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Aragones' Musterschüler: Torres auf dem Weg zum Gipfel

VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008 - 09:10

Wien (RP). Der Schütze des Siegtores im EM-Finale will der beste Fußballer der Welt werden. Spaniens Trainer Luis Aragonés tritt auf dem Höhepunkt des Ruhms ab: „Ich gehe, weil niemand etwas dafür getan hat, dass ich bleibe.“

Der erste Titel seit 44 Jahren lässt bei der spanischen Nationalmannschaft alle Dämme brechen. Während die deutschen Spieler bedröppelt in den Katakomben des Ernst-Happel-Stadions stehen und nach Erklärungen für die 0:1-Niederlage im EM-Finale suchen, geht in der Kabine ihres Gegners die Post ab.

Kaum zu verstehen die Interview-Versuche von Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Co., weil ein paar Meter weiter immer wieder jemand ein „campeones“ (Meister) anstimmt.

Eine Sektfontäne in Richtung Journalisten kündigt schließlich den Höhepunkt der Feierlichkeiten an. Eine Polonaise, angeführt von Torhüter und Kapitän Iker Casillas im deutschen Nationaltrikot seines Real-Kollegen Christoph Metzelder, stürmt durch die sogenannte Mixed Zone, vorbei an den gequält lächelnden Deutschen.

„Eviva Espana“ schmettert der Keeper mit schon etwas brüchiger Stimme, und die mindestens 15 Mitspieler an seiner Schulter stimmen lauthals in den alten Schlager ein. Wie ein Zug rauschen die Iberer in mehreren Runden lärmend vorbei - nur dass sie dabei keinen Dampf in die Luft blasen, sondern literweise Schaumwein.

Die Spanier feiern ausgelassen, während ihr Trainer von einem „glücklichen Tag für unser Land“ spricht. Luis Aragonés, der knorrige und auch aufgrund eigener befremdlicher Aussagen oft angefeindete Chefcoach, erklärt seine Spieler für reifer als noch vor zwei Jahren bei der WM.

„Sie sind jetzt eine Mannschaft, die weiß, wie man gewinnt“, sagt der 69-Jährige. „Wir alle, die Spieler und ich, wir wollen diesen Kombinations-Fußball. Und jeder will diesen Fußball sehen. Ich bin sicher, dass Spanien in dieser Hinsicht ein Vorbild sein kann.“

Einer seiner Musterschüler windet Aragonés derweil einen Lorbeerkranz. Schon auf dem Feld, noch vor der Siegerehrung, hatten sie den Trainer hochgeworfen, so dass er immer wieder auf und ab flog wie auf einem Trampolin. Jetzt nennt Fernando Torres, der Schütze des einzigen Treffers im Finale, den Coach „die wichtigste Person“ beim neuen Europameister. „Er ist wie ein Vater für uns“, sagt der Stürmer des FC Liverpool. „Wir freuen uns alle sehr für ihn. Luis Aragonés ist in die Geschichte des spanischen Fußballs eingegangen.“

Fernando Torres ebenfalls. Nicht nur, weil er Philipp Lahms anfängerhaften Fehler zum 1:0 ausnutzte. Der 24-Jährige spielt die Rolle der einzigen Spitze vor der genialen Mittelfeldreihe perfekt. „Er ist schon jetzt ein großer Spieler“, meint Aragonés, „in Liverpool und auch bei uns. Fernando ist noch so jung, er kann alles erreichen, einer der besten Spieler der Welt werden.“

Und das will der Blondschopf mit dem Engelsgesicht auch, vielleicht noch ein bisschen mehr. Zumindest spricht er in Wien davon, im Überschwang der Gefühle. „Ich will der beste und wichtigste Fußballer werden“, sprudelt es aus Torres heraus, „in Europa, in der Welt.“

Möglich ist es, nur muss er bei diesem hehren Anspruch erst einmal die Konkurrenz im eigenen Lager abhängen. Andrés Iniesta, Xavi Hernández, Cesc Fabregas, David Silva, David Villa - sie alle hätten das Zeug dazu.

Luis Aragonés, der Vater des Erfolges, wird die Entwicklung seiner jungen Europameister nicht mehr aus verantwortlicher Position heraus verfolgen. Der 69-Jährige tritt ab, auf dem Höhepunkt des Ruhms, wie er es sich immer gewünscht hat. Und auch in der Stunde des Triumphs vergisst er das Knurren nicht ganz.

„Ich gehe, weil niemand im Verband etwas dafür getan hat, dass ich bleibe“, sagt Aragonés. „Ich gehe, und es gibt keinen Weg zurück.“ Ein bisschen Wehmut gestattet er sich aber doch: „Ich habe vier Jahre lang mein Land verteidigt. Es nicht mehr zu tun, wird mich nostalgisch stimmen.“

Quelle: RP

 
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