Nationalmannschaft: Bundestrainer Löw fordert neuen Quali-Modus
zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 19:10Köln (RPO). Im DFB-Pokal sind die Kleinen das Salz in der Suppe, in der EM-Qualifikation sind sie den Großen nur noch lästig. Die Spiele gegen die Fußball-Zwerge werden für Spanien, die Niederlande und Co. zunehmend zum Ärgernis, der Ruf nach einer Vor-Qualifikation wird immer lauter. Auch Joachim Löw will eine Reform.
"Die Qualität der Spieler wird dadurch über die Jahre hinweg leiden", warnte der Bundestrainer bereits vor dem Duell mit Aserbaidschan in Köln (6:1) davor, den bestehenden Modus in Zukunft beizubehalten.
Löw hat zwar Verständnis für die Situation der Nationen aus der dritten Reihe, sieht in der Teilnahme der Außenseiter und der dadurch hohen Anzahl von Spielen aber ein ernsthaftes Problem. "Die kleinen Nationen leben von diesen Spielen sportlich und finanziell. Aber ich würde mir wünschen, dass der Terminkalender etwas entzerrt wird, denn es entsteht dadurch eine unheimliche Termindichte", sagt Löw.
Auch die Verletzungsgefahr ist ein wesentlicher Punkt, der gegen die Qualifikationsspiele gegen die europäischen Fußball-Zwerge spricht. Das spürte der Bundestrainer nun am eigenen Leibe. Gegen Aserbaidschan verletzte sich Abwehrspieler Per Mertesacker und droht mit einem Augenhöhlenbruch längerfristig auszufallen.
"Totale Zeitverschwendung"
Deutlich drastischere Töne als Löw schlägt der ehemalige englische Nationalspieler Tony Cottee an: "Diese Spiele sind die totale Zeitverschwendung. Wir reden davon, dass die Weltklasse gegen Spieler antritt, die Probleme haben, in eine Thekenmannschaft zu kommen. Es ist eine Farce", sagte Cottee und legte nach: "Man lässt ja auch nicht jeden in Wimbledon spielen."
Auf der Insel erhält erhält der 45-Jährige Unterstützung sowohl von Arsenal-Teammanager Arsene Wenger ("Die Qualität nimmt ab") als auch dessen Kollege Harry Redknapp (Tottenham Hotspur): "Es sollte eine Vor-Qualifikation geben. Die Kleinen sollten nicht mehr automatisch einen Gruppenplatz erhalten."
Gleich reihenweise stehen in der laufenden Quali ungleiche Duelle auf dem Programm. Liechtenstein, derzeit in der Weltrangliste auf Platz 141 geführt, kam bereits mit 0:4 gegen Welt- und Europameister Spanien unter die Räder, der Weltranglistenletzte San Marino (Platz 202) und die Färöer (118) waren beim Aufgalopp ebenfalls traditionell chancenlos.
Kaum Überraschungen
Beide hatten die Quali für die EM 2008 in Österreich und die Schweiz mit zwölf Niederlagen in zwölf Spielen beendet und waren dabei in Serie untergegangen. 57 Gegentore kassierte San Marino, für 19 davon sorgte alleine die deutsche Mannschaft.
Zu Überraschungen kommt es im Kampf zwischen David und Goliath nur in den seltensten Fällen, zumindest ab und zu wird es aber für einen Großen eng, das erlebten zuletzt die Italiener beim 2:1 in Estland. Entsprechend erleichtert zeigte sich Nationaltrainer Cesare Prandelli nach dem mühsamen Erfolg. "Wir können froh sein, dass wir das überstanden haben. Es gibt keine leichten Spiele mehr und es gibt keine leichten Gegner mehr. Das hat es in der Vergangenheit gegeben."
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der englische Ex-Nationalspieler John Barnes, der sich für den Erhalt der derzeitigen Regelung ausspricht und in den Qualifikationsspielen eine Entwicklungschance für die Kleinen sieht. "Schaut euch Griechenland an. Als ich gegen sie gespielt habe, machten wir fünf, sechs, sieben Tore. Und was passierte danach? Sie gewannen den Europameistertitel. Was hat England in dieser Zeit gewonnen?"
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