EM 2012: Platini warnt Polen und Ukraine
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 30.06.2008 - 17:39Wien (RPO). Uefa-Präsident Michel Platini ist nicht zufrieden mit dem Stand der Vorbereitungen auf die EM-Endrunde 2012. "Wenn es in den Hauptstädten der beiden Länder keine spielfähigen Stadien geben sollte, gehen wir nicht dorthin", sagt der Franzose.
Stolz und Zufriedenheit mit Blick auf die vergangenen drei Wochen, aber eine kaum verhohlene Warnung in Richtung Polen und Ukraine - diese beiden Aspekte prägten Michel Platinis EM-Fazit. "Der Geist dieses Turniers war ausgezeichnet", erklärte der Präsident der Europäischen Fußball-Union. "Die Uefa hat die Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen, und die Spieler und Trainer haben dieser Aufgabe gut gedient."
Weniger glücklich ist der Franzose mit dem Bild, das die beiden Ausrichterstaaten der nächsten EM-Endrunde abgeben. Platini bemüht sich zwar, offiziell den Schein zu wahren und die immer lauter werdenden Gerüchte über eine Verlegung des Turniers von 2012 nicht zu bestätigen: "Die Uefa wird alles Erdenkliche dafür tun, dass in Polen und in der Ukraine gespielt wird. Wir haben keinen Plan B."
Gleichzeitig betont er aber die Unzufriedenheit mit dem Stand der Vorbereitungen. "Wir haben versucht, die beiden Länder aufzuwecken", sagte Platini, "haben ihnen gesagt, welche Fortschritte sie machen müssen. Und diese Liste ist lang."
Das größte Problem ist der Stadionbau bzw. -umbau. "Wenn es in den Hauptstädten Warschau und Kiew keine spielfähigen Stadien geben sollte, gehen wir nicht in diese Länder", betonte Platini nachdrücklich. Am Mittwoch werde eine Zwölf-Personen-Delegation der Uefa nach Polen und in die Ukraine reisen, dort mit allen Organisations-Verantwortlichen wie etwa Ministern reden.
"Wir haben den Ländern vier Monate Zeit gegeben. Im September ist diese Frist abgelaufen - dann werden wir ja sehen." Und auch wenn Platini abstreitet, einen Plan B zu besitzen: In Wien pfiffen die Spatzen bereits von den Dächern, dass Spanien als Ersatz-Ausrichter Gewehr bei Fuß steht. Auch Schottland hat den Hut schon in den Ring geworfen.
Wer sich künftig um eine EM-Endrunde bemüht, wird sich voraussichtlich auf eine Erhöhung der Mindest-Zuschauerkapazität einstellen müssen. "Ich würde dazu neigen, die Mindestgröße eines Stadions von 30000 auf 35000 zu erhöhen", erklärte Platini - eine Folge der scharfen Kritik an den Mini-Arenen in Österreich und der Schweiz.
Mehr Zuschauer würden schließlich auch mehr Einnahmen bedeuten, und die möchte die Uefa dringend erzielen. "Die Einnahmen bei dieser Endrunde waren um 56Prozent höher als 2004", berichtete Uefa-Generalsekretär David Taylor, "aber das Netto-Ergebnis ist wegen der gestiegenen Ausgaben nur um fünf Prozent höher."
Michel Platini verteidigte die Finanzpolitik des Verbandes, dem Kritiker schon häufig Raffgier vorgeworfen haben. "Ohne das Geld, das wir bei einer EM erarbeiten, würden 70 Prozent der nationalen Verbände verschwinden", sagte der ehemalige Weltklasse-Profi. "Den EM-Gewinn geben wir ja an unsere 53 Mitgliedsstaaten weiter."
Den zahlreichen Beschwerden über den Austragungsmodus versuchte der 53-Jährige, den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Mir wurde oft gesagt, es sei nicht gut, dass die Mannschaften aus den Gruppen A und B bis einschließlich des Halbfinales unter sich blieben und erst im Finale auf ein Team der Gruppen C und D träfen", berichtete Platini.
"Aber das ist nun einmal das Resultat unserer Gespräche mit den Trainern." Die Viertelfinals könnten schließlich nicht alle an einem Tag stattfinden - und durch die unterschiedlichen Termine ergäbe sich ein Ungleichgewicht bei den Ruhetagen. "Die Trainer haben sich für diesen Modus entschieden, weil sie lieber im Halbfinale auf einen Gruppengegner treffen als zwei Ruhetage weniger zu haben."
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