Trotz vorzeitigem EM-Aus: "König Otto" darf bleiben
zuletzt aktualisiert: 16.06.2008 - 12:44Salzburg (RPO). Die "Ottokratie" geht wohl weiter: Trotz des vorzeitigen Aus bei der EM in Österreich und der Schweiz soll Otto Rehhagel die griechische Nationalmannschaft zur WM 2010 nach Südafrika führen.
Der griechische Verbandspräsident Vassilios Gagatsis sprach dem 69-Jährigen ohne Wenn und Aber das Vertrauen aus. "Wir haben vor kurzem den Vertrag mit Rehhagel bis 2010 verlängert, und natürlich planen wir mit ihm für die Qualifikation für die WM 2010. Die Trainerfrage stellt sich für uns nicht", sagte Gagatsis und spricht damit den Nationalspielern aus der Seele.
"Warum sollte Herr Rehhagel denn gehen?", fragte Mittelfeldspieler Stelios Giannakopoulos: "Für uns alle ist klar, dass wir mit ihm weitermachen werden." Der 34-Jährige verwies auf die ungeheure Beliebtheit von "Rehakles" in der Heimat und sieht "überhaupt keinen Grund für irgendwelche Diskussionen".
Rehhagel selbst hat sich zu seinen Zukunftsplanungen bislang noch nicht geäußert. Nach der 0:1-Niederlage gegen Russland, die das schnellste Vorrunden-Aus eines Titelverteidigers in der EM-Geschichte perfekt gemacht hatte, deutete er allerdings im ZDF-Interview an, weitermachen zu wollen. Er habe doch gerade erst seinen Vertrag bis 2010 verlängert, sagte Rehhagel.
Der ehemalige Bremer und Kaiserslauterter Meistertrainer ist seit knapp sieben Jahren Nationalcoach in Griechenland, seit dem EM-Titel 2004 in Portugal ist er unangreifbar. Selbst nach der Niederlage gegen Russland waren auch aus der Presse keinerlei Rücktrittsforderungen aufgekommen.
Mit bislang 44 Siegen in 83 Spielen (17 Unentschieden, 22 Niederlagen) hat "König Otto" die mit Abstand beste Bilanz aller griechischen Nationaltrainer. Länger als Rehhagel hat es zudem noch keiner auf dem wichtigsten Trainerposten des Landes ausgehalten.
In jedem Fall steht dem entthronten Europameister nun ein Umbruch bevor. Torwart Antonis Nikopolidis und Abwehrspieler Paraskevas Antzas treten nach dem bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Spanien am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr in Salzburg) zurück, Verteidiger Ioannis Goumas wird wohl noch folgen. "Dass der ein oder andere aufhört, ist normal. Viel wichtiger ist, dass wir weiter ein gutes Klima in der Mannschaft haben", meinte Mittelfeldspieler Georgios Karagounis.
Doch was schwerer wiegt: Auch Leistungsträger wie Abwehrchef Traianos Dellas (32), Karagounis (31) oder Angelos Basinas (32) werden 2010 den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit längst überschritten haben - wenn dies nicht sogar jetzt schon der Fall ist.
Karagounis hält dagegen. "Ich kann das Gerede über das Alter nicht mehr hören", meinte der Spielmacher von Panathinaikos Athen und verwies darauf, dass Griechenland auch mit der vermeintlichen "Rentnertruppe" in der EM-Qualifikation die meisten Punkte aller Teams gesammelt habe.
Er verschwieg allerdings, dass Gegner wie Norwegen, Bosnien, Moldawien, Ungarn und Malta derzeit nicht gerade zu den Schwergewichten im europäischen Fußball zählen. Auch in der WM-Qualifikation erwarten die Griechen - zumindest denken sie das selbst - lösbare Aufgaben. Gegner sind die Schweiz, Israel, Moldawien, Lettland und Luxemburg.
Zwei Spieler stehen so gut wie fest, die dann den Altersschnitt der Mannschaft drücken werden. Der erst 18-Jährige Seitirios Ninis von Panathinaikos Athen gilt als größtes Talent im griechischen Fußball und ging beim 2:0 gegen Zypern in der EM-Vorbereitung als bislang jüngster Länderspiel-Torschütze in die Verbandsgeschichte ein. Ebenso wie Ninis wurde aber auch Sokratis Papastakopoulos (20), ein äußerst talentierter Abwehrspieler von AEK Athen, noch kurzfristig von Rehhagel aus dem EM-Kader geworfen.
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