Nach Verbal-Attacke von Ivanschitz: Kroatien lacht die "Ösis" aus
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 06.06.2008 - 17:48Wien (RPO). Andreas Ivanschitz wollte vor dem Duell am Montag wohl nur ein bisschen provozieren. "Die sind unbeweglich und langsam. Da ist für unsere Stürmer etwas drin", hatte Österreichs Kapitän über die kroatischen Innenverteidiger gesagt. Das lassen die nicht auf sich sitzen.
"Die Österreicher glauben, dass sie unsere Abwehr demontieren können. Aber da täuschen sie sich ganz gewaltig", schickt Josip Simunic die Giftpfeile zurück zum EM-Gastgeber und fügt hinzu: "Nennen Sie mir einen österreichischen Spieler, der ein besserer Techniker ist als ich. Die sind alle miteinander keine besseren Techniker als ich!"
Der 30-Jährige in Diensten des Bundesligisten Hertha BSC Berlin strotzt vor Selbstbewusstsein - und das, obwohl die Abwehr die wohl größte Schwachstelle der Balkan-Truppe ist. Zusammen mit Robert Kovac, der eine Katastrophen-Saison bei Borussia Dortmund hinter sich hat, bildete er zuletzt eine wenig standfeste Innenverteidigung.
Trotzdem sagt er vor dem ersten Gruppenspiel am Montag (18 Uhr/LIVE!-Ticker): "Wir sind Favorit. Wir haben in der Qualifikation Russland und England hinter uns gelassen, während die Österreicher ständig ihre Freundschaftsspiele verloren haben."
Auch Kroaten-Coach Slaven Bilic lässt sich auf das verbale Duell im Vorfeld ein und zeigt, dass sich sein Respekt vor den "Ösis" in Grenzen hält. "Wir sind schon mit Messi, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Andrej Arschawin zurechtgekommen", erklärt er und schiebt sofort nach: Das sind größere Namen als Hoffer oder Linz."
Österreich ist der absolute Außenseiter
In der Tat gehen die Österreicher als der krasseste Außenseiter aller Zeiten in diese Europameisterschaft. Innerhalb der Mannschaft gibt es Querelen und immer wieder Disziplinlosigkeiten, kaum einer traut den "Ösis" den Sprung ins Viertelfinale zu.
Wenn man Josef Hickersberger in den letzten Tagen gelauscht hat, mag man fast vermuten, dass das Turnier für ihn und seine Mannen nur ein lustiger Betriebsausflug wird.
Der Trainer macht aus den Pressekonferenzen einen Comedy-Talk in bester Hans-Meyer-Gedächtnis-Manier, er will bloß keine Erwartungen im eigenen Land schüren - der Fall auf den Boden der Tatsachen ist dann weniger schmerzhaft.
Und doch träumt auch der 60-Jährige ab und zu. "Wir wissen, wie die Kroaten zu knacken sind, und sind für eine Überraschung gut. Unsere Siegchance liegt bei 40 Prozent", sagt er. Ernst meint er das wohl kaum.
Kapitän Ivanschitz scheint der Blick für die Realität dagegen etwas verstellt zu sein. Der 24-Jährige will nicht nur die Schwachstellen der Kroaten erkannt haben, sondern auch die eigene Qualität: "Wir sind sehr überzeugt von uns", sagt er und bei Ümit Korkmaz ist die Ordnung kurz vor dem Start scheinbar völlig aus den Fugen geraten.
Vielleicht ist er emotional aufgewühlt, jedenfalls hat der Frankfurter Neuzugang den Journalisten tatsächlich Folgendes in die Blöcke diktiert: "Wir werden bei der Euro einschlagen wie eine Bombe."
Stürmer-Legende Hans Krankl kann ob solcher Parolen und Anfeindungen gegen den Gegner nur den Kopf schütteln: "Das wird Bilic nicht die Bohne interessieren."
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