EM-Kolumne: Ein Erfolg des Systems
VON CHRISTIAN ZIEGE - zuletzt aktualisiert: 21.06.2008 - 13:34Düsseldorf (RP). Die Abwehr der deutschen Mannschaft wurde entlastet, und die Qualitäten der Offensivspieler kommen viel besser zur Geltung. Bestes Beispiel: Ballack.
Nach den ersten Spielen haben wir immer wieder diskutiert, ob das System der deutschen Mannschaft nicht überdacht werden muss. Jetzt hat es eine Systemveränderung gegeben, und die hat fürs Spiel unheimlich viel gebracht.
Durch den Wechsel zum 4-2-3-1 stehen wir in der Abwehr besser, und nach vorn kommen die Qualitäten der Spieler viel mehr zum Tragen. An Michael Ballack war das gut zu sehen. Er muss nicht mehr diese Kraftakte vollbringen, von hinten nach vorn laufen und ist wesentlich wirkungsvoller.
Oder Bastian Schweinsteiger: Er hat unheimlich viele Freiheiten, kommt gefährlich von außen wie beim ersten Tor. Und bei ihm war auch festzustellen: Er wusste, dass er gegen Kroatien Mist gebaut hat und wollte es unbedingt gut machen.
Die ganze Mannschaft hat mehr Struktur, das taktische Konzept hat gepasst. So konnte die Nationalelf eine der mit Sicherheit besten Mannschaften des Turniers ausschalten. Das war beeindruckend. Es war das mit Abstand beste Spiel des deutschen Teams.
Ich persönlich glaube, dass dieses System aber nicht nur für Portugal passt. Es macht unsere Mannschaft defensiv sehr kompakt, dadurch wird die Verteidigung entlastet, und man hat immer vier Mann für die Offensive. Darüber hinaus haben die Abwehrleute Räume, die es vorher nicht gab, in die sie nach vorn stoßen können.
Christoph Metzelder zum Beispiel hat sich so oft wie noch nie in dieser Europameisterschaft in die Angriffe eingeschaltet, er war durch die defensiven Mittelfeldspieler abgesichert. Nach einem seiner Vorstöße ist er gefoult worden, der Freistoß von Schweinsteiger führte zum 2:0 durch Miroslav Klose. In der Abwehr haben wir den Effekt, dass durch die zwei „Sechser“ der Druck des Gegners besser herausgenommen werden kann.
Wenn man gezwungen ist nach vorn zuzulegen, ist das auch ganz einfach. Dann nimmt man einen der Defensiven raus und bringt einen offensiveren Mann. Für mich ist es das beste System, weil es gut zu variieren ist. Deshalb wäre ich dafür, es auch im Halbfinale zu spielen. Das wird für unsere Elf eine ganz heißblütige Sache. Und es wird schon deshalb nicht einfach, weil die Mannschaft die Superleistung bestätigen muss. Jogi Löw muss die Jungs so hinkriegen, dass sie es noch mal so gut machen.
Unser Autor war Europameister 1996 und 2002 Vize-Weltmeister. Er spielte für Bayern München, AC Mailand, Tottenham Hotspur, FC Liverpool, FC Middlesbrough und Borussia Mönchengladbach. Heute ist er Sportdirektor der Borussia.
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