Spanien - Italien 4:2 i.E.: Spanien siegt im Elfmeter-Krimi
zuletzt aktualisiert: 23.06.2008 - 00:06Wien (RPO). Mit einem historischen Sieg ist Spanien bei der Fußball-EM nach 24 mageren Jahren wieder in das Halbfinale eines großen Turniers eingezogen. Die Rote Furie gewann erstmals seit 88 Jahren wieder ein Pflichtspiel gegen Italien.
Spanien trifft nach einem glücklichen 4:2 im Elfmeterschießen gegen den Weltmeister am kommenden Donnerstag in Wien erneut auf die Überraschungsmannschaft aus Russland. In der Vorrunde hatte der Europameister von 1964 die Sbornaja beim 4:1 noch an die Wand gespielt.
Nach 120 torlosen Minuten wurde Torhüter Iker Casillas vor den Augen des spanischen Königspaares mit zwei gehaltenen Elfmetern gegen Daniele De Rossi und Antonio Di Natale zum Helden der Spanier. "Es ist großartig, ich kann meine Emotionen gar nicht in Worte fassen. Das ist ein wichtiger Sieg für diese junge Mannschaft, wir haben lange darauf warten müssen", sagte Cesc Fabregas, der schließlich den entscheidenden Elfmeter verwandelte.
Casillas blickte bereits nach vorne. "Russland ist ein starker Widersacher, uns steht eine schwere Aufgabe bevor. Wir müssen uns noch steigern", sagte der Schlussmann von Real Madrid. Zunächst aber ist auch der Fluch des 22. Juni besiegt: nach drei Niederlagen bei großen Turnieren jeweils an diesem Datum, jeweils im Viertelfinale, jeweils im Elfmeterschießen.
Als einziger der vier Gruppensieger hat Spanien noch die Chance auf den Titelgewinn bei der EURO 2008. Vom überzeugenden Kombinationsspiel bei den drei Vorrundensiegen war bei den Iberern in einer kampfbetonten Begegnung ohne große Höhepunkte vor 51.178 Zuschauern im Wiener Enst-Happel-Stadion jedoch nichts zu sehen.
Die Mannschaft von Trainer Luis Aragones rannte sich immer wieder am Catenaccio des ersatzgeschwächten Weltmeisters fest. "Wir haben bis zum Schluss versucht, das Tor zu machen", beteuerte Casillas.
Der große Respekt der Spanier vor der Squadra Azzurra war allerdings auch nicht zu übersehen. Der letzte Mut zum Risiko war nicht zu erkennen, bei beiden Mannschaften nicht.
Fandel verweigert Spanien einen Elfmeter
Darüber hinaus hatte die Seleccion Pech, dass der nicht immer souveräne deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel (Kyllburg) im letzten Turnierspiel seiner Laufbahn nach einem Foul von Massimo Ambrosini an Torjäger David Villa (16.) den durchaus angemessenen Strafstoß verweigerte.
Die erste echte Torchance ergab sich erst nach einer guten Stunde - ausgerechnet für die auf Konter lauernden Italiener. Nach einem schweren Patzer von Spaniens Torhüter Iker Casillas kam der kurz zuvor eingewechselte Mauro Camoranesi zum Schuss - Casillas machte seinen Fehler mit einer Fußabwehr aber wieder wett.
In der 81. Minute patzte Italiens Torwart Gianluigi Buffon, er ließ einen 30-m-Weitschuss von Marcos Senna aus den Händen gleiten. Die Kunststoffkugel trudelte Richtung Tor und landete schließlich am Pfosten.
Erst dann bekam sie Buffon wieder zu fassen. In der 93. Minute verpasste David Silva mit einem fulminanten Schuss aus 16 m knapp das italienische Tor. In der 95. Minute prüfte Antonio Di Natale den spanischen Keeper Iker Casillas, der mit der Faust den Ball über die Latte lenkte.
Der letzte Turnier-Sieg der Spanier gegen Italien lag auch schon 88 Jahre zurück (Olympia 1920), zudem verhieß das Datum nichts Gutes: Schon dreimal hatte die spanische Nationalmannschaft an einem 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier verloren - bei der WM 1986 gegen Belgien, bei der EURO zehn Jahre später gegen England und bei der WM 2002 gegen Südkorea; und jedes Mal unterlag sie erst im Elfmeterschießen.
Die Vorzeichen für einen wahrhaft historischen Tag der selbstbewussten Spanier, die mit einer Serie von 19 Spielen ohne Niederlage nach Wien kamen, standen allen Flüchen zum Trotz nicht mal so schlecht.
Die Italiener mussten auf die gesperrten Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso verzichten. Für die Abwehr fehlten wegen Verletzungen Kapitän Fabio Cannavaro und der künftige Wolfsburger Andrea Barzagli. Ein Vorteil war dies für Spanien lange nicht.
STATISTIK
Spanien: Casillas/Real Madrid (27/80) - Sergio Ramos/Real Madrid (22/37), Marchena/FC Valencia (28/45), Puyol/FC Barcelona (30/64), Capdevila/FC Villarreal (30/21) - Iniesta/FC Barcelona (24/27) ab 60. Santi Cazorla/FC Villarreal (23/6), Senna/FC Villarreal (21/14), Xavi Hernandez/FC Barcelona (28/61) ab 60. Fabregas/FC Arsenal (21/30), Silva/FC Valencia (22/17) - Villa/FC Valencia (26/34), Torres/FC Liverpool (24/52) ab 87. Güiza/Real Mallorca (27/6). - Trainer: Aragones
Italien: Buffon/Juventus Turin (30/86) - Zambrotta/FC Barcelona (31/75), Panucci/AS Rom (35/57), Chiellini/Juventus Turin (23/13), Grosso/Olympique Lyon (30/35) - Aquilani/AS Rom (23/7) ab 108. Del Piero/Juventus Turin (33/89), De Rossi/AS Rom (24/36), Ambrosini/AC Mailand (31/35) Perrotta/AS Rom (30/43) ab 58. Camoranesi/Juventus Turin (31/39) - Toni/Bayern München (31/38), Cassano/Sampdoria Genua (25/15) ab 75. Di Natale/Udinese Calcio (30/20). - Trainer: Donadoni
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Deutschland)
Tore: Fehlanzeige
Elfmeterschießen: 1:0 Villa, 1:1 Grosso, 2:1 Santi Cazorla, Casillas hält gegen De Rossi, 3:1 Senna, 3:2 Camoranesi, Buffon hält gegen Güiza, Casillas hält gegen Di Natale, 4:2 Fabregas
Zuschauer in Wien: 51.178
Beste Spieler: Silva - Chiellini
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Santi Cazorla, Villa, Iniesta - Ambrosini
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







