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EM-Kolumne: "Ungelernte" im Mittelfeld

VON CHRISTIAN ZIEGE - zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 13:05

Düsseldorf (RPO). Die Probleme der deutschen Mannschaft waren wieder zu erkennen. Es hakt im Mittelfeld und im Angriff. Das Viertelfinale gegen Portugal wird eine Standortbestimmung.

Christian Ziege hat zwei mal zehn Fragen unserer Leser beantwortet.  Foto: AP
Christian Ziege hat zwei mal zehn Fragen unserer Leser beantwortet. Foto: AP

Die Leistung der deutschen Mannschaft gegen Österreich war sicher nicht gut. Aber das war nicht überraschend, es stand zu viel auf dem Spiel. Bei einer Niederlage wäre unsere Nationalelf sehr unrühmlich in die Länderspiel-Geschichte eingegangen. Deshalb war allein der Sieg wichtig und das Weiterkommen im Turnier. Im Viertelfinale gegen Portugal wird man nun sehen, wo wir wirklich stehen.

Von den Österreichern war ich enttäuscht. Sie haben vorher eine große Klappe gehabt und im Spiel wenig gewagt. Da hätte ich doch eher eine Leistung wie im Spiel gegen Polen erwartet. Für ein Team, das eine historische Chance hat, die Deutschen auszuschalten, war das dünn. Aber uns soll das recht sein.

Die deutsche Elf hatte wieder die Probleme, die wir schon seit Turnierbeginn ansprechen. Clemens Fritz hat es sicher verdient, in der Nationalmannschaft zu spielen, er ist ein guter Mann. Aber er ist eben kein gelernter Mittelfeldspieler für die offensivere Rolle. Er hat die Einstellung, ist eifrig, ihm fehlt jedoch die Fähigkeit, in einer Eins-Eins-Situation einen Gegner auszuspielen und zum Flanken zu kommen.

Schade ist außerdem, dass wir mit einem Stürmer im Mittelfeld antreten, der viel weiter vorn sein müsste. Lukas Podolski hat eindeutig seine Stärken, wenn er im Angriff um einen zentralen Stürmer herumspielen kann. Dass Jogi Löw zwei "ungelernte" Kräfte auf diesen wichtigen Positionen aufstellt, finde ich mutig. Weil er damit allerdings das Viertelfinale erreicht hat, kann er sagen: Es war alles richtig.

Dennoch bin ich überzeugt davon, dass er morgen gegen Portugal Podolski neben Miroslav Klose in den Sturm stellen wird, wenn "Poldi" seine Verletzung auskuriert. Klose hat wieder bewiesen, dass er seinen Nebenleuten Chancen verschaffen kann, er ist wichtig für die Mannschaft. Für Gomez tut es mir leid, das ist ein Superstürmer, aber er kann es zurzeit nicht umsetzen. Die Laufwege mit Klose scheinen nicht richtig abgestimmt.

Da haben nun andere eine Chance verdient. Vielleicht klappt es mit Podolski und Klose besser. Das muss der Trainer beurteilen. Der arbeitet jeden Tag mit den Spielern. Im linken Mittelfeld könnte Bastian Schweinsteiger nach seiner Sperre wieder eingesetzt werden, wenn Podolski in den Angriff rückt.

Unser Autor Christian Ziege (36) wurde mit Deutschland 1996 Europameister und 2002 Vize-Weltmeister. Er spielte für Bayern München, Borussia Mönchengladbach, AC Mailand, FC Liverpool, Tottenham Hotspur und FC Middlesbrough.