Faustschlag gegen Serben: Scolari entschuldigt sich
zuletzt aktualisiert: 14.09.2007 - 10:42Lissabon (RPO). "Entschuldigung, aber ich bin nicht unfehlbar" - mit diesen Worten hat sich Luiz Felipe Scolari, Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft, für seinen Blackout im EM-Qualifikationsspiel der Südeuropäer gegen Serbien entschuldigt.
Während sich die portugiesischen Nationalspieler demonstrativ hinter ihren Coach stellten, werden die Stimmen nach einer Entlassung des Brasilianers immer lauter.
Scolari behauptete, er habe bereits mit Verbands-Präsident Gilberto Madail gesprochen und sich dessen Unterstützung zusichern lassen. "Ich will hier mein Projekt zu Ende bringen, und das heißt EM-Qualifikation." Der WM-Vierte liegt - mit zwei Spielen in der Hinterhand - auf Platz drei der Gruppe A hinter Polen und Finnland. Am Freitagnachmittag trafen sich die Funktionäre des portugiesischen Fußball-Verbandes (FPF) in Lissabon, um über die Zukunft des brasilianischen Weltmeister-Trainers von 2002 zu diskutieren.
Die Spieler bezogen bereits für den umstrittenen Coach Stellung. In einer gemeinsamen Presseerklärung brachten die Profis um Kapitän Nuno Gomes ihre "uneingeschränkte Unterstützung" für den Trainer zum Ausdruck. "Er ist und bleibt für uns Führungsfigur, Respektsperson und ein guter Mensch." Auch der inzwischen aus dem Nationalteam zurückgetretene Rekord-Torschütze Pauleta betonte: "Kein Portugiese darf vergessen, was er in den letzten vier Jahren geleistet hat."
Doch auf der iberischen Halbinsel formieren sich auch Scolari-Gegner. So forderte Portugals Sport-Staatssekretär Laurentino Dias bereits den Kopf des Trainers: "Diese Sache ist inakzeptabel. Der Fußball-Verband muss tätig werden." Pinto da Costa, Präsident von Meister FC Porto und Dauer-Kritiker des Brasilianers, sah nach dem Aussetzer den "idealen Moment" gekommen, um sich "von Scolari freizumachen".
Auch die Medien, denen der autoritäre Führungsstil Scolaris seit längerem ein Dorn im Auge ist, nutzen den Skandal zur persönlichen Abrechnung. "Endlich hat Scolari ein wenig von seiner Arroganz ablegen müssen", schrieb die Sportzeitung A Bola. Vor allem die Tatsache, dass er erst auf öffentlichen Druck die Tat eingestanden und sich entschuldigt hatte, sorgte für Unmut.
Genauso gespalten wie die Fachleute sind auch die Anhänger der "Seleccao das Quinas". In einer Internet-Umfrage der Sportzeitung Record sprachen sich 35,9 Prozent für eine Entlassung Scolaris, 31, 6 Prozent für eine andere Bestrafung und 23,4 Prozent für Straffreiheit aus.
Wenn es nach Scolari selbst geht, würde seine Aktion zumindest von Seiten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die Ermittlungen eingeleitet hat und sich in einer Sitzung am kommenden Mittwoch mit dem Fall beschäftigen will, keine drakonischen Folgen nach sich ziehen: "Ich gehe davon aus, dass ich von der Uefa ermahnt werde." Allerdings droht dem 58-Jährigen im schlimmsten Fall eine Sperre bis zum Karriereende, schrieben portugiesische Medien.
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