (82. )
Zuschauer in Wien: 51.428 (ausverkauft)
Beste Spieler: Akinfejew, Pawljutschenko - Xavi Hernandez, Fabregas, Senna
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Schirkow, Biljaletdinow
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







