EM-Teilnehmer im Porträt: England leidet seit 1966
zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 - 17:26Köln/London (RPO). Seit 46 Jahren wartet die englische Nationalmannschaft auf einen Titel. Die gute Qualifikation weckte Hoffnungen beim Weltmeister von 1966 für die EM 2012, doch die überraschende Trainerwahl und die Sperre von Wayne Rooney dämpfen die Erwartungen.
Ein gesperrter Superstar Wayne Rooney und die überraschende Berufung von Roy Hodgson zum Teammanager trüben die Stimmung im Mutterland des Fußballs vor der Jagd nach dem ersten Titel seit quälend langen 46 Jahren. Nachdem die gute Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine große Hoffnungen in England geweckt hatte, machte sich der Weltmeister von 1966 das Leben selber schwer. Der englische Verband FA sieht sich nach einer monatelangen Hängepartie und der Wahl des 64-jährigen Hodgson Kritik ausgesetzt.
Die englischen Zeitungen bewerten die Berufung Hodgson zum Chefcoach als "erstaunlich". "The Sun" fragte in Anspielung auf den Favoriten Harry Redknapp: "Warum hat es Harry nicht bekommen?". Doch die Wahl der FA bei der Nachfolge des im Februar zurückgetretenen Italieners Fabio Capello fiel auf den Manager des Premier-League-Klubs West Bromwich Albion.
Hodgson, der auf Interimstrainer Stuart Pearce folgt, geht die schwierige Aufgabe jedenfalls "stolz" an. Er kündigte zahlreiche und schnelle Gespräche mit den Spielern an, um sich auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Das erste Länderspiel unter seiner Regie findet am 2. Juni gegen Belgien statt, neun Tage später steht bereits das erste EM-Gruppenspiel gegen Ex-Weltmeister Frankreich an.
Die englischen Spieler demonstrierten trotz der lange Zeit unbefriedigenden Situation Gelassenheit. "Ich denke, dass die Qualität des Kaders entscheidend ist, und der Charakter der Spieler und beides ist in unserem Kader reichlich vorhanden", sagte Routinier Frank Lampard vom FC Chelsea.
Rooney trotz Sperre dabei
Einen Qualitätsverlust müssen die Engländer allerdings in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Frankreich und Schweden verkraften. Topstar Rooney von Manchester United fehlt nach seiner Roten Karte im unbedeutenden Qualifikationsspiel in Montenegro gesperrt und kann erst zum Vorrundenabschluss gegen Co-Gastgeber Ukraine mitwirken. Als erste Amtshandlung gab Hodgson aber bekannt, dass er trotz der Zwei-Spiele-Sperre auf Rooney setzt. "Ich freue mich, dass Rooney mit uns zur EM kommt", so der Coach.
Rooneys unnötiger Platzverweis war der negative Abschluss einer ansonsten guten Qualifikation. Fünf Siege, drei Unentschieden – die Engländer setzten sich in der Gruppe G souverän mit 18 Punkten vor Montenegro (12) und der Schweiz (11) durch. Nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM 2010 in Südafrika gegen Deutschland (1:4) zeigten sich die Engländer wieder gefestigt. In den acht Begegnungen der Qualifikation mussten sie nur fünf Gegentore hinnehmen. Mit Torhüter Joe Hart von Manchester City scheinen sie auf einer ihrer traditionell größten Problempositionen eine gute Lösung gefunden zu haben.
Zudem hat sich die Mischung im Team zwischen erfahrenen Akteuren und jungen Spielern verbessert. Bobby Zamora, Jack Rodwell und Kyle Walker spielten sich zuletzt in den Vordergrund. Zudem gibt es in Rio Ferdinand, John Terry und Lampard noch genug Routiniers, die die Erfahrung mitbringen. Ob dies ausreicht, die 46 Jahre dauernde Durststrecke zu beenden, muss angesichts der Unruhe rund um die Nationalmannschaft zumindest bezweifelt werden.
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